Monster-Sturm «Yasi»

02. Februar 2011 23:30; Akt: 02.02.2011 23:35 Print

Massive Schäden, (noch) keine Opfer

Der Zyklon «Yasi» hat auf dem australischen Festland gewütet. 170 000 Menschen sind ohne Strom. Berichte über Opfer liegen keine vor.

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3. Februar 2011: Der Monster-Sturm ist über Australien hinweg gefegt und hat zahlreiche Häuser zerstört. Zu den am heftigsten getroffenen Orten gehören der kleine Ort Mission Beach zwischen Cairns und Townsville ... ... sowie die Stadt Tully, rund dreissig Kilometer von der Küste entfernt. Tully bietet mit seinen abgedeckten Häusern ... ... und abgerissenen Stromleitungen ein Bild der Zerstörung. Mehr als 170'000 Menschen seien ohne Strom. Auch die Strandpromenade in Townsville war vom Sturm betroffen. Auf seinem Weg über das Festland verlor der Zyklon etwas an Kraft, da er dort auf kühlere Luftströme traf. Der Wirbelsturm der höchsten Kategorie fünf der international gebräuchlichen Saffir-Simpson-Skala wurde auf die Kategorie drei herunter gestuft. Die Wiederherstellung der Stromversorgung ist nun eine der vorrangigsten Aufgaben. Dies kann in einigen Regionen aber Tage, wenn nicht gar Wochen dauern. Cairns, eine Stadt mit 12'000 Einwohnern, rund 1700 Kilometer nördlich von Brisbane lag zwar in der «Schusslinie» des gewaltigen Wirbelsturms, wurde aber weitgehend verschont. 2. Februar, ca. 19.00 Uhr (Ortszeit): In Townsville haben sich die Einwohner in Kellern und anderen Schutzräumen verbarrikadiert. 18.30 Uhr: Auf den Strassen ist kaum noch jemand zu sehen. In Ayr gibt es schon die ersten Stromausfälle, und der Wind ist stark genug, um grosse Bäume zu entwurzeln. Leserreporter Marcel K., der gerade durch Australien reist, wäre am Mittwoch in Cairns angekommen. Als er die Warnungen in den australischen Medien sah, änderte er kurzerhand seine Pläne: «Wir sind nach Brisbane geflogen, 1300 Kilometer vom Sturm entfernt.» Der Zyklon Yasi hat mit 400 Kilometern Durchmesser riesige Ausmasse. Hunderte finden im Rathaus... ...oder in Supermärkten Unterschlupf, wie hier in Cairns. Die Familien haben nur gerade das Nötigste mitnehmen können. Wer es sich leisten konnte, hat noch einen der letzten Flüge Richtung Süden gebucht. Mittlerweile sind die Flughäfen geschlossen. In der Küstenstadt Cairns haben die Ladenbesitzer ihre Glasfassaden verbarrikadiert. Die Küstenwache fürchtet eine meterhohe Flut, die tausende Häuser überschwemmen könnte. Die Flutwelle dürfte bis zu sieben Meter hoch sein. Ob diese Plastikabdeckung ausreichend schützt?

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Am Morgen, nach dem der gigantischen Zyklon «Yasi» die australische Küstenregion erreicht hat, werden erste Schäden sichtbar. Wie die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh, mitteilt, sei die Touristenstadt am Great Barrier Reef, Cairns, glimpflich davon gekommen. Es gebe keine Berichte über Tote oder Verletzte.

Bligh habe sei aber über massive Zerstörung in den nahe gelegenen Orten Tully und Cardwell informiert worden, wie sie gegenüber der Zeitung «The Australien» sagte. Details dazu sind zur Stunde nicht bekannt. Ein grosses Problem ist im betroffenen Gebiet derzeit die Stromversorgung. 170 000 Menschen sind ohne Strom.

Zyklon traf am Mittwoch auf Küstengebiet

Mit gewaltiger Zerstörungskraft ist der Zyklon «Yasi» am Mittwoch auf die Nordostküste Australiens getroffen. Der Wirbelsturm deckte Dächer ab, entwurzelte Bäume und liess in zehntausenden Häusern den Strom ausfallen. Die Behörden rechneten mit erheblichen Schäden und möglicherweise sogar Todesfällen. Zuvor hatten sich zehntausende Bewohner der Küste von Queensland in Sicherheit gebracht.

Das Wetteramt erklärte, das «riesige und zerstörerische Auge» des Sturms habe in der Nähe der Kleinstadt Mission Beach das australische Festland erreicht. Ausläufer mit heftigen Windböen wurden in vielen anderen Städten und Ortschaften registriert.

Erste Bäume fallen um

In Ayr südlich von Townsville und in der Stadt Cairns fiel der Strom aus und heftige Windböen rissen die ersten Bäume um, wie die Regierungschefin von Queensland, Anna Bligh, berichtete. Für die Flucht sei es nun zu spät, warnte sie. «Jetzt sollte keiner mehr das Haus verlassen», sagte sie. Gleichzeitig forderte sie die Zurückgebliebenen auf, sich in sicheren Räumen zu verbarrikadieren.

Der Sturm, so warnte Bligh, könne zu einer riesigen Flutwelle führen, welche gar 9 Meter hoch sein könnte und wohl grosse Küstengebiete überschwemmen werde.

Twitterer aus Cairns melden verzweifelt: «Es windet so laut wie noch nie» – obwohl der Höhepunkt des Sturms noch nicht erreicht sei. Viele haben sich vom Kurznachrichtendienst abgemeldet: «Ich habe Akku für nur kurze Zeit», schreibt Benutzer «cycloneupdate». Er wolle etwas Strom für den Donnerstagmorgen sparen.

Behörden warnen

Rund 300 000 Menschen sind weitgehend auf sich gestellt. Die Behörden rieten, Strom und Gas abzustellen und einen kleinen Raum im Innern des Hauses mit Matratzen zu polstern und darin auszuharren, bis der Zyklon vorübergezogen ist.

Küstenbewohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen. Mehr als 10 000 Menschen suchten in 20 Notunterkünften Schutz. Die Polizei hatte am Mittwoch die Menschen in Cairns aufgefordert, die Strassen möglichst schnell zu verlassen. «Jeder muss jetzt gehen», sagte ein Polizist zu den Passanten. «Das Wasser kommt jetzt!»

«Es ist so ein gewaltiger Sturm, es ist ein Monster, ein Killer-Sturm», sagte sie. «Seine Auswirkungen sind wahrscheinlich lebensbedrohlicher als alles andere in den letzten Generationen Dagewesene.» Ministerpräsidentin Julia Gillard sagte, die Menschen hätten schlimme Stunden vor sich.

Regierungschefin Bligh warnte bereits am Dienstag vor dem schlimmsten Unwetter seit Generationen. «Wir sehen uns einem Sturm mit katastrophalen Proportionen ausgesetzt, und das in einem dicht besiedelten Gebiet», sagte sie. «Es wird sehr, sehr beängstigend.»

Auch die Bürgermeisterin von Cairns, Val Schier, ist auf der Flucht. Sie verliess ihr Haus in Küstennähe. «Es ist der schlimmste Sturm seit Menschengedenken», sagte sie.

Vergleichbar mit Hurrikan «Katrina»

Flughäfen sind geschlossen, die Notunterkünfte in Cairns überfüllt. Der Küstenstreifen ist populär bei Touristen, die von hier aus das Great Barrier Reef erkunden. Wie viele Ausländer sich dort aufhielten, war unklar.

«Yasi» wurde mit erwarteten Windstössen von mehr als 300 Kilometern in der Stunde auf die höchsten Kategorie fünf hochgestuft und war damit vergleichbar mit Hurrikan «Katrina», der 2005 die Südküste der USA und New Orleans verwüstete.

In Townsville regnet es in Strömen und der Wind fegt durch die Stadt

Klicken Sie hier, um zum Live-Stream aus dem australischen Townsville auf ustream.com zu gelangen.

(kle/aeg/sda/ap)