29. Februar 2008 12:17; Akt: 29.02.2008 12:50 Print

Mit falscher Holocaust-Geschichte abgesahnt

Die international höchst erfolgreiche Autobiografie einer Belgierin, die den Holocaust in einem Wolfsrudel überlebt haben will, hat sich als Fälschung erwiesen.

Fehler gesehen?

Die erfundene Geschichte der Frau, die gar keine Jüdin ist, wurde kürzlich verfilmt. Die mittlerweile in den USA lebende Bestseller-Autorin Misha Defonseca räumte am Freitag über ihren Anwalt in Brüssel ein, die Geschichte sei frei erfunden. Sie sei weder Jüdin noch sei sie 1941 als Achtjährige mit einem Wolfsrudel quer durch Europa gezogen, teilte die Schriftstellerin in einer von der belgischen Zeitung «Le Soir» veröffentlichten Erklärung mit.

In ihrem frisch verfilmten Buch «Survivre avec les Loups» (Überleben unter Wölfen) schrieb Defonseca, sie sei als Achtjährige auf der Suche nach ihren von der Gestapo deportierten Eltern zu Fuss von Belgien bis nach Polen gewandert. Dabei sei sie auf ein Wolfsrudel gestossen, das sie geschützt und sozusagen adoptiert habe. Der in Frankreich, Belgien und Deutschland gedrehte Film «Survivre avec les Loups» läuft derzeit in den belgischen Kinos.

Die Zeitung «Le Soir» hatte in Brüssel eine Cousine der Autorin ausfindig gemacht, die die gesamte Geschichte in Frage stellte. In ihrer am Freitag veröffentlichten Stellungnahme räumte Defonseca nun ein, sie heisse in Wahrheit Monique De Wael. Ihre Eltern seien tatsächlich von der Gestapo verhaftet worden, sie seien allerdings keine Juden gewesen, sondern hätten im belgischen Widerstand gearbeitet. Sie selbst sei als damals Vierjährige zu Verwandten gebracht worden. «Ich fühlte mich anders. Seither fühlte ich mich als Jüdin und später bin ich mit mir selber ins Reine gekommen, weil mich die jüdische Gemeinschaft akzeptierte.»

Als verwaistes Kind habe sie sich ein Leben fern von den Menschen gewünscht, erklärte die Schriftstellerin weiter. «Deshalb habe ich mich für Wölfe begeistert und ich habe alles miteinander vermischt. Es gibt Augenblicke, in denen es mir schwerfällt zu unterscheiden, was tatsächlich geschehen ist und was sich nur in meinem inneren Universum ereignet hat.» Die Geschichte in ihrem Buch sei «nicht die wirkliche Realität, aber das war meine Realität, meine Methode zu überleben».

Defonseca hat von einem US-Gericht 26 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen bekommen, weil ihr Verleger sie um das Honorar für ihre Memoiren betrogen hat.

(AP/kub)