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18. Oktober 2013 19:33; Akt: 18.10.2013 19:33 Print

Mit Kakerlaken-Farmen Geld scheffeln

Für die meisten sind Kakerlaken ekelhaft und lästig. Doch chinesische «Farmer» züchten die Insekten und verdienen dank Pharma-Produzenten und der Kosmetikindustrie gutes Geld.

Im vergangenen August entflohen rund eine Million Kakerlaken aus einer Farm in China. (Youtube/ GeoBeats News)
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«Ich habe zuerst erwogen, Schweine zu züchten», sagt der 43-jährige Wang Fuming, «doch in der traditionellen Landwirtschaft sind die Profitmargen sehr tief. Mit Kakerlaken kann man 20 Yuan investieren und erhält 150 Yuan zurück.» Fuming besitzt sechs Farmen, in denen sich geschätzte 10 Millionen Krabbeltiere tummeln. Der Mann ist damit der wohl weltgrösste Kakerlaken-Züchter, wie die L.A. Times berichtet.

Seit Wang 2010 ins Geschäft mit den Schaben eingestiegen ist, haben sich die Preise von zwei auf 20 Dollar pro Pfund verzehnfacht. Dies dank Herstellern traditioneller chinesischer Medikamente, die gegen Kahlheit und Vitaminmangel und angeblich sogar Krebs und AIDS helfen sollen. Forscher in China und Korea tüfteln derzeit an weiteren Verwendungszwecken für die Ekel-Tiere. «Kakerlaken sind Überlebenskünstler», sagt Professor Li Shunan. «Wir wollen wissen, was sie so stark macht, dass sie sogar radioaktive Strahlung vertragen.»

Die proteinreichen Kakerlaken werden dazu getrocknet und zu Pulver zermahlen. Dank der zelluloseähnlichen Substanz in den Flügeln der Kakerlaken finden sie auch in Kosmetika Verwendung – und werden dann schlicht als «organische Bestandteile» deklariert. Die Insekten werden ausserdem zunehmend auch als Delikatesse in chinesischen Restaurants angeboten.

Einfach «Ernte»

Die nötigen Investitionen für eine Kakerlaken-Farm sind gering: Für die Aufzucht werden bloss Larven, ein paar selbstgezimmerte «Ställe» aus Dachziegeln und Eierkartons benötigt, in denen sich die lichtscheuen Krabbler verstecken können. Da die Tiere Allesfresser sind, können sie mit fauligem Gemüse oder Kartoffelschalen gefüttert werden. Auch die «Ernte» ist einfach: Die Schaben werden einfach in kochendes Wasser geworfen und danach an der Sonne getrocknet.

Da nur wenige Chinesen eine Kakerlaken-Farm in der Nachbarschaft haben möchten, scheuen die rund 100 Züchter in China die Öffentlichkeit. Erst im August sorgte der «Ausbruch» von rund einer Million Kakerlaken aus einer Züchtung in der Provinz Jiangsu für internationale Schlagzeilen.

(trx)