Mädchen an der Front

16. Juni 2011 18:28; Akt: 16.06.2011 18:28 Print

Mexikos Söldnerinnen im Drogenkrieg

In San Cristobal de la Barranca lieferte sich die Drogenmafia eine vierstündige Schiesserei mit der Polizei. Am Schluss wurden zehn Gangster verhaftet – die meisten blutjunge Mädchen.

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Von den zehn festgenommen Mitglieder des Kartells der Zetas sind die meisten unter 21 Jahre alt. (Bild: Reuters)

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Die Polizisten in San Cristobal de la Barranca, in der Nähe der zweitgrössten mexikanischen Stadt Guadalajara, hatten keine Zweifel. Diejenigen, die aus den zehn SUVs auf sie schossen, mussten dem Kartell der Zetas angehören. Nach einer vier Stunden langen Schiesserei verhaftete die Polizei schliesslich zehn Killer. Gross war aber die Überraschung, als sich herausstellte, dass nur zwei von ihnen erwachse Männer waren.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Behörden mit jungen Kämpfern in den Reihen der mexikanischen Drogenkartelle konfrontiert werden. Doch am Mittwoch war es besonders auffällig: Die grosse Mehrzahl der Verhafteten waren Teenager und knapp die Hälfte Frauen. Offenbar sucht das blutrünstigste Kartell Mexikos seinen Nachwuchs unter den ganz jungen.

Für 85 Franken in den Krieg ziehen

Bei der Einvernahme gaben zwei der Frauen an, erst 16 Jahre alt zu sein. Auf die Frage, wieso sie für den Zetas arbeiten, erklärten sie, dass sie «gut bezahlt» werden. Im Durchschnitt erhielten sie 1200 Pesos (umgerechnet 85 Franken) für ihre Dienste. Dafür hätten sie bei einem «Treffen» mit Mitgliedern des rivalisierenden Golfo-Kartells teilnehmen sollen. Doch die Polizei kam ihnen in die Quere, sagten sie.

Die anderen verhafteten Killer, alle zwischen 18 und 21 Jahren, standen für das Polizeifoto vor dem Waffenarsenal, das die Polizisten in den Geländewagen fanden – unter anderem, sechs Gewehre AR-15, zwei AK-47, ein Vector-Gewehr, ein Granatwerfer.

(kle)