Spektakulärer Kriminalfall

29. Juli 2010 20:01; Akt: 29.07.2010 20:25 Print

Mord im Vatikan

Im Mai 1998 ereignete sich im Vatikan ein Drama mit biblischen Dimensionen: Alois Estermann und seine Frau wurden ermordet. Eine Dokumentation rollt den mysteriösen Fall wieder auf.

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Mit der Bluttat aus der eigenen Reihe kam die stolze Schweizergarde ins Zwielicht: heiliger Zorn im Innersten der katholischen Kirche, das hatte es in Rom noch nie gegeben.

Die Gerüchteküche brodelte. Verdächtigungen wurden laut, der Vatikan habe die Hintergründe vertuscht. Es hiess, der junge Walliser Vizekorporal Cédric Tornay habe seinen Karriereknick nicht verkraftet. Andere sagten, ein homosexuelles Verhältnis zwischen dem Kommandanten und dem Korporal sei der Auslöser zur Tat gewesen oder der junge Mann habe ein Verhältnis mit der Frau des Kommandanten gehabt. Es gab auch Stimmen, die den Kommandanten als DDR-Spion bezeichneten und die Stasi als Täterschaft bezeichneten. Auch im Kontext der Tatsache, dass der strenge Estermann Mitglied des erzkatholischen Opus Dei war, wurde nach einem Motiv gesucht. Lange blieb zudem unklar, ob sich der 23-jährige Gardist selbst erschossen hatte - oder ob auch er ermordet wurde.

Der Vatikan als souveräner Staat pflegt seine eigene Justiz. Er untersuchte die Mordfälle in eigener Regie, hielt sich bedeckt und gab keine Unterlagen heraus. Weder die offizielle Schweiz noch der berühmt-berüchtigte französische Rechtsanwalt Jacques Vergès, den die Mutter von Cédric Tornay engagiert hatte, bekamen Akteneinsicht. Der Pressesprecher des Papstes sagte bloss, ein Anfall von Raserei habe den jungen Gardisten überkommen, als er Alois Estermann, dessen Frau und danach sich selbst erschoss.

Roland Huber rollt den aufsehenerregenden Fall nochmals auf und fragt nach den Motiven der Tat. Im aktuellen Gespräch widerspricht der Journalist Michael Meier aufgrund neuerer Untersuchungen der These von der Ermordung Tornays. Er kommt zum Schluss, dass Cédric tatsächlich der Täter war und dass er sich anschliessend selbst tötete.

Die 500-jährige Schweizergarde gedenkt jedes Jahr am 6. Mai der Plünderung Roms von 1527, genannt Sacco di Roma. Damals stellten sich die Schweizer schützend vor den Papst, 147 liessen dabei ihr Leben. Eine Handvoll Landsknechte konnte mit dem Papst flüchten. Von da an liessen sich die Päpste nur noch von treuen Söldnern aus der Schweiz beschützen. Selbst heute ist das noch so, nachdem einer aus den Reihen der Schweizergarde im heiligen Zorn dreifach tötete.