28. April 2005 17:07; Akt: 28.04.2005 17:07 Print

Lokführer starb mit Hand an der Bremse

Drei Tage nach der Eisenbahnkatastrophe in Japan haben Rettungskräfte die Leiche des Lokführers geborgen, der offenbar wegen einer Verspätung von 90 Sekunden zu schnell unterwegs war.

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Die Hand des 23 Jahre alten Ryujiro Takami habe noch die Bremse umklammert, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Zahl der Toten erhöhte sich am Donnerstag auf 106.

Der vollbesetzte Pendlerzug war am Montag in Amagasaki bei Osaka in einer Kurve entgleist und gegen einen neunstöckigen Wohnblock geprallt. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf Takami. Der Vizechef der japanischen Eisenbahnergewerkschaft, Osamu Yomono, sagte, der 23-Jährige sei nur 13 Tage vor dem Unfall von seinen Vorgesetzten wegen einer Verspätung gerügt worden. «Angst hinderte ihn daran, eine vernünftige Entscheidung zu treffen», sagte Yomono.

Takami hatte erst im Mai 2004 von der Eisenbahngesellschaft die Zugfahrerlizenz erhalten. Einen Monat später unterliess er einen Halt an einer Station und erhielt eine Abmahnung, wie die Polizei und das Unternehmen berichteten.

Laut Medienberichten soll der Zug in einem Streckenabschnitt, wo Langsamfahrt vorgeschrieben ist, mit weit über 100 Kilometern pro Stunde gefahren sein. Der Lokführer wollte Zeit gutmachen, die er verloren hatte, weil er an einer Station zu weit gefahren war. Moderne Sicherungssysteme, die einen zu schnell fahrenden Zug automatisch stoppen, gab es den Angaben zufolge dort nicht.

Verkehrsminister Kazuo Kitagawa deutete an, dass der Staat die Ausbildung und Examinierung von Zugfahrern übernehmen könnte. Bisher gibt es nach Angaben des Ministeriums keine staatliche Prüfung für Lokführer. Kitagawa sagte, er frage sich, ob man die Prüfung weiter allein den Eisenbahnunternehmen überlassen solle. «Vielleicht sollte sich der Staat aktiver an der Qualifizierung und Ausbildung der Fahrer beteiligen.»

Die Büros der West-Japan-Eisenbahngesellschaft wurden durchsucht, nachdem der Verdacht der Fahrlässigkeit laut geworden war. Ermittler werten auch die Aufzeichnungen der Black Box aus, eines im Zug installierten Geräts, das automatisch Fahrdaten speichert.

Am Donnerstag wurden nach Angaben der Feuerwehr noch acht Leichen aus den Trümmern geholt. Die Rettungskräfte brachen die Suche in den Trümmern des Zuges ab, wollten aber den Unglücksort weiter absuchen. 450 Menschen erlitten Verletzungen. Es war das schwerste Zugunglück in Japan seit 1963.

(ap)