Supersturm

10. Juli 2014 15:38; Akt: 10.07.2014 16:11 Print

Neoguri trifft auf AKW-Ruine in Fukushima

Sieben Tote hat der Supersturm in Japan gefordert. Bald trifft er auf die Hauptinsel Honshu – und das havarierte AKW Fukushima. Der starke Regen gibt bereits Grund zur Sorge.

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Im Südwesten Japans gab es am 10. Juli die ersten Todesopfer. Teile einer zerstörten Brücke, ein Transporter und massenhaft Treibgut liegen im Flussbett des Nashizawa bei Nagano. Sintflutartiger Regen und starker Wind: Passanten in Kawasaki kommen am nur mühsam voran. Betroffen sind auch weitere beliebte Ferieninseln wie hier auf der Insel Okinawa. Der Taifun «Neoguri» sorgte im Ort Uruma für Zerstörung. Die Behörden warnen vor Erdrutschen. Beschädigte Fisch-Käfige an der Küste der südkoreanischen Insel Jeju. Meterhohe Wellen prallten auf die Ostküste Südkoreas. Eine verlassene Strasse auf Okinawa. Am Dienstag, 8. Juli, traf der gewaltige Taifun Neoguri auf die südwestjapanische Inselregion. Eine halbe Million Bewohner wurden aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. In Naha auf Okinawa hat der Taifun mehrere Bäume gefällt. «Neoguri» bewegte sich am Dienstagmittag (Ortszeit) mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern in der Stunde über dem Meer weiter in Richtung Norden. Die Windgeschwindigkeit nahe des Zentrums betrug mehr als 250 Kilometer pro Stunde. Die Schiffe, die im Hafen von Itoman auf der Insel Okinawa festgemacht sind, müssen den heftigen Winden trotzen. Frauen kämpfen am 8. Juli 2014 in der Stadt Naha auf Okinawa gegen die heftigen Regenschauer. Schiffe werden befestigt und in Sicherheit gebracht. Starke Winde werden in der Stadt Naha auf der japanischen Insel Okinawa erwartet. So zieht der Super-Taifun über Japan. Der Taifun «Neoguri» von einem Satelliten aufgenommen.

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Begleitet von schweren Regenstürmen, Erdrutschen und Überschwemmungen hat der mittlerweile zum Supersturm herabgestufte Neoguri am Donnerstag Kyushu, die erste der vier japanischen Hauptinseln, erreicht. Neoguri (koreanisch für «Waschbär») hat bereits mindestens sieben Menschen in Tod gerissen. Dutzende weitere wurden verletzt.

In der Provinz Nagano hatte sich am Mittwoch ein Seitenarm des Flusses Kiso in eine reissende Schlammflut verwandelt. Das Haus einer vierköpfigen Familie wurde von einem Erdrutsch getroffen, der zwölfjährige Sohn starb. Am Dienstag hatte der Sturm einen Mann von seinem Fischerboot gerissen. Ein weiterer Fischer verunglückte in der auf Kyushu gelegenen Provinz Kumamoto. Andere Opfer ertranken in Flüssen, Gräben oder beim Schwimmen im Meer.

Zuflucht in Schutzräumen

Auf der Hauptinsel Kyushu wurden am Donnerstag Hunderttausende Menschen aufgefordert, sich auf Evakuierungen vorzubereiten oder Zuflucht in Schutzräumen zu suchen. Im Laufe des Tages liess der Sturm Kyushu hinter sich und zog in Richtung der nordöstlich gelegenen Insel Shikoku.

In Tausenden Haushalten auf Kyushu und Shikoku fiel der Strom aus. In der Provinz Yamagata standen Reisfelder, Strassen und Häuser unter Wasser. Rund 200 Flüge wurden gestrichen. Auch Bus- und Zugverbindungen waren unterbrochen. Mehrere grosse Fabriken im Südwesten Japans wurden wegen des Unwetters geschlossen.

Sicherheitsvorkehrungen in Fukushima

Laut Wetterdienst dürfte Neoguri in der Nacht auf Freitag (Ortszeit) die Hauptinsel Honshu mit der Hauptstadt Tokio und dem havarierten Atomkraftwerk von Fukushima erreichen. Über Tokio dürfte er am frühen Freitag hin wegziehen, bevor Neoguri abdreht und auf das Meer hinauszieht.

Die Ausläufer des Supersturms könnten auch das havarierte AKW in der Präfektur Fukushima treffen. Dessen Betreiber trafen nach eigenen Angaben bereits Vorkehrungen: «Wir binden Kabel und Schlauchleitungen zusammen und stellen sicher, dass Kräne und Schwenkarme nicht umkippen können», sagte ein Sprecher der Betreiberfirma Tepco. «Wir verstärken auch die Wachdienste, die sicherstellen müssen, dass an kritischen Stellen kein Wasser in das Gelände eindringt.»

Regen bereitet AKW-Mitarbeitern Kopfzerbrechen

Die mit dem Sturm einhergehenden sintflutartigen Regenmengen bereiten den AKW-Mitarbeitern zusätzliches Kopfzerbrechen. Arbeiter kämpfen im havarierten AKW damit, grosse Mengen an verseuchtem Wasser am Austreten zu hindern, wie der britische «Telegraph» schreibt. Dieses Wasser wird dazu verwendet, die zerstörten Reaktoren zu kühlen. Auch verseuchtes Grundwasser darf nicht ins Meer auslaufen. Mehr als 435'000 Kubikmeter verstrahlten Wassers werden auf dem Kraftwerksgelände gelagert.

Schon seit Wochen werden im Gelände von Fukushima 1550 unterirdische Rohre verlegt, um einen 1,5 Kilometer langen Eiswall zu errichten. Der Wall soll das aus der Umgebung ins Grundwasser unter den Unglücksreaktor vordringende Wasser zurückhalten.

Deutlich abgeschwächt

Mittlerweile schwächte sich der Taifun deutlich ab. Die Windgeschwindigkeiten verringerten sich von mehr als 250 auf gut 100 Kilometer pro Stunde. Die Behörden warnen aber weiter vor heftigem Regen und der Gefahr von Erdrutschen.

Japan wird häufig von Taifunen heimgesucht. Ein zerstörerischer Wirbelsturm wie Neoguri ist zu dieser Jahreszeit aber ungewöhnlich. Der Taifun habe sich mit einer Regenfront vermengt, erklärte ein Meteorologe den mit ihm einhergehenden Starkregen.

(sda)