Inzestfall

10. Februar 2011 11:13; Akt: 10.02.2011 19:21 Print

Mann zeugt acht Kinder mit Stieftochter

In Deutschland ist ein Familienvater angeklagt, seine Stieftochter und seinen Stiefsohn jahrelang missbraucht zu haben. Acht Kinder sollen daraus entstanden sein.

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Ein Mann aus Rheinland-Pfalz soll mit seiner adoptierten Stieftochter acht Kinder gezeugt haben. Dem 48- Jährigen wird zudem vorgeworfen, diese und seine leibliche Tochter jahrelang missbraucht und zur Prostitution gezwungen zu haben. Auch an seinem Stiefsohn soll er sich vergangen haben, berichtete die Koblenzer «Rhein-Zeitung» am Donnerstag. Die Anwältin der heute 28-jährigen Stieftochter bestätigte den Bericht.

Ein Sprecher des Landgerichts Koblenz sagte, der Mann stehe von kommenden Dienstag an wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Der Angeklagte bestreitet nach Angaben seines Verteidigers die Vorwürfe.

Missbrauch dauerte über 20 Jahre

Er soll von Herbst 1987 bis Sommer 2010 zwei seiner Stiefkinder sowie seine heute 18-jährige Tochter sexuell missbraucht haben. Zudem soll er die beiden Mädchen zu zwei Männern gebracht haben, die sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen haben. Wie alt die Kinder während der mutmasslichen Taten waren, wollte der Gerichtssprecher nicht sagen.

Der Prozess ist bis Ende Monat angesetzt. Die Anklage fordert Sicherungsverwahrung für den Mann. Dieser sitzt seit dem 10. August in Untersuchungshaft. Aus Rücksicht auf die Opfer habe man sich dazu entschieden, zunächst nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte der Sprecher.

Mit der Adoptivtochter zeugte er nach Angaben der Nebenklage- Anwältin zwischen 1999 und 2009 acht Kinder. Das erste Kind, ein Junge, starb kurz nach der Geburt an plötzlichem Kindstod.

DNA-Gutachten belegt Vaterschaft

Nach Angaben des Gerichts liegt ein DNA-Gutachten vor, das die Wahrscheinlichkeit einer Vaterschaft des Angeklagten der sieben überlebenden Kinder mit 99,99 Prozent angibt.

Wie die Anwältin der Stieftochter der Nachrichtenagentur dpa weiter sagte, konnte die Polizei den Mann festnehmen, nachdem die Stieftochter einen an den Vater gerichteten Abschiedsbrief seiner eigenen Tochter gefunden und an das Jugendamt weitergeleitet hatte. Die junge Frau wollte ausziehen und vorher noch einige Dinge loswerden.

Die Familie lebt mitten in einem kleinen Dorf. Der 48-Jährige sei mit der 52 Jahre alten Mutter der 28-Jährigen verheiratet, sagte Anwältin Katharina Hellwig. Das Ehepaar habe vier gemeinsame Kinder. Ausserdem habe der Mann zwei der drei Söhne und die 28-jährige Tochter aus erster Beziehung der Ehefrau adoptiert.

Mauer des Schweigens

Die 28-Jährige wurde regelmässig vom Jugendamt betreut. Mindestens einmal in der Woche sei eine Mitarbeiterin vorbeigekommen, sagte der Leiter des Jugendamts, Hermann-Josef Greb.

Es gab die Vermutung, dass der 48-Jährige der Vater der sieben Kinder sei, deshalb habe das Amt immer wieder danach gefragt. Das Opfer habe dies stets abgestritten, sagte Greb. Auch Ermittlungen der Polizei seien daran gescheitert.

Erinnerungen an Josef Fritzl

Der Fall weckt Erinnerungen an den Inzest-Skandal von Amstetten in Österreich. Dort hatte Josef Fritzl vor Gericht gestanden, seine Tochter Elisabeth 24 Jahre im Keller unter seinem Haus eingesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben.

Ein Säugling starb drei Tage nach der Geburt im Verlies, weil Fritzl keine Hilfe für das todkranke Baby geholt hatte. Fritzl war im März 2009 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

(sda)