Erdbeben in Ecuador

17. April 2016 04:33; Akt: 18.04.2016 10:17 Print

Mindestens 235 Tote bei Erdbeben in Ecuador

Nach dem stärksten Erdbeben seit 1979 ruft Ecuador den Notstand aus. Die Deza hat drei Experten zur Abklärung nach Quito entsendet.

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Noch immer werden mehrere 100 Personen vermisst: Ein Soldat in Manta hält Wache vor eingestürzten Gebäuden. (18. April 2016) Bewohner von Manta sehen Rettungskräften zu, die in Trümmern nach Überlebenden suchen. Die meisten Todesopfer dürften in den abgelegenen, kleineren Orten zu beklagen seien, heisst es aus ecuadorianischen Regierungskreisen: Sonnenuntergang hinter Ruinen in Pedernales. (17. April 2016) Zerstörung in einer Strasse von Pedernales. (17. April 2016) Viele Überlebende gruben mit blossen Händen nach Überlebenden: Menschen auf Trümmern in Manta. (17. April 2016) Trümmerhaufen: Ecuador ist von schwerste Erdbeben seit 1949 heimgesucht worden. Die Opferzahl steigt im Zuge der Rettungsarbeiten stetig an. Hier ein zerstörtes Gebäude in Portoviejo. (17. April 2016) Unzählige Rettungskräfte suchen nach den Verschütteten. Dem Erdboden gleichgemacht: Eine eingestürtzte Häuserzeile in Manta. Die Zahl der Opfer ist auf auf mindestens 350 gestiegen. (17. April 2016) Beharrlich: Überlebende suchen in den Trümmern nach ihren Angehörigen. (17. April 2016) Auseinandergerissen: Das Erbeben der Stärke 7,8 hat gewaltige Risse in Strassenabschnitte gerissen, wie hier in Chone. (17. April 2016) Zu Schutt pulverisiert: Rettungskräfte stehen hinter einem zerstörten Gebäude in Portoviejo. (17. April 2016) Fassungslos: Ein Junge in Pedernales muss erfahren, dass seine Schwestern im Erdbeben getötet wurden. (17. April 2016) Ausharren: Überlebende liegen ausserhalb des Notfallzentrums von Portoviejo. Sie können nicht mehr in ihre Häuser zurück. (17. April 2016) Bilder der Zerstörung: In der ecuadorianischen Küstenstadt Pedernales blieb kaum ein Stein auf dem anderen. (17. April 2016) Ein Helfer besieht sich den Schaden, Freiwillige Helfer bergen einen Jungen aus den Trümmern eines Hauses. Soldaten und Zivilisten suchen in den zerstörten Gebäuden von Pedernales nach Überlebenden. Angehörige von Vermissten bitten Feuerwehrleute um Informationen. Auch die Hafenstadt Manta war vom Erdbeben besonders stark betroffen. Ecuador wurde vom stärksten Erdbeben seit 1949 heimgesucht: In Manta versuchen Hilfskräfte, Überlebende aus einem eingestürzten Gebäude zu holen. (17. April 2016) Im Handelszentrum Guayaquil gab es erhebliche Schäden: Die Millionenmetropole ist die bevölkerungsreichste Stadt Ecuadors. (16. April 2016) Beim Einsturz einer Überführung in Guayaquil wurde ein Autofahrer getötet. (16. April 2016) Dieses Bild einer Videoaufnahme zeigt das Ausmass der Zerstörung. Besonders stark getroffen: Ein eingestürztes Hotel in der ecuadorianischen Hafenstadt Manta. (16. April 2016) Das Erdbeben in Ecuador hatte auch Auswirkungen auf das Nachbarland Kolumbien: Rettungsteams evakuieren ein Krankenhaus in der kolumbianischen Stadt Cali, nachdem das Gebäude Risse bekommen hat. (16. April 2016). Die Patienten mussten das einsturzgefährdete Gebäude umgehend verlassen. Ein Polizist steht vor einer Gruppe von Patienten, die aus der Klinik evakuiert wurden. Gefahr fürs Erste gebannt: Patienten in der Nähe des evakuierten Gebäudes. Eine Karte der US-Erdbebenwarte (USGS) zeigt die vom Erdbeben betroffene Zone an der Küste Ecuadors. Ein Mann steht vor seinem zerstörten Haus. Die Opferzahlen steigen immer wieder an. Auch dieses Geschäft ist vom Erdbeben gezeichnet. Die Erschütterung war noch in der rund 170 Kilometer entfernten Hauptstadt Quito zu spüren, wo Panik ausbrach und Gebäude wackelten oder einstürzten. Die Behörden seien in «grösster Alarmbereitschaft». Präsident Rafael Correa rief den nationalen Notstand aus. In der Stunde nach der Erschütterung, die nach Einbruch der Dunkelheit geschah, kam es zu mehreren Nachbeben, einige davon mit einer Stärke von 6. Menschen schlafen aus Angst vor weiteren Nachbeben draussen. Ein Helfer sucht in einem zerstörten Gebäude nach Überlebenden.

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Beim schwersten Erdbeben in Ecuador seit vier Jahrzehnten sind am Wochenende mindestens 235 Menschen ums Leben gekommen, 1557 weitere verletzt. Die Behörden seien in «grösster Alarmbereitschaft». Präsident Rafael Correa rief für mehrere Regionen den nationalen Notstand aus. Unter den Trümmern wurden viele weitere Tote vermutet. Nach Angaben der kanadischen Behörden waren zwei Kanadier unter den Todesopfern.

Laut Vizepräsident Jorge Glas wurden 14.000 Sicherheitskräfte, 241 Mediziner und zwei mobile Krankenstationen in die am stärksten betroffenen Regionen geschickt. Verstärkung wurde aus Kolumbien und Mexiko erwartet. Das Beben traf vor allem die bei Touristen beliebte Pazifikküste Ecuadors. Es war sogar im Norden von Peru und im südlichen Kolumbien zu spüren.

Das Epizentrum lag gemäss der US-Erdbebenwarte USGS in einer Tiefe von 19 Kilometern und 170 Kilometer nordwestlich der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Dort war es noch so fest zu spüren, dass Panik ausbrach, Gebäude wackelten oder einstürzten. Alle öffentlichen Veranstaltungen in Quito wurden abgesagt. Das Beben war in der Hauptstadt rund 40 Sekunden lang zu spüren. In mehreren Stadtteilen fielen der Strom und das Handynetz aus.

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400 Tote alleine in Pedernales?

Für die Evakuierten seien fünf Schutzunterkünfte eingerichtet worden. Die Bergungsarbeiten nach dem Beben mit Epizentrum in der westlichen Provinz Esmeraldas kamen nur langsam voran.

Der Bürgermeister des im Epizentrum gelegenen Urlaubsortes Pedernales am Pazifik rechnete mit bis zu 400 Toten allein in seiner Stadt - viele von ihnen könnten in den Trümmern der rund 40 eingestürzten Hotels liegen. «Pedernales ist verwüstet», so Bürgermeister Gabriel Alcívar. Er bat um Hilfe, während Dutzende Gebäude in der Kleinstadt eingestürzt und Menschen verschüttet worden seien. «Das war nicht nur ein Haus, das eingestürzt ist, sondern eine komplette Stadt. Wir brauchen Hilfe. Wir brauchen Medikamente, Wasser und Lebenmittel, um den Menschen zu helfen.»

«Als ginge die Welt unter»

Die Stärke des Bebens wurde von der USGS zunächst mit 7,4 angegeben, anschliessend aber auf 7,8 erhöht. In der Stunde nach der Erschütterung, die nach Einbruch der Dunkelheit geschah, kam es zu rund 55 Nachbeben, einige davon mit einer Stärke von 6. Der Flughafen in der Stadt Manta an der Pazifikküste musste geschlossen werden, weil der Kontrollturm beschädigt war. Auch der internationale Airport von Guayaquil wurde stillgelegt. Dämme und Öl-Pipelines wurden ebenfalls ausser Betrieb genommen.


«Es war, als ginge die Welt unter. Häuser krachten zusammen, Lichter gingen aus, die Menschen sind vollständig verzweifelt, unter den Trümmern liegen Verschüttete», berichtete die 40-jährige Hausfrau Miriam Santana aus Manta.

400 Kilometer entfernt wurden noch Menschen verschüttet

Die 60-jährige María Torres erlebte das Beben in Quito, wo Lichtmasten und Kabel hin- und herschwankten. «Mein Gott! Das war das schlimmste Erdbeben in meinem ganzen Leben. Es dauerte eine ganze Weile. Mir war schwindlig, ich wollte auf die Strasse rennen, aber ich konnte nicht - zu sehr drehte sich mir der Kopf», sagte sie.

Die grössten Schäden gab es im Nord- und Südwesten des Landes. Aber sogar aus dem 400 Kilometer vom Epizentrum entfernten Guayaquil, der grössten Stadt des Landes, wurden Schäden gemeldet: Nach Behördenangaben stürzte eine Brücke ein, dabei wurde ein Autofahrer getötet. Ein Mädchen starb, als das Dach eines Einkaufszentrums zusammenbrach.

Die in Guayaquil lebende Carlota López war im Auto unterwegs, als die Erde zu beben begann. «Ich hatte grosse Angst, dass die stark schwankenden Stromkabel oder Strassenleuchten auf mein Fahrzeug stürzen würden», sagte sie AFP per Telefon. «Wenig später ging in der ganzen Stadt das Licht aus. Mein Auto bewegte sich, als werde es mit starker Hand von aussen ferngesteuert.»


Warnung vor Tsunamis

Das Pazifische Tsunami-Warnzentrum teilte mit, gefährliche Tsunamiwellen seien an einigen Küstengebieten möglich. Während die Regierung keine Tsunamiwarnung herausgab, forderte Glas die Küstenbewohner seines Landes auf, sich in höher gelegene Gebiete zu flüchten. Orte nahe dem Epizentrum wurden als Vorsichtsmassnahme evakuiert.

In einem Telefonat mit Radio Pública sagte Correa, Hilfsteams aus Mexiko und Kolumbien würden in Ecuador bei der Suche nach Verschütteten helfen. Aus den beiden Nachbarländern Ecuadors lagen zunächst keine Berichte über Todesopfer vor.

Der zum Zeitpunkt des Bebens im Vatikan weilende Staatschef Rafael Correa erklärte den Familien der Opfer sein Mitgefühl. Er rief seine Landsleute auf, angesichts der «nationalen Tragödie» Ruhe zu bewahren und «einiger denn je» zu sein. Der Präsident, in dessen Abwesenheit sein Stellvertreter Glas die Amtsgeschäfte führte, wollte noch am Sonntag nach Ecuador zurückkehren und die betroffenen Gebiete besuchen.

In einem Telefonat mit Radio Pública sagte Correa, Hilfsteams aus Mexiko und Kolumbien würden in Ecuador bei der Suche nach Verschütteten helfen. Aus den beiden Nachbarländern Ecuadors lagen zunächst keine Berichte über Todesopfer vor.
DEZA-Experten nach Ecuador

DEZA klärt Bedürfnisse vor Ort ab

Auch das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wurde wegen des schweren Bebens aktiv. Einerseits sei eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, welche die Situation im Erdbebengebiet verfolge, teilte das EDA mit. Bundesrat Didier Burkhalter werde über die Entwicklungen laufend informiert.

Andererseits begaben sich noch am Sonntag drei Experten der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) von Kolumbien und Bolivien aus nach Ecuador. Dort verstärken sie die Schweizer Botschaft in Quito und halten sich bereit, die Bedürfnisse in den Katastrophengebieten abzuklären. Bis Sonntagabend MESZ habe es keine Anhaltspunkte gegeben, dass Schweizer Staatsangehörige vom Beben betroffen waren, teilte das EDA weiter mit.

Die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini stellte rasche finanzielle und technische Hilfe Europas in Aussicht. Ecuadors Präsident Correa gab 600 Millionen Dollar (532 Millionen Franken) Nothilfe frei. Mehr als 14.000 Mitarbeiter der Sicherheitskräfte und zwei mobile Krankenhäuser wurden in die Katastrophenregion entsandt.

Ecuador liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. An dem Vulkangürtel stossen gleich mehrere Kontinentalplatten und ozeanische Platten aneinander. Diese sind ständig in Bewegung, weshalb Erdstösse keine Seltenheit sind.

(chi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Montañita am 17.04.2016 04:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdbeben Ecuador

    Bin zur Zeit in Ecuador an der Küste. Die Erdbeben waren heftig und wir warten auf einem Hügel bis zur Tsunami-Entwarnung.

    einklappen einklappen
  • bündner am 17.04.2016 05:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unfassbar...

    mein bester freund ist gerade dort... hab via fb die meldung gekriegt das dort ein erdbeben wahr und er sich in sicherheit befindet ... mein herzliches beileid an alle famielien der verstorbenen :(

  • Casu am 17.04.2016 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oh je ....

    Ich drücke die Daumen das es nicht so schlimm wird/ ist

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rajana Zürich am 17.04.2016 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    mir tut es von herzen leid. viel kraft:( mein beileid.

  • Worm77 am 17.04.2016 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewunderung

    Ich bewundere die Helfer! Ich weiss nicht ob ich das auch könnte.

  • Tatjana. am 17.04.2016 13:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann mir bitte jemand erklären

    Wie man bei den tollen kommentaren disliken kann? Was sind das für menschen? Das versteh ich einfach nicht.

  • Margot am 17.04.2016 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch

    Beim Erdbeben im chinesischen Sichuan 2008 kamen bei einer Magnitude von 7.9 87'150 Menschen ums Leben, darunter sehr viele Schulkinder aus Einkindfamilien. 4 Mio 800'000 Menschen verloren ihr Heim. Erschütternd war damals besonders, dass so wenig Nachrichten nach aussen drangen und die chinesischen Behörden zuerst alles nach unten spielten. Viele Menschen waren gestorben, weil sie sich in Häusern aufhielten, die mit Hilfe von Schmiergeldern nicht erdbebensicher gemacht werden mussten.

  • jc am 17.04.2016 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdbebengürtel!

    Solche Ereignise sind immer tragisch muss aber bedenken, wer in einem Erbebengürtel lebt ist dieser Gefahr leider ausgesetzt!