Reiche gegen Arme

27. Oktober 2008 12:57; Akt: 27.10.2008 13:37 Print

Millionäre protestieren gegen Hamburger Aufführung

Wieder Wirbel um eine Inszenierung von Volker Lösch: Vier Hamburger Millionäre drohen mit gerichtlichen Schritten, sollten ihre Namen weiterhin von einem Arbeitslosen-Chor auf der Bühne vorgelesen werden.

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Am Ende von Löschs Version von Peter Weiss' «Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspieltruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade» am Hamburger Schauspielhaus liest der Chor eine Liste der reichsten Hamburger vor.

Dagegen hatten bereits einen Tag vor der Premiere am Freitagabend vier der 28 genannten Millionäre protestiert. Die betroffenen Namen wurden deshalb bei der Premiere nicht vorgelesen, stattdessen das anwaltliche Schreiben zitiert. Hamburger Medien veröffentlichten am Montag jedoch die vier Namen.

Schere Arm/Reich

Lösch nutzt das Drama über die Französische Revolution, um auf aktuelle Missstände aufmerksam zu machen. Ein Thema ist dabei die immer grösser werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Am Ende der Inszenierung ruft der Chor der Arbeitslosen: «Bomben in Sexshops!», «Hamburg soll brennen!» und «Das Geld ganz abschaffen!» Das Premierenpublikum spendete am Freitagabend langanhaltenden Beifall.

Lösch, der früher Schauspieler unter anderem am Theater Neumarkt in Zürich war, ist bekannt dafür, seinen Inszenierungen mit Laienchören eine aktuelle, sozialkritische Note zu verleihen. 2004 kassierte er in Dresden sogar ein Aufführungsverbot deswegen.

(sda)