«Charlie Hebdo»

02. Januar 2013 15:46; Akt: 02.01.2013 15:47 Print

Mohammed-Comic, «völlig halal»

Das Satiremagazin «Charlie Hebdo» provoziert streng gläubige Muslime weiter: Nach den umstrittenen Mohammed-Karikaturen veröffentlichte die Zeitschrift einen Comic über das Leben des Propheten.

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Der Herausgeber von «Charlie Hebdo»,lediglich unter dem Namen «Charb» bekannt, präsentiert den Mohammed-Comic.

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Es handele sich um ein «sehr seriöses Buch», das auf islamischen Quellen beruhe, schrieb die Ko-Autorin Zineb in ihrem Vorwort. Im September hatten die Mohammed-Karikaturen weltweit zu Protesten vor französischen Einrichtungen geführt.

«Wenn die Form einigen auch gotteslästerlich erscheinen mag, so ist der Inhalt doch völlig halal», schrieb Chefredakteur Stéphane Charbonnier auf der Rückseite der Sonderausgabe. «Halal» wird alles genannt, was den religiösen Vorschriften des Islams entspricht. Es handele sich nicht um Karikaturen, versicherte die Religionssoziologin Zineb. Das kleine gelbe Männchen, das Mohammed zeige, sei eine «Metapher». Streng gläubige Muslime empfinden Abbildungen des Religionsgründers als Beleidigung.

Vertretungen in 20 Ländern geschlossen

Proteste gegen den 64 Seiten starken Comic blieben zunächst aus. Im September hatte Frankreich nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen diplomatische Vertretungen und Schulen in rund zwanzig Ländern geschlossen. Damals war die Stimmung durch ein Mohammed-Schmähvideo ohnehin aufgeheizt.

Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem forderte im Fernsehsender France 2 ein Gleichgewicht zwischen Meinungsfreiheit und der Achtung der öffentlichen Ordnung. Es sei nicht nötig, «Öl ins Feuer giessen», sagte Vallaud-Belkacem. Frankreich hat mit rund fünf Millionen die grösste muslimische Gemeinde Europas.

Redaktion von «Charlie Hebdo» 2011 angezündet

Im November 2011 waren die Redaktionsräume von «Charlie Hebdo» angezündet worden, nachdem das Wochenblatt dem islamischen Rechtssystem Scharia eine Sonderausgabe mit Karikaturen gewidmet hatte. Chefredakteur Charbonnier steht seither unter Polizeischutz.

Der Comic mit dem Titel «Die Anfänge eines Propheten» beginnt mit der Geburt Mohammeds und schildert zunächst dessen Kindheit. In einer Episode heilt sich der siebenjährige Mohammed beispielsweise selbst mit Spucke von einer Bindehautentzündung. Das sechs Euro teure Heft im DIN-A-4-Format endet, als der Prophet etwa 40 Jahre alt ist mit den Worten «Mohammed erkannte endlich das Geheimnis seiner Existenz».

(ap)