Sexuelle Übergriffe in Köln

07. Januar 2016 18:41; Akt: 08.01.2016 10:51 Print

Milo Moiré performt nackt gegen Sex-Mob

von Simon Beeli - Die ausser Kontrolle geratene Männer-Horde in Köln beschäftigt auch die Schweizer Künstlerin Milo Moiré. Heute will sie vor dem Kölner Dom splitternackt auf sich aufmerksam machen.

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«Nackt-Selfies»: Milo Moiré posiert im Juni 2015 an der Art Basel vor der Kamera. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)

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Gleich in mehreren deutschen Städten lief die Silvesternacht völlig aus dem Ruder. Alkoholisierte Männer, mehrheitlich nordafrikanischer oder arabischer Abstammung, beschimpften Frauen als Huren, begrapschten sie und raubten sie aus. Allein in Köln gingen über 100 Anzeigen unter anderem wegen Diebstahl, sexueller Belästigung und Vergewaltigung ein. Die Polizei schien bei den massiven Gewaltübergriffen komplett überfordert gewesen zu sein.

Der ausser Kontrolle geratene Männermob beschäftigt nun auch die Schweizer Performance-Künstlerin Milo Moiré. Heute Freitag wird sie um 11 Uhr auf der Kölner Domplatte eine Aktion zu den sexuellen Übergriffen durchführen – nackt, selbstverständlich. «Dabei wird sie ein Schild mit einer Botschaft hochhalten», sagt ihr Lebensgefährte Peter Palm zu 20 Minuten. Was genau zu lesen sein wird, will er aber noch nicht verraten.

Für westliche Werte einsetzen

Dass Moiré zu den jüngsten Ereignissen Stellung nimmt, liegt in ihrer Natur als Künstlerin. «Ihr Auftritt ist durchaus politisch zu verstehen. Als Künstlerin im öffentlichen Raum ist sie es gewohnt, frei auftreten zu können. So etwas wie in Köln darf einfach nicht passieren», sagt Palm, der für Moiré auch die Pressearbeit macht. «Sie will mit ihrer Performance für westliche Werte wie Freiheit, Respekt und Toleranz einstehen. Nach den schlimmen Übergriffen auf Frauen, darf man nicht klein beigeben, sondern muss sich dagegen wehren.»

Dass dabei ihr gewohntes Stilmittel der Provokation zum Einsatz kommt, dürfte für einmal für besondere Brisanz sorgen. Viele der mutmasslichen Täter haben einen muslimischen Hintergrund, für sie haben nackte Frauenkörper im öffentlichen Raum nichts zu suchen. Palm ist sich dieser Sprengkraft bewusst: «Es ist schwer zu sagen, wie die muslimische Gemeinschaft reagieren wird, allerdings kann man nicht alle Muslime über den gleichen Kamm scheren.» Der Fotograf hofft, dass vor allem die gemässigten Muslime die Aktion verstehen werden. «Aber es wird bestimmt auch viele Beschimpfungen und heftige Reaktionen geben», ist sich Palm sicher.

Security-Personal hat Moiré nicht engagiert, denn das wäre für sie das falsche Signal. «Das würde ja genau bestätigen, was wir eigentlich nicht wollen: Dass meine Freiheit als Künstlerin eingeschränkt wird.»