Multiresistente Keime

10. Juli 2019 15:16; Akt: 10.07.2019 15:16 Print

Möwen könnten Menschen gefährlich werden

Rund 20 Prozent der australischen Möwen sind mit gefährlichen Bakterien infiziert. Einige Keime seien bereits resistent gegenüber «wichtigen» Medikamenten.

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Silbermöwen in Australien tragen gefährliche Bakterien in sich. Die Keime könnten auch für den Menschen gefährlich werden. Dies zeigt eine Studie der Murdoch University in Perth. Die WHO warnt seit längerem vor sogenannten Superbazillen. Neue Medikamente gegen antibiotikaresistente Keime sind dringend nötig, denn allein in Europa sterben jedes Jahr etwa 33'000 Menschen aufgrund einer Infektion mit resistenten Bakterien. Zu diesem Schluss kamen Forscher des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Viele Erkrankungen mit antibiotikaresistenten Keimen wurden in Spitälern und anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems festgestellt. Wie die Keime in die Spitäler kommen und wie sie sich dort ausbreiten, hatten US-Forscher bereits vor einiger Zeit untersucht. Die Analyse wurde im neu eröffneten Center for Care and Discovery der Universität Chicago durchgeführt. Dort fanden die Forscher ideale Bedingungen für ihre Arbeit vor: Sie konnten schon zwei Monate vor Aufnahme des Spitalbetriebs mit ihren Untersuchungen beginnen. Insgesamt nahmen sie während zwölf Monaten mehr als 10'000 Proben. Die Forscher machten Abstriche von den Händen, aus der Nase sowie den Achseln der Patienten ebenso wie von den Oberflächen, die sie wahrscheinlich berührt hatten. Hinzu kamen Proben vom Boden der Zimmer und den Luftfiltern. Auch das Pflegepersonal wurde untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich unmittelbar nach Beginn des Klinikalltags Mikroben wie ... ... Corynebakterien, ... ... Staphylokokken und ... ... Streptokokken ausbreiteten. Die Aufnahme jedes neuen Patienten veränderte zudem die Zusammensetzung der Bakterien in seinem Zimmer. Die Forscher nahmen 92 Patienten genauer unter die Lupe, die über längere Zeit in dem Spital waren. Bei ihnen wurden potenziell schädliche Bakterien gefunden, die mit der Zeit Gene entwickelten, die Resistenzen gegen Antibiotika fördern und Infektionen begünstigen können. Vor allem Staphylococcus aureus ist in seiner multiresistenten Form als Spitalkeim MRSA bekannt und gefürchtet: Während er für gesunde Menschen ungefährlich ist, ist er für etwa 30 Prozent aller Spitalinfektionen verantwortlich.

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Wissenschaftler in Australien schlagen Alarm: Mit multiresistenten Keimen infizierte Seemöwen könnten die Bakterien möglicherweise auf Menschen übertragen und damit schwerwiegende Krankheiten auslösen.

Nach Angaben von Forschern der Murdoch University in Perth sind rund 20 Prozent der Silbermöwen in Australien mit multiresistenten Bakterien infiziert – Bakterien dieser Art können Krankheiten wie Harnwegsinfekte, Blutvergiftung oder Meningitis verursachen.

Nachbildung menschlicher Bakterien

Die in der Fachzeitschrift «Journal of Antimicrobial Chemotherapy» veröffentlichte Studie der Forscher basiert auf Proben von 550 Silbermöwen. «Wir hatten nicht erwartet, so hohe Werte an multiresistenten Kolibakterien zu finden», sagte der Wissenschaftler Mark O'Dea am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Bei den Bakterien, die die Wissenschaftler in den Möwen nachweisen konnten, handelt es sich demnach um Nachbildungen menschlicher Bakterien. «Die Möwen haben die Bakterien irgendwie von Menschen aufgenommen», erklärte O'Dea. Sein Forscherteam geht davon aus, dass sich die Möwen beim Kontakt mit menschlichen Fäkalien mit den Keimen infiziert haben, etwa im Abwasser oder an entsorgten Babywindeln.

Infektion auf Mensch nicht auszuschliessen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt seit langem vor den Folgen sogenannter Superbazillen für die moderne Medizin. Diese Bakterien sind resistent gegen Antibiotika.

Die Gefahr, dass Seemöwen Infektionen auf Menschen übertragen könnten, ist O'Dea zufolge «ziemlich gering», aber nicht auszuschliessen. Einige der Bakterien, die bei den Möwen nachgewiesen wurden, seien bereits resistent gegenüber «durchaus wichtigen» Medikamenten, betonte er.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Buntspecht am 10.07.2019 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wundern

    Wen wunderts, bei all dem Müll, welchen der Mensch den Meeren überlässt? Aber hinterher erstaunt reagieren, wenn solche Entwicklungen entstehen.

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  • i.huber am 10.07.2019 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stimmt nicht

    Nicht die Möwe kann dem Menschen gefährlich werden sondern wenn dann umgekehrt, oder der Mensch sich selber....wie immer. Der Mensch ist das Übel aller Probleme.....nicht die Flora und nicht die Fauna.

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  • Rentnerin am 10.07.2019 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor 70 Jahren war es doch besser

    Wir sind bald nur noch von gefährlichen Dingen umgeben, welcher Art auch immer, nur noch Angst und Furcht begleiten uns, ohne jetzt überängstlich zu sein, gut, dass ich noch einige schöne Jahre verleben durfte, ohne all dies

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman M. am 11.07.2019 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist halt so

    Die grösste Bedrohung der Menschheit ist der Mensch selbst.

  • kurt am 11.07.2019 01:25 Report Diesen Beitrag melden

    Auch wenn es den Menschen nicht passt

    aber auch hier gilt das sich die Natur selbst reguliert. Der Mensch hat durch Vermüllung der Umwelt ein Ungleichgewicht geschaffen und die Natur reagiert darauf. Das Pendel schlägt zurück und die Masse Mensch wird ausgedünnt werden. Leider hat die Gier dazu geführt das die Mehrheit das klingeln nicht gehört hat. Schon lange ist es her das es 5 vor 12 war.

  • René am 10.07.2019 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andersrum

    Falsch . Der Mensch kann den Möven gefährlich werden .

  • Bartli am 10.07.2019 23:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kloaken sind extrem gefährlich

    gleich wie die Keime die Keimseuche von Abwasserkloaken aus Pharmafirma in Indien. Es gab eine Doku darüber. Auch diese wurden laut Doku bereits nach Europa eingeschleppt. Dann mal Prost. Auch sollten Turis auf Kreuzschiffahrten mal untersucht und besser noch gewarnt werden.

  • Fridolin der Forscher am 10.07.2019 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung wäre da....

    ...aber daran verdient unsere Pharma zu wenig. Darum sind sie nicht interessiert. In Russland und im ganzen angrenzenden Osten hat man - aus Kosten-/Ressourcengründen über Jahrzehnte an Phagen geforscht und diese Programme zum Glück nie aufgegeben.