New York

07. Mai 2010 14:39; Akt: 07.05.2010 15:04 Print

Moschee neben Ground Zero geplant

Zwei muslimische Organisationen wollen eine Moschee und ein Kulturzentrum beim ehemaligen World Trade Center bauen. Angehörige von 9/11-Opfern sind nicht erfreut.

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In dem mittleren Gebäude soll die Moschee eingerichtet werden. (Bild: Keystone/Mark Lennihan)

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Das Gebäude in Lower Manhattan, in dem sich ein Kleidergeschäft befunden hatte, war bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 durch Trümmer der einstürzenden Zwillingstürme beschädigt worden. Seither stand es leer. Nun sollen dort eine Moschee und ein Kulturzentrum eingerichtet werden. «Wir wollen eine Plattform schaffen für die schweigende Mehrheit der gemässigten Muslime», erklärte Daisy Khan von der American Society for Muslim Advancement der Nachrichtenagentur AP.

Khan ist auch Vorstandsmitglied der Cordoba Initiative, die ebenfalls hinter dem Projekt steht. Sie betonte, dass es in der Gegend bislang nur eine Moschee gebe, die nicht mehr genug Platz habe für die wachsende Zahl der Gläubigen. Am Mittwoch stellten die beiden Organisatoren das Projekt lokalen Geschäftsleuten und Politikern vor – und stiessen auf Zustimmung. Für die wachsende Einwohnerzahl im New Yorker Finanzdistrikt brauche es Gemeinschaftseinrichtungen, hiess es.

«Eine widerwärtige Idee»

Es gibt jedoch auch Widerstand, vor allem von Angehörigen der Terroropfer, die sich schwer tun mit einer Moschee neben Ground Zero. «Sie liegt zu nahe an dem Ort, wo unsere Angehörigen ermordet wurden», sagte Evelyn Pettigano, die ihre Schwester verloren hatte. Rosemary Cain, deren Sohn, ein Feuerwehrmann, am 11. September 2001 starb, bezeichnete die Idee gar als «widerwärtig». Und Anita LaFond Korsonsky, die ebenfalls den Tod einer Schwester verloren hatte, meinte: «Ich setze voraus, dass sich diese Leute dort nicht versammeln werden, um einen neuen Anschlag zu planen.»

Es gibt jedoch nicht nur unversöhnliche Stimmen. Marvin Berthea, ein Sanitäter, der seit 9/11 an psychischen und physischen Beschwerden leidet, erklärte der AP, nicht alle Muslime seien Terroristen: «Am 11. September sind auch Muslime gestorben. Dies ist eine grossartige Geste, sie zeigt, dass wir nicht alle voller Hass und Vorurteile sind.» Die Initianten hoffen auf eine Grundsteinlegung noch in diesem Jahr, möglicherweise am Jahrestag der Anschläge. Drei Jahre später sollen Moschee und Zentrum eröffnet werden. Die Baukosten von rund 100 Millionen Dollar müssen allerdings noch beschafft werden.

(pbl)