Gewalttat in Lübeck

20. Juli 2018 21:59; Akt: 20.07.2018 22:00 Print

Tatverdächtiger war «frustriert und verärgert»

In der deutschen Stadt Lübeck verletzte ein Mann in einem Bus mehrere Personen mit einem Messer. Der mutmassliche Täter soll psychisch auffällig gewesen sein.

In Lübeck wurden mehrere Menschen in einem Bus verletzt. (Video: AP)
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Im Stadtteil Kücknitz der deutschen Stadt Lübeck sind mehrere Personen verletzt worden. Es handelt sich um eine Gewalttat, die sich am Freitag um 13.47 Uhr ereignet hat. Die Tat geschah in einem Linienbus. Der mutmassliche Täter ist von der Polizei festgenommen worden.

Todesopfer hat es nicht gegeben. Die Lübecker Oberstaatsanwältin Ursula Hingst sagt an der Pressekonferenz am Freitagabend, es seien zehn Personen verletzt worden. Fünf Verletzte sind noch im Krankenhaus, drei Personen wurden schwer verletzt.

Gewalttat in Lübeck fordert mehrere Verletzte

Mutmasslicher Täter soll arbeitslos gewesen sein

Laut Hingst ist der Täter deutscher Staatsangehöriger – «seit vielen Jahren». Er ist 34 Jahre alt und wurde nicht in Deutschland geboren. Hingst: «Es gibt keine Hinweise für eine politische Radikalisierung in irgendeiner Form.» Es gebe also keine Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund. Jedoch sei der Hintergrund der Tat noch offen und Gegenstand der Ermittlungen.

«Spiegel TV» hat mit dem Vater des Tatverdächtigen Ali D. gesprochen: Er sei im Alter von sechs Jahren aus dem Iran nach Deutschland gekommen, habe das Gymnasium besucht, aber kein Abitur gemacht. Vor einigen Jahren habe er in der deutschen Bundeswehr gedient, derzeit sei er arbeitslos.

Sorgerechtsstreit um Tochter verärgerte Ali D.

D. lebt laut «Spiegel TV» in Lübeck und ist psychisch auffällig. Der Vater berichtet, der Sohn habe sich verfolgt gefühlt. Zudem habe er sich mit seiner Ex-Freundin um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter gestritten haben. Ali D. sei «frustriert und verärgert» gewesen, weil er seine Tochter schon lange nicht mehr habe sehen dürfen.


Die Oberstaatsanwältin erklärt an der Pressekonferenz den Tathergang: Der mutmassliche Täter habe zuerst seinen Rucksack in der Mitte des Linienbusses in Brand gesetzt. Der Busfahrer habe dies – nach eigenen Angaben – durch den Rückspiegel gesehen, den Bus gestoppt und die Türen geöffnet, sodass die Passagiere aussteigen konnten. Anschliessend sei er nach hinten zum Tatverdächtigen gegangen.

Küchenmesser mit 13 Zentimeter langer Klinge

Hingst: «Dieser versetzte dem Busfahrer einen Schlag und wollte aussteigen.» Dabei habe er «mit einem Messer um sich gestochen» und so mehrere Menschen verletzt. Bei der Waffe handle es sich um ein Küchenmesser mit einer etwa 13 Zentimeter langen Klinge.

Vor dem Bus sei es dann mehreren Personen zusammen gelungen, den Tatverdächtigen zu überwältigen. Die zufällig vorbeifahrenden Polizisten konnten den Mann schliesslich festnehmen.

Der Haftbefehl werde nun erstellt und der Tatverdächtige werde voraussichtlich am Samstag dem Haftrichter vorgeführt. Ihm wird Brandstiftung und mehrfache, vorsätzliche, schwere Körperverletzung vorgeworfen.

Augenzeugen berichten von der Gewalttat

Ein 87-jähriger Anwohner berichtet in den «Lübecker Nachrichten»: Die Passagiere seien aus dem Bus geflohen und haben geschrien. «Dann wurden die Verletzten abtransportiert. Der Täter hatte ein Küchenmesser», sagt der Mann.

Eine weitere Augenzeugin, die selbst im Bus sass, sagt zur Lokalzeitung: «Es war ein Gemetzel!» Eines der Opfer habe kurz zuvor einer älteren Frau den Sitzplatz angeboten, als der mutmassliche Täter ihn in die Brust gestochen habe. Die Zeugin wurde von der Polizei betreut.

Im Rucksack waren Brandbeschleuniger

Der brennende Rucksack des mutmasslichen Täters wurde vom Kampfmittelräumdienst der Polizei untersucht. Laut dem Innenminister des Bundeslandes Schleswig-Holstein Hans-Joachim Grothe habe der Rucksack Brandbeschleuniger enthalten und sei in Brand geraten. Ein Sprengsatz sei nicht gefunden worden.


(sil)