Affäre um Johannes Hesters

06. Dezember 2008 15:37; Akt: 06.12.2008 15:37 Print

Nach Hitler-Lob: «Er ist ein alter Narr»

Entertainer Johannes Heesters steht wegen seiner jüngsten Hitler-Äusserungen weiter in der Kritik. Der 105-Jährige hatte Adolf Hitler als «netten Kerl» bezeichnet.

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Seine Aussage, wonach der NS-Diktator «ein guter Kerl» gewesen sei, sei typisch für Heesters, sagte der niederländische Bestseller-Autor Leon de Winter der «Frankfurter Rundschau». «Er relativiert die NS-Zeit ja seit 60 Jahren», warf de Winter dem Entertainer vor.

Heesters Hitler-Entgleisung sei wohl auch auf sein hohes Alter zurückzuführen: «Er ist ein Narr, inzwischen ein alter Narr», wurde der Schriftsteller weiter zitiert. «Mit 105 ist er sicher nicht mehr klar im Kopf.» Vielleicht lockere das Alter aber auch nur seine Zunge - «so wie Betrunkene und Kinder sagen, was sie wirklich denken».

Mit seinen verharmlosenden Äusserungen über Hitler berühre Heesters in den Niederlanden eine tiefe Wunde, sagte de Winter, nämlich «die stille Kooperation der Niederländer mit den Nazis während der deutschen Besatzung». Es sei «das grösste Trauma unserer Geschichte», dass damals 80 Prozent der holländischen Juden ermordet worden seien und es in den Niederlanden mehr Freiwillige für die Waffen-SS gegeben habe als in Österreich. «Gleichzeitig gab es immer das Verlangen, nichts wissen, nichts sehen, nichts begreifen zu wollen - all das verkörpert Johannes Heesters», erklärte de Winter.

Geburtstag

Am Freitagabend hatte der Heesters seinen 105. Geburtstag auf der Bühne des Winterhuder Fährhauses in Hamburg begangen. Während der Feier im Anschluss an seinen Auftritt überreichte ihm Paul Sahner von der «Bunten» seinen achten Ehren-Bambi. In seiner Festrede sprach Sahner auch die jüngsten Vorwürfe gegen Heesters an. Er finde es «abstossend und infam», wie der holländische TV-Kollege Heesters mit hinterlistigen Fragen hereingelegt habe. Heesters selbst wollte sich an seinem Ehrentag nicht zu dem Thema äussern. Der «Bild»-Zeitung vom Freitag zufolge bereut Heesters das Interview.

(ap)