Kurzes Glück

24. Januar 2011 12:19; Akt: 25.01.2011 09:33 Print

Lotto-Millionärin auf der Flucht

Als Holly Lahti letzte Woche 190 Millionen Dollar im Lotto gewann, dachte sie, alle Sorgen seien vertrieben - bis sich ihr tyrannischer Ex meldet.

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Holly Lahti (links) auf einem Polizeifoto im Jahr 2003. Ihr Ehemann Josh (rechts) hatte sie während einem Streit brutal verprügelt. (Bilder: AP/Kootenai County Sheriff's Office)

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Das ist die Geschichte einer Frau, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Holly Lahti gewann vergangene Woche im US-Bundesstaat Idaho 190 Millionen Dollar. Doch anstatt ihr neues Glück zu geniessen, muss die 29-Jährige mit ihren zwei Kindern fliehen – vor ihrem gewalttätigen Ehemann Josh Lahti.

Das Bild der Gewinnerin, das nun alle Zeitungen in den USA ziert, ist ein Polizeifoto aus dem Jahr 2003. Damals war Lahti bei einem Streit mit ihrem Ehemann von diesem brutal verprügelt worden. Das Bild zeigt die Frau mit einem blauen Auge und Schürfungen auf dem ganzen Gesicht. Lahti trennte sich daraufhin vom Vater ihrer zwei Kinder. Scheiden liessen sich die beiden nie. Und genau das soll Holly Lahtis Freude über den Lotto-Gewinn trüben.

Unterbezahlte Büroassistentin wird Millionärin

Nach der Trennung begann Lahti ein neues Leben: Sie arbeitete als Bürohilfe in einer Bank und zog ihre inzwischen 10- und 12-jährigen Mädchen gross. Als nun die Nachricht ihres Lottogewinns in allen Medien verbreitet wurde, bekam auch Ex-Mann Josh Lahti Wind davon. «Ich muss nie wieder Unterhalt für meine Kinder zahlen!», frohlockte er gegenüber einem Journalisten der Nachrichtenagentur AP. Er wolle nun seinen Anteil an den Millionen. Immerhin geht es nach Abzug der Steuern um 120 Millionen, die es zu teilen gilt. Holly Lahti hatte eine Einmalauszahlung gewählt, statt sich den Millionen-Gewinn über 25 Jahre hinweg in Raten ausbezahlen zu lassen.

Laut der Rechtsprofessorin Elizabeth Brandt könnte Josh Lahti, der bereits 180 Tage wegen Kindesentzugs im Gefängnis sass, bis zur Hälfte des Gewinns beanspruchen. Weil das Paar noch verheiratet ist, könnte «das eine sehr knifflige Sache» werden, erklärt die Juristin weiter. Sie rät Lahti, sich mit dem prügelnden Ehemann «aussergerichtlich zu einigen».

«Verschwinde!»

Holly Lahti hat es offenbar mit der Angst zu tun bekommen. Seit Tagen fehlt von der jungen Mutter und ihren zwei Töchtern jede Spur. Nicht zuletzt dürfte die Fluchtidee aus den Kommentaren einer Facebook-Gruppe entstanden sein: «Nimm dir den besten Scheidungsanwalt, den du für Geld kriegen kannst, und dann zieh mit deinen Töchtern ans andere Ende der Welt und gönne ihnen ein schönes Leben!», schrieben ihre Fans.

Auf Facebook meldet sich die Lottogewinnerin zu Wort: «Macht euch keine Sorgen, ich muss mich jetzt um so viele Dinge kümmern», schrieb sie noch am Sonntag. Sie wolle erst einmal warten, bis der Rummel etwas vorbei sei. Den grössten Vorwurf macht sie allerdings den Medien, die ihre traurige Vergangenheit ausgegraben hatten.

(kle)