Babyleichen in Tiefkühltruhe

02. Dezember 2008 08:25; Akt: 02.12.2008 09:19 Print

Mehrjährige Haftstrafe für Mutter

Im Prozess um drei Babyleichen in einer Tiefkühltruhe ist die Mutter zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

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Das Landgericht im deutschen Siegen sprach sie schuldig des zweifachen Totschlags durch Unterlassen.

Der Fall des dritten Neugeborenen war wegen Verjährung nicht angeklagt. Laut Urteil hatte die Mutter von drei weiteren Kindern den Tod der Neugeborenen 1988 und 2004 nicht gewollt, aber billigend in Kauf genommen. Die Frau hatte die Kinder heimlich zu Hause zur Welt gebracht und mindestens eines der Babys erstickt.

Der Fall hatte im Mai Entsetzen ausgelöst, nachdem der Sohn der 44-Jährigen eine der Leichen auf der Suche nach einer Tiefkühlpizza entdeckt hatte. Der Staatsanwalt hatte achteinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch oder eine Bewährungsstrafe. Beide wollen nun prüfen, ob sie gegen das Urteil in Berufung gehen.

Kein Vorsatz

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft gelangte das Gericht zwar zu der Überzeugung, dass die Angeklagte die ohne jede medizinische Hilfe zur Welt gekommenen Neugeborenen nicht vorsätzlich tötete. Wohl aber habe sie ihre Fürsorgepflicht für die im Wohnhaus der Familie geborenen Babys auf Gröbste verletzt.

Die Frau hatte zu Prozessbeginn gestanden, die drei Schwangerschaften geheim gehalten und die Leichen der kurz nach der Geburt gestorbenen Mädchen in die Kühltruhe gelegt zu haben.

Keinen Glauben bei den Richtern fand sie mit ihrer Aussage, sie habe alle ihre Kinder geliebt und niemals deren Tod gewollt. Ein psychiatrischer Gutachter stufte die Angeklagte als voll schuldfähig ein.

«Unverständlichen Sprachlosigkeit»

Nach fünf Verhandlungstagen gelangte das Gericht zu der Überzeugung, dass die Angeklagte das 1988 geborene Mädchen nach dessen Geburt im Badezimmer minutenlang an sich gepresst hatte und das Kind dadurch erstickte.

Das 2004 geborene Baby der damals schwer alkoholabhängigen Frau starb demnach durch Sauerstoffmangel - nach Aussage von Gerichtsmedizinern hatte das Neugeborene mehr als 0,5 Promille, seine Lungen waren nicht voll entfaltet.

Nicht geklärt werden konnte in dem Verfahren, warum der Ehemann und die drei inzwischen erwachsenen Kinder der Angeklagten von den Schwangerschaften nichts bemerkten. Der Richter sprach in diesem Zusammenhang von einer «unverständlichen Sprachlosigkeit», die zwischen den Eheleuten geherrscht habe.

(sda)