München

03. August 2016 21:55; Akt: 04.08.2016 07:40 Print

Mann angezeigt, weil er Amokläufer beschimpfte

Thomas Salbey wollte den Täter von München vom Balkon aus aufhalten – das Video ging um die Welt. Jetzt ist er wegen Beleidigung angezeigt worden.

«Du gehört in die Psychiatrie!»: Das Video des Wortwechsels zwischen Thomas Salbey und dem Amokläufer. (22. Juli 2016) Video: Youtube/MSO
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Beim Amoklauf in München brachte der 18-jährige David Ali S. neun Menschen um. Mehrere Videos des Attentats verbreiteten sich rasant. Mitunter eines, in dem ein Anwohner den Amokläufer von seinem Balkon aus beschimpfte. Ein Nachbar hatte die Szene gefilmt.

Später wurde bekannt: Der Anwohner ist der 57-jährige Baggerfahrer Thomas Salbey. Er wurde später von mehreren Journalisten zu seinem Video interviewt – und nahm sich auch dann in seiner Wortwahl nicht zurück.


Salbey erklärt in einem Interview, wie sein Video entstanden ist. (24. Juli 2016) Video: Youtube/tz.de

Deswegen hat ihn nun jemand wegen Beleidigung angezeigt – wer, ist noch unklar. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft München I, Florian Weinzierl, bestätigte das der Münchner Zeitung «tz».

Gemäss Weinzierl wurde das Video nach der Tat aufgenommen. Die Beschimpfungen hatten somit «nach vorläufigen Bewertungen» keinen Einfluss auf die Tat. Die Anzeige müsste als «Beleidigung zum Nachteil eines Toten» bewertet werden, so Weinzierl.

Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre

Die «Huffington Post» zitierte den dazugehörigen Paragrafen 189 des deutschen Strafgesetzbuchs: «Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.»

Somit würde sich die Anzeige wohl nicht auf das Video von Salbeys Tiraden während des Amoklaufs beziehen, sondern auf seine Interviews danach.

(mch)