London

11. Juni 2014 16:04; Akt: 11.06.2014 16:04 Print

Mit Metallstacheln gegen Obdachlose

Mit Metall-Spikes hält die Besitzerin eines Luxus-Apartment-Komplexes in London Obdachlose fern – und löst dadurch eine Debatte aus. Das Thema wird zum Politikum.

(Quelle: YouTube/Channel 4 News)
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Wenn man ein Luxus-Apartment-Gebäude gegenüber von einem Obdachlosenheim aufstellt, muss man damit rechnen, dass die gut betuchten Mieter unliebsame Begegnungen mit den Ärmsten der Gesellschaft haben. Vor diesem Problem standen die Besitzer des Hauses in der Londoner Southwark-Bridge-Strasse.

Weil Obdachlose, die im Eingangsbereich des Apartment-Komplexes übernachten, den Wert der Anlage zu mindern drohen, montierte die Besitzerin laut dem «Guardian» im Mai Metall-Spikes auf dem Boden – damit sich Penner in der von der Witterung geschützten Stelle nicht zur Ruhe legen können.

Bürger sind empört

Kaum tauchte das Bild dieser Spikes im Internet auf, meldeten sich empörte Stimmen.


(«Jetzt vertreiben wir Obdachlose mit Spikes, als wären sie Tauben»)

Obdachlosen-Verbände verglichen die Spikes mit den Metallspitzen, mit denen man Tauben von Gebäuden fernhält. Dadurch würden Menschen, die kein Zuhause haben, mit Schädlingen gleichgesetzt, sagten sie.

Aktionen angekündigt

Am vergangenen Samstag wurde eine Petition lanciert, in der Bürger die Entfernung der Metall-Spikes verlangten. Mehr und mehr Menschen machten ihrem Ärger über die Massnahme mit Aktionen sowie in Leserbriefen und auf sozialen Netzwerken Luft. Für Dienstag ist sogar eine Demonstration angekündigt.


Das Beispiel des Luxus-Apartment-Hauses im Stadtbezirk Southwark ist nicht das einzige: Die Zeitung «Independent» machte etwa auf leicht erhöhte Steinplatten vor dem Hauptquartier der Labour-Partei aufmerksam. Laut einem Leser handelt es sich dabei ebenfalls um eine Massnahme, mit der Obdachlose ferngehalten werden sollen. Die Labour-Partei wehrte sich umgehend gegen den Vorwurf: «Wir sind bloss Mieter, mit baulichen Massnahmen rund um das Gebäude haben wir nichts zu tun», sagte ein Parteisprecher.

Bürgermeister meldet sich zu Wort

Am Montag schaltete sich dann auch noch Londons Bürgermeister ein: Boris Johnson, Mitglied der konservativen Tories, forderte die Besitzerin des Southwark-Hauses per Twitter auf, die Anti-Obdachlosen-Spikes unverzüglich zu entfernen.


(«Die Spikes vor dem Soutzwark-Gebäude sind hässlich, kontraproduktiv und dumm. Der Besitzer sollte sie so schnell wie möglich entfernen.»)

Die zuständige städtische Behörde macht den Spikes-Gegnern allerdings wenig Hoffnung: Solange die Metallstäbe gegen keine Baurichtlinien verstiessen, könne man nicht viel tun, hiess es.

(kmo)