«Romance Scamming»

27. Juli 2012 09:21; Akt: 27.07.2012 09:37 Print

Mit einem Porno-Star auf Männerfang

Fast wäre Hans B. auf einen Schwindel hereingefallen: Die Fotos, die er von seiner Internet-Bekanntschaft erhielt, sind geklaut. Der Porno-Star als Köder - eine beliebte Masche der Web-Betrüger.

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Über Facebook lernt Hans B. «Claudia Lavoie» kennen und beginnt, mit ihr zu chatten. Er bekommt Bilder, schickt selber ein Video und muss schliesslich erkennen: Er ist auf einen Schwindel hereingefallen. Weder heisst die Frau auf den Fotos Claudia Lavoie noch hat sie jemals mit ihm gechattet. Die Bilder zeigen den Porno-Star Raven Riley. Lesen Sie die ganze Geschichte Die Betrüger geben sich alle Mühe, Hans B. im Glauben zu lassen, er würde mit einer jungen Frau namens Claudia Lavoie flirten. Die «Romance Scam»-Masche ist bekannt: Mit geklauten Bildern und gefälschten Profilen auf Facebook oder in Single-Prtalen locken die Gauner andere Nutzer in die Chats, wickeln sie um den Finger, schreiben Mails, schicken Fotos und verlangen schliesslich Geld. Der amerikanische Porno-Star dient den Internetbetrügern als Köder. Sie schicken Hans B. zunächst dutzende Bilder - auch nicht jugendfreie. Doch der 70-Jährige durchschaut schliesslich die fiese Masche und verweigert die Geldzahlung. Weil er ein Nackt-Video von sich geschickt hat, droht «Claudia», dieses zu veröffentlichen. Der Basler bricht den Kontakt ab, erstattet eine Anzeige und informiert Facebook. Doch die Betrüger zu fassen, ist praktisch unmöglich. Sie hinterlassen kaum Spuren im Netz und befinden sich oft im Ausland. Das Facebook-Profil von «Claudia Lavoie» verschwindet zwar aus dem Netzwerk... ...taucht aber nur wenige Tage später in praktisch identischer Form wieder auf. Es besteht kein Zweifel: Erneut wurden die Fotos des Porno-Stars Riley für das gefälschte Profil verwendet. Zahlreiche Leser haben den Porno-Star erkannt. Und noch mehr Leser kennen die Bilder. Denn diese finden sich auch unter dem Namen «Andressa Angel»... Oder wie hier auf einer spanischen Dating-Seite unter dem Namen «Kobo Sophie». Ein Leser wurde von Betrügern über Skype kontaktiert. Mit diesem Foto und dem Namen «Marie Christelle N'guessan» entlockten die Gauner einem «Romance-Scam»-Opfer 200 Franken.

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Sie klauen Fotos hübscher Frauen und Männer im Netz, erstellen gefälschte Profile auf Facebook und in Single-Portalen, ködern ihre Opfer, chatten, flirten und verlangen schliesslich Geld: Internet-Betrüger bedienen sich der immer gleichen, dreisten Masche. Und dieses Muster scheint zu funktionieren: Gemäss Cyberkriminalitätsexperte Guido Rudolphi werden jährlich rund 10 000 Personen in der Schweiz Opfer eines solchen «Romance Scams».

Auch Hans B. wäre fast auf diese fiese Tour hereingefallen. Er beginnt, mit einer unbekannten jungen Frau zu chatten, erhält dutzende Fotos, ellenlange Mails, eine Geldforderung und schliesslich eine saftige Drohung: Sie werde ein Nackt-Video von ihm veröffentlichen, wenn er ihr nicht Geld überweise. B. wird skeptisch, bricht den Kontakt ab und erstattet Anzeige. «Dabei weiss ich nicht einmal, ob es diese Frau gibt», sagt er. Zahlreiche Leser jedoch wissen es: Weder heisst die Dame Claudia Lavoie, noch hat sie jemals mit B. gechattet. Die Fotos zeigen die amerikanische Porno-Darstellerin Raven Riley.

Andressa, Claudia, Christelle

Doch nicht nur die Fotos gaukeln dem 70-Jährigen einen heissen Internet-Flirt vor, sogar der Video-Chat muss eine Fälschung sein. «Es war noch ganz am Anfang. Wir haben uns per Skype angesehen und miteinander geplaudert», erzählt der Basler. Nur wenige Minuten dauerte das Gespräch, der Empfang war gut, die Worte von «Claudia» deutlich. «Vielleicht habe ich einfach mit einer Frau gechattet, die ähnlich aussieht», sagt B. Zu einem zweiten Gespräch kommt es nie, das einzige, was der Basler noch zu sehen bekommt, sind die Riley-Fotos.

Diese sind bei Betrügern offenbar hoch im Kurs. Auf zahlreichen Profilen geistern die Bilder des Porno-Stars durch das Netz und locken Männer in die Chats (siehe Diashow). «Mir hat eine Andressa Angel mit den gleichen Fotos eine Freundschaftsanfrage auf Facebook gesendet», schreibt ein Leser. Ein weiterer Leser erkennt das Foto der Porno-Darstellerin ebenfalls: «Ich hatte mit der gleichen Dame Kontakt. Ihr Skype-Name war christellelovings3.»

Die Betrüger zu erwischen ist fast unmöglich

Wahllos kontaktieren die Betrüger in Netzwerken und Portalen unter diesen gefälschten Profilen andere Nutzer und bleiben dabei praktisch immer unerkannt. «Gegen diese Machenschaften vorzugehen ist extrem schwierig, da sich die Täter oft im Ausland befinden und im Netz kaum Spuren hinterlassen», sagt Marc Henauer von der Melde- und Analysestelle Informationssicherung Melani. Die Person zu erwischen, die mit Hans B. geflirtet und ihn anschliessend erpresst hat, ist deshalb wohl unmöglich.

(dwi/jsk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Truninger am 28.07.2012 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Jegliche geldtransaktionen werden heute überwacht und registriert. Jeder der ein Konto eröffnet (Empfänger) kann das nur in dem er sich ausweist mit Pass, Adresse und Photo. Auch in Afrikanischen Ländern ist das so. Sogar Transfer mit Western Union werden sehr genau kontrolliert. Empfänger braucht Internationalen Passport. Beim Empfang des Geldes wird sicher eine Kopie vom Pass gemacht.

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  • Helvetier am 28.07.2012 03:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hans, der Depp

    Hans B ist ein Volltrottel. Wie kommt ein 70jähriger alter Sack auf das schmale Brett, dass eine Frau von diesem Kaliber auf ihn steht?

  • Steve Meyer am 27.07.2012 09:47 Report Diesen Beitrag melden

    Eitelkeit?

    Wenn plötzlich eine wildfremde Person mit mir Freundschaft schliessen will läuten bei mir schon die Alarmglocken, egal wie hübsch die Dame aussieht. Müsste eigentlich bei jedem so sein, der nicht grad ein weltbekannter Schauspieler ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • DerChecker am 29.07.2012 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Variante

    Also ich bin ehrlich, für was muss man immer jüngere Frauen anschreiben,bei älteren Frauen (+40) geht sogar mehr die Post ab und vor allem gibt es keine Betrügerinnen.

  • F.T. am 28.07.2012 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Man muss schon sehr naiv sein, um darauf reinzufallen. Mann kann z.B. mit Google-Bildsuche nach ähnlichen Bildern suchen und innerhalb einer Minute hat man den richtigen Namen dieser Frau. Bevor man einer unbekannten Frau irgendwelche Bilder oder Videos schickt sollte man doch ein bisschen recherchieren...

  • Markus Truninger am 28.07.2012 09:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Jegliche geldtransaktionen werden heute überwacht und registriert. Jeder der ein Konto eröffnet (Empfänger) kann das nur in dem er sich ausweist mit Pass, Adresse und Photo. Auch in Afrikanischen Ländern ist das so. Sogar Transfer mit Western Union werden sehr genau kontrolliert. Empfänger braucht Internationalen Passport. Beim Empfang des Geldes wird sicher eine Kopie vom Pass gemacht.

    • Peter Egloff am 28.07.2012 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Bedingt richtig

      Das ist richtig, nur kommen diese kriminellen Personen sehr leicht zu guten gefälschten Pässen und können so das Geld abheben auch wenn der Name im Pass auf z.B. Micky Maus oder Donald Duck lautet.

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  • Helvetier am 28.07.2012 03:53 Report Diesen Beitrag melden

    Hans, der Depp

    Hans B ist ein Volltrottel. Wie kommt ein 70jähriger alter Sack auf das schmale Brett, dass eine Frau von diesem Kaliber auf ihn steht?

  • Jessi am 27.07.2012 23:27 Report Diesen Beitrag melden

    Schule

    Wie abscheulich muss man sein um jemanden so hereinzulegen? Hatten in der Schule eine Schülerin die einen an der Webcam aufgenommen hat und die Bilder herumzeigte... und sie kam ungestraft davon!Ich finde man hätte sie von der Schule schiessen sollen....