20. März 2008 13:29; Akt: 20.03.2008 14:46 Print

Neues Rätselraten um Turiner Grabtuch

Es soll ein direktes Abbild des Gesichts von Jesus Christus zeigen: Das Turiner Grabtuch. Zum Bedauern vieler Christen wurde es in den 80er Jahren als mittelalterliche Fälschung enttarnt. Jetzt lassen neuste Tests widerum an dieser Theorie zweifeln.

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Im 14. Jahrhundert wurde es zum ersten Mal schriftlich erwähnt: Das Leichentuch, in dem Jesus Christus nach seiner Kreuzigung bestattet wurde.

Doch warum gibt es keine älteren Belege für das als Turiner Grabtuch bekannte Stück Leinen? Vielleicht, weil es erst in der Zeit zwischen 1260 und 1390 n. Chr. gefertigt wurde? Diese Erkenntnisse untermauerten 1988 verschiedene Labors mit Hilfe einer Radiokohlenstoffdatierung.
Um das Alter des Tuchs bestimmen zu können, wurden Proben einer Ecke des wertvollen Textils entnommen und auf den Gehalt des radioaktiven Kohlenstoffs C-14 untersucht. Für die Wissenschaftler war damals klar: Beim Turiner Grabtuch handelt es sich um eine gut gemachte Fälschung aus dem Mittelalter.

An diesem Beleg zweifelt die Schweizer Textilrestauratorin Mechthild Flury-Lemberg. Sie hat im Jahr 2002 selbst eine Konservierung des Tuches vorgenommen. Sie ist sich sicher: «Das Grabtuch eignet sich nicht für eine C-14-Analyse». Ihrer Meinung nach sind die zur Untersuchung genutzten Ecken besonders ungeeignet, da sie über die Jahre durch das Anfassen ohne Handschuhe speckig wurden. «Über die lange Zeit haben sich viele Kohlenstoffpartikel im Tuch angesammelt, was bei einer genauen Analyse zu Irritationen führt», erklärte die Expertin auf Anfrage von 20minuten.ch.

Nun wurde das berühmte Tuch zum ersten Mal in aussergewöhnlich hoher Auflösung fotografiert. Die Bilder sollen laut «Tagesanzeiger» neue Erkenntnisse über die Entstehung und vor allem das Alter des mysteriösen 4,37 auf 1,11 Meter grossen Leinenstücks bringen.

Über das Ergebnis der Anaylse wird bislang Stillschweigen bewahrt: Das Geheimnis um das mysteriöse Tuch wird erst am kommenden Samstag während einer Dokumentation des britischen TV-Senders BBC gelüftet.

(rre)