12. April 2005 00:35; Akt: 14.04.2005 13:50 Print

Manipulation: Ninjas aus Charts gekippt

Der Verdacht gegen den Musikproduzenten David Brandes, er habe die deutsche Hitparade manipuliert, hat sich offenbar bestätigt.

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Vier Singles und zwei Alben sind wegen Manipulationsverdacht aus den deutschen Charts genommen worden, wie der Bundesverband der Phonographischen Industrie mitteilte. Die Titel sollen gezielt gekauft worden sein, um sie in der Hitparade nach oben zu hieven.

Von dem Ausschluss betroffen sind auch die Vertreter des Eurovision- Song-Contest aus der Schweiz, Vanilla Ninja. Neben den Alben «Traces of Sadness» und «Blue Tattoo» sind auch die Titel «I Know» und «Blue Tattoo» betroffen. Die Songs dürfen von deutschen Radiosendern ab sofort nicht mehr gesendet werden.

Die Firma Media Control hält es für erwiesen, dass gezielt Massenkäufe stattgefunden haben, um die Platzierung innerhalb der Top 100 zu beeinflussen, erklärte der Verband. Das Vorgehen richte sich aber nicht gegen die betroffenen Künstler oder ihre Vertriebsfirmen. Media Control erhebt die wöchentlichen Charts in Deutschland.

Hintergrund sind Ermittlungen gegen die Firma Bros Music in Weil am Rhein, die die Vanilla Ninja und andere Interpreten produziert. Medienberichten zufolge hatte Bros Music Aufkäufer beauftragt, gezielt CDs von Bros-Music-Künstlern zu erwerben und so deren Chart-Positionen positiv zu beeinflussen.

Bros-Music-Geschäftsführer David Brandes wollte sich auf AP-Anfrage zu der Chart-Entscheidung nicht äussern, kündigte jedoch eine Stellungnahme für den Lauf des Tages an.

Die Vorwürfe waren bereits Ende März durch einen Bericht der Sat.1-Sendung «Akte 05» publik geworden. Darin hatte Media Control von verdächtigem Kaufverhalten berichtet. Brandes hatte daraufhin eine interne Untersuchung angekündigt und erklärt, der Kauf von eigenen Produkten sei in der Branche gängig.

Spiesecke sagte der AP, es habe schon öfter ähnliche Manipulationsverdachte gegeben, noch nie sei jedoch ein Chart-Ausschluss verhängt worden. Er wies darauf hin, dass sich der Rückkauf von CDs für einen Produzenten finanziell kaum lohnen könne.

Zu Spekulationen, dass damit die Eurovisions-Entscheidung beeinflusst werden sollte, wollte sich Spiesecke nicht äussern. Die 22-jährige Gracia, bekannt durch die RTL-Sendung «Deutschland sucht den Superstar», war nur wegen einer auf ihrer Chartplatzierung basierenden «wild card» in die deutsche Vorentscheidung Mitte März gekommen. Für einen Zusammenhang mit Eurovision spricht auch, dass das von Brandes produzierte estnische Frauen-Quintett Vanilla Ninja als Kandidat für die Schweiz an der Endausscheidung in Kiew teilnimmt.

Zuschauerentscheidung laut NDR korrekt

Der für den Eurovision-Contest zuständige NDR lehnte eine Revision der Entscheidung ab. «Gracia bleibt die Vertreterin Deutschlands beim Eurovision Song Contest am 21. Mai in Kiew», erklärte NDR-Unterhaltungschef Jürgen Meier-Beer in Hamburg. Zur Begründung fügte er hinzu, es sei nicht erkennbar, dass die Zuschauerentscheidung bei einer regulären Anmeldung ohne Chart-Platzierung anders ausgefallen wäre. Die Korrektheit der Zuschauerentscheidung sei zudem durch eine nachträgliche Überprüfung der Telefon- und SMS-Abstimmung bestätigt worden.

(ap)