13. April 2005 14:55; Akt: 13.04.2005 15:00 Print

Mord-Urteil für «Kannibalen von Rotenburg» gefordert

Der so genannte «Kannibale von Rotenburg» soll nach dem Willen der deutschen Bundesanwaltschaft wegen Mordes verurteilt werden.

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Bundesanwälte und Verteidigung forderten am Mittwoch eine Aufhebung des Richerspruchs.

«Das Urteil ist rechtsfehlerhaft», argumentierteaatsanwalt fordert Mord-Urteil Bundesanwalt Lothar Senge bei der Revisionsverhandlung vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Es seien mehrere Mordmerkmale nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt worden.

Er widersprach damit Meiwes Verteidiger Harald Ermel, der ebenfalls Revision eingelegt hatte und eine mildere Strafe wegen Tötung auf Verlangen fordert.

Meiwes hatte 2001 einen Bekannten mit dessen Einverständnis getötet, zerlegt und weitgehend aufgegessen. Das Kasseler Landgericht wertete den landesweit einmaligen Fall jedoch nicht als Mord, weil Täter wie Opfer zwar beide psychisch gestört seien, aber bewusst eine für das Opfer tödliche Vereinbarung getroffen und erfüllt hätten.

Anklage und Verteidigung forderten den Bundesgerichtshof auf, den Fall nach Hessen zurückzuverweisen. Nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft sollte sich dieses Mal das Landgericht in Frankfurt damit befassen.

Schlachtraum und Kannibalismus-Foren

Meiwes hatte nach eigenen Worten schon als Jugendlicher einen Drang zum Kannibalismus verspürt und richtete sich später in seinem Haus im nordhessischen Rotenburg einen Schlachtraum ein. Sein späteres Opfer lernte er in einem Kannibalismus-Forum im Internet kennen.

Im März 2001 trafen sich beide in Meiwes' Haus in Rotenburg, wo Meiwes dem Berliner Computerexperten auf dessen Wunsch den Penis abschnitt. Später tötete er den Mann, schlachtete ihn und verzehrte einen Grossteil seines Fleisches.

Im Prozess legte der damals 42-Jährige ein umfassendes Geständnis ab, bestritt aber, aus sexuellen Motiven gehandelt zu haben. Mehreren Gutachten zufolge leidet er an einer schweren seelischen Störung und betrachtet Männerfleisch als Fetisch. Meiwes' Schuldfähigkeit wird nach Einschätzung der Gutachter dadurch jedoch nicht eingeschränkt.

«Auf sittlich tiefster Stufe»

«Ziel der Staatsanwaltschaft ist eine Verurteilung des Angeklagten wegen Mordes», sagte Bundesanwalt Senge. Die Tat stehe auf sittlich tiefster Stufe und lasse sich nur aus den ungehemmten, abartigen und triebhaftigen Neigungen des Angeklagten erklären.

Meiwes habe ausschliesslich aus eigennützigen Motiven getötet, von Tötung auf Verlangen könne keine Rede sein. Ausserdem habe Meiwes die Tat gefilmt und die Aufzeichnung später als Stimulation beim Onanieren verwendet.

Dies widerspreche der Argumentation der Verteidigung, wonach Meiwes nicht aus sexuellen Motiven gehandelt habe, und erfülle das Mordmerkmal der Tötung zur Befriedigung des Geschlechtstriebes. Dazu komme, das die Wiederholungsgefahr bei Meiwes gross sei.

Verteidiger: Opfer wollte so sterben

Meiwes-Anwalt Ermel wies dagegen darauf hin, dass sein Mandant intelligent sei und den gleichen Fehler nicht zweimal begehen würde.

Meiwes habe bereits Angebote von schlachtwilligen Menschen erhalten, die bereit seien, sich vor der Schlachtung durch Meiwes selbst zu töten und ihm damit rechtliche Probleme zu ersparen. Zugleich beharrte Ermel darauf, dass Meiwes nicht aus niedrigen Beweggründen gehandelt, sondern die Wünsche seines Opfers erfüllt habe.

(sda)