Missbrauch in Lügde

12. April 2019 22:34; Akt: 12.04.2019 22:53 Print

Neue CDs auf der Parzelle von Andreas V. gefunden

Im Missbrauchsfall auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat eine Abrissfirma neues Beweismaterial entdeckt.

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Beschuldigte haben Dutzende Kinder missbraucht: Spielwaren vor dem Tatort auf dem Campingplatz in Lügde. (Archivbild) Mitte April 2019 haben Mitarbeiter eines Abrissunternehmers neue Datenträger auf der Parzelle von Andreas V. entdeckt. Seit dem 9. April stehen Bagger vor der Parzelle und reissen die Behausung des 56-Jährigen V. ab. Als die Angestellten der Firma Vs. Wohnwagen zerlegten, fanden sie drei CDs und zwei Disketten, die die Polizei bei der Durchsuchung offenbar übersehen hatte. Die Datenträger seien in einem Zwischenraum des doppelten Holzbodens des Wohnwagens gelegen. Eine weitere CD sei später im Schutt des bereits zerstörten Wohnwagens gefunden worden. Die Missbrauchsserie im nordrhein-westfälischen Lügde hätten die Behörden schon vor mindestens zwei Jahren aufdecken können. Das behauptet der 57-jährige Jens Ruzsitska, dessen Töchter sich unter den Opfern befinden. Am 30. Januar 2019 wurde bekannt, dass drei Männer auf dem Campingplatz in Lügde 23 Kinder sexuell missbraucht und kinderpornografisches Material hergestellt hatten. Während zehn Jahren sollen die Täter über 1000-mal zugeschlagen haben. 23 Kinder konnten bisher als Missbrauchsopfer ermittelt werden. Bei den drei Männern, die mittlerweile festgenommen wurden, handelt es sich um einen 56-Jährigen aus Lüdge, einen 48-Jährigen aus Stade und einen 33-Jährigen aus Steinheim. Während zwei von ihnen die Taten auf dem Campingplatz begingen, erwarb der dritte Täter kinderpornografisches Material der Missbrauchsfälle. Die Polizei stellte mehr als 400 CDs und DVDs mit einer Grösse von rund 14 Terabyte mit kinderpornografischen Inhalten sicher. Auf dem Campingplatz können auch kleine Blockhäuser oder Langzeitplätze gemietet werden. Der mutmassliche Haupttäter lebte als Dauercamper auf dem Platz. Während sich im Hintergrund diese Horror-Taten abspielten, warb der Campingplatz in der Öffentlichkeit mit diesen Worten: «Beginnen Sie bei uns Ihre erlebnisreichen Ausflüge und erholen Sie sich zwischendurch in herrlicher Ruhe der malerischen Landschaft.»

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Auf der Parzelle des Hauptverdächtigen im Missbrauchsfall von Lügde haben Mitarbeiter eines Abrissunternehmers neue Datenträger entdeckt. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung». Seit Dienstag werde die Behausung des 56-jährigen Andreas V. abgerissen. Als die Angestellten der Firma Vs. Wohnwagen zerlegten, fanden sie drei CDs und zwei Disketten, die die Polizei bei der Durchsuchung offenbar übersehen hatte.

Die Datenträger seien in einem Zwischenraum des doppelten Holzbodens des Wohnwagens gelegen. Eine weitere CD sei später im Schutt des bereits zerstörten Wohnwagens gefunden worden, heisst es im Bericht.

Behörden stehen seit Wochen in der Kritik

Es ist nicht das erste Mal, dass trotz der intensiven Durchsuchung durch die Ermittler neues Beweismaterial auftaucht. Das lässt die Arbeit der Beamten in keinem guten Licht erscheinen.

Die Behörden behaupten, dass sie aus rechtlichen Gründen bis anhin Vs. Wohnwagen nicht zerteilen durften. Daher habe man die nun entdeckten Datenträger mit «zulässigen Mitteln» nicht finden können.

Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs von Lügde im deutschen Ostwestfalen-Lippe stehen Polizei und weitere Behörden seit Wochen in der Kritik. Unter anderem kam der Polizei in Detmold ein Koffer und eine Mappe mit Beweismitteln abhanden.

Auf dem Campingplatz von Lügde sollen in den vergangenen Jahren 40 Kinder sexuell missbraucht worden sein, die meisten von ihnen waren zur Tatzeit zwischen drei und 14 Jahre alt. In dem Missbrauchsfall gibt es unterdessen acht Beschuldigte, die drei Hauptverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft.

(kle)