Sans-Papier-Baby

17. Dezember 2011 17:32; Akt: 17.12.2011 17:34 Print

Maria feiert Weihnacht ohne Identität

von Antonio Fumagalli - Das Behörden-Hickhack rund um das papierlose Schweizer Baby nimmt kein Ende: Dem Kanton Aargau sind die Hände gebunden, denn in Italien spielt man auf Zeit.

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Monika Matter hält ihre mittlerweile zweimonatige Tochter Maria in den Armen, das Köpfchen sanft auf die Schultern gestützt. «Es geht ihr wunderbar, das ist die Hauptsache», sagt sie und wiegt die Kleine in den Schlaf. In solchen Momenten vergisst die Mutter jeweils, wie sehr sie und ihr Mann die Sorge um die Identität ihrer Tochter umtreibt.

Am Freitag kam Post aus dem Aargau, Departement Volkswirtschaft und Inneres. Monika und Martin Matter hatten gehofft, dass der Kanton einlenkt und Maria in der Schweiz registriert. Sie freuten sich zu früh: Wegen der fehlenden Geburtsurkunde aus Italien könne «keine Beweiswürdigung vorgenommen» werden, es bestehe «kein Handlungsspielraum». Kurz: Die Anerkennung der Geburt in der Schweiz sei unter den gegebenen Bedingungen weiterhin nicht möglich.

Die eidgenössische Zivilstandsverordnung sieht grundsätzlich vor, dass bei im Ausland geborenen Kindern, die keine zivilstandsamtliche Urkunde haben, ein Gerichtsverfahren in der Schweiz durchgeführt werden kann. Gemäss Angaben des Kantons Aargau ist diese Bestimmung aber für «Länder im Kriegszustand oder ohne funktionierende Verwaltung vorgesehen». Da dies in Italien nicht der Fall sei, könne die Klausel nicht auf die Situation der Familie Matter angewendet werden.

«Das Dokument ist bei uns in Bearbeitung»

Der Ball liegt also ennet des Gotthards, genauer gesagt beim Bezirksgericht im toskanischen Prato. «Das Dokument ist bei uns in Bearbeitung», bestätigt die leitende Angestellte Silvana Ruggeri auf Anfrage von 20 Minuten Online. Es müssten nun die ordentlichen Verfahrensfristen eingehalten werden, was Zeit in Anspruch nehmen könne, weil ein Richter involviert sei. Reicht es noch vor Weihnachten? «Das bezweifle ich», sagt Ruggeri.

Für die Familie Matter heisst es demnach weiterhin: Abwarten und Tee trinken. Wie Ruggeri erklärt, bringe es auch nichts, nun überstürzt nach Prato zu reisen. Falls es nötig sei, dass sich die Eltern vor Gericht präsentierten, würden sie schon aufgeboten. Ob die kleine Maria ihre Eltern dann begleiten dürfte, müsste allerdings erst abgeklärt werden – einen Pass hat sie ja eben nicht. Der Kanton Aargau teilte der Familie Matter mit, dass für einen kurzfristigen Grenzübertritt «allenfalls die Möglichkeit besteht, einen Ausflugsschein ausstellen zu lassen». Man solle sich vor Antritt der Reise bei der Einsatzzentrale der entsprechenden Grenzwache erkundigen. Die mitgelieferte Nummer ist gratis.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • dario c. am 17.12.2011 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die schweiz-italiener verstehens

    italien live... jetzt wisst ihr, wie wir doppelbürger zu kämpfen haben in italien.... da braucht es halt 6x länger zeit.... ... geduld....

  • Ninong , Lalaki am 18.12.2011 04:23 Report Diesen Beitrag melden

    Papierkrieg Obligatorisch

    Und da " Jammert " die Schweiz immer wieder , dass wir zu wenig Nachwuchs hätten , wenn der Nachwuchs dann aber kommt wierd wegen einer " Papierlapalie " einem Paar sogar dies noch Vermiest , muss man sich da noch wundern ? ! Irgendwann " Ersäuft " die Schweiz mal im eigenen " Papierkrig " ! Kleine Maria , ich wünsche dir und den Eltern ein Frohes , glückliches und langes Leben mit Papieren ! ALL THE BEST !!

  • P. R. am 17.12.2011 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    irgendwo selber schuld

    Jetzt mal ernsthaft, wieso müssen die beiden auch so kurz vor der Geburt noch verreisen? Und wenn schon, könnten sie auch im Voraus abklären, was es da so zu beachten gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Vera am 19.12.2011 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bürokratie ist unglaublich

    Bürokratie pur... macht einen Gentest, damit der Beweis erbracht ist, dass das Kind nicht von eBay stammt und gebt ihm dann den Schweizer Pass. Es ist erbärmlich, wie die Beamten hilflos sind, wenn sie kein passendes Formular finden...

  • Ursi am 19.12.2011 13:12 Report Diesen Beitrag melden

    nerven benoetigt

    andere laender, andere aemter! habe in italien gelebt, und 2 kinder in italien auf die welt gebracht. die burokratie funktioniert anders. mich wundert es eher, dass die eltern das kind einfach so ohne amtliche anmeldung von I oder in diesem Fall CH aus dem Krankenhaus mit nach Hause nehmen konnten! an die eltern: ihr braucht noch ein bisschen nerven, aber das wichtigste ist doch, dass bei der geburt alles gut gelaufen ist!

  • Alex, Züirch am 19.12.2011 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Das ganze tut mir für das Kind sehr leid. Wünsche das Beste für die Zukunft. Muss jedoch den Eltern für die heutige Situation die Schuld zuweisen. Es wissen doch (fast) alle, dass während der Schwangerschaft sowas passieren kann... Und die Sache mit den Papieren ist dazu noch sehr umständlich. Das die CH nicht eine Lösung bringen kann ist unverständlich. Wir sind im Mittelalter.

  • genervt am 19.12.2011 07:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wie oft den noch

    Ja wir wissen jetzt, dass sich ein schweizer Kind keine Papiere hat - braucht das wirklich so ein Trara darum?! P.S.: für alle die jetzt sagen, ich brauch den Artikel nicht zu lesen: Ich hab ihn nicht gelesen...

    • Ich auch.... am 19.12.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

      Elterliche Pflichten?

      Stimmt... man kann es nicht mehr hören. Ichbin der Meinung, dass elterliche Pflichtne auch vor der Geburt beginnen. Fliegen darf man ca ab dem 8 Monat nicht mehr.... In diesem Sinne -

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  • Markus am 18.12.2011 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Identität?

    Nun ja. Ich hoffe, dass das Baby seine Identität nicht von einem Stück Papier abhängig macht.