08. April 2005 12:13; Akt: 08.04.2005 13:01 Print

Methylenblau-Fall: Prozess geplatzt

Im Methylenblau-Fall gegen den St. Galler Chirurgie-Chefarzt Jochen Lange muss die Gerichtspräsidentin wegen Befangenheit in den Ausstand treten.

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Die Verhandlung gegen Lange vom kommenden Dienstag ist damit geplatzt. Ein neuer Termin für die Verhandlung vor dem Kreisgericht St. Gallen ist noch nicht bekannt. Lange steht wegen fahrlässiger Tötung unter Anklage. Ihm wird vorgeworfen, 1998 eine schwer kranke Patientin bei einer Bauchoperation mit der noch unerprobten Substanz Methylenblau behandelt zu haben. Die Frau starb fünf Tage nach dem Eingriff.

Die Schweizerische Patientenorganisation (SPO) machte den Fall publik. Sie warf dem Chefchirurgen des St. Galler Kantonsspitals vor, unerlaubte Forschung betrieben und den Tod der Patientin verursacht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft überwies den Fall nach Jahre langen Abklärungen ans Gericht. Sie beantragt aber für Lange einen Freispruch, wie sie mitteilte. Auf weitere Vorwürfe der SPO gegen den Chefarzt trat die Anklage nicht ein.

Langes Gegenangriff

Lange fühlte sich von der SPO zu Unrecht beschuldigt und erstattete im Herbst 2004 gegen SPO-Präsidentin Margrit Kessler Strafanzeige. Kessler wurde im März vom Kreisgericht St. Gallen wegen übler Nachrede, falscher Anschuldigung und falschem Zeugnis zu zehn Monaten Gefängnis bedingt verurteilt.

Sie zieht den Fall ans Kantonsgericht weiter. In gleicher Besetzung wie im Fall Kessler hätte das Kreisgericht am 12. April den Fall Lange beurteilen sollen. Dagegen wehrte sich der Anwalt der SPO-Präsidentin: Das Gericht sei befangen, zumal der Staatsanwalt die Kosten der Verteidigung Langes zu einem Teil Margrit Kessler aufbürden wolle.

Ausstandsbegehren gutgeheissen

Der Präsident des Kantonsgerichts hat das Ausstandsbegehren gegen die Kreisgerichtspräsidentin am Donnerstag gutgeheissen, wie Kesslers Anwalt am Freitag mitteilte. Ob auch die beiden weiteren Richterinnen und der Gerichtsschreiber in den Ausstand treten müssen, hat der Gesamtpräsident des Kreisgerichts zu entscheiden.

Dieser Entscheid sei noch nicht gefallen, hiess es am Freitagmorgen beim Kreisgericht auf Anfrage. Fest steht, dass die Verhandlung vom kommenden Dienstag verschoben werden muss.

Kesslers Anwalt zeigte sich in einem Communiqué erfreut über den Ausstand der Gerichtspräsidentin. Der Straffall gegen Lange verzögere sich damit zwar weiter. Zumindest könne der Fall aber von einem unbefangenen und unparteiischen Gericht beurteilt werden.

(sda)