Literatur

14. Juli 2014 18:29; Akt: 14.07.2014 18:42 Print

Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer gestorben

Im Alter von 90 Jahren ist die südafrikanische Autorin Nadine Gordimer zuhause in Johannesburg eingeschlafen. Während der Apartheid hielt sie eine wichtige politische Rolle inne.

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Nadine Gordimer veröffentlichte ihre erste Geschichte im Alter von 15 Jahren. Sie gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen Südafrikas. Am 13. Juli 2014 ist die 90-Jährige in ihrem Haus in Johannesburg verstorben. (Bild: Keystone/Alejandro Ernesto)

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Sie war eine der bekanntesten südafrikanischen Autorinnen und eine der bedeutendsten Kritikerinnen der Apartheid. 1991 erhielt sie den Nobelpreis. Jetzt ist sie im Alter von 90 Jahren gestorben.

Nadine Gordimer ist tot. Die südafrikanische Literaturnobelpreisträgerin sei im Alter von 90 Jahren am Sonntag in ihrem Haus in Johannesburg friedlich eingeschlafen, teilte Gordimers Familie am Montag mit. Ihre Tochter Oriane und ihr Sohn Hugo seien bei ihr gewesen.

«Sie hat sich am meisten um Südafrika gesorgt, um seine Kultur, seine Menschen und die anhaltenden Probleme bei der Umsetzung der neuen Demokratie», hiess es in der Mitteilung. Gordimer erhielt 1991 den Nobelpreis - drei Jahre vor Ende der weissen Minderheitsregierung in ihrem Land.

Apartheid entschieden abgelehnt

Begonnen hatte die weisse Südafrikanerin als Autorin fiktiver Geschichten, die sich meist um die Trennung zwischen Schwarz und Weiss drehten. Ihre entschiedene Ablehnung der Apartheid und der damit einhergehenden Entmenschlichung der schwarzen Bevölkerung sorgte dafür, dass sie auch eine wichtige politische Rolle in der turbulenten Geschichte ihres Landes einnahm.

Während der Apartheid lobte sie den inhaftierten Nelson Mandela, der später Präsident des Landes wurde. Sie akzeptierte auch die Entscheidung des Afrikanischen Nationalkongresses, der damals bedeutendsten Anti-Apartheidorganisation, notfalls auch Gewalt gegen die weisse Herrschaft einzusetzen. «Ich habe jetzt 65 Jahre gelebt», sagte sie damals. «Ich bin mir voll bewusst, wie lange die Schwarzen sich der Gewalt enthalten haben. Wir Weissen sind dafür verantwortlich.»

Erste Publikation als 15-Jährige

Gordimers erste Geschichte wurde in einem Literaturmagazin veröffentlicht, als sie gerade 15 Jahre alt war. Ihr erster Roman erschien «The Lying Days» erschien 1953. Insgesamt schrieb sie 15 Romane und mehrere Bände mit Kurzgeschichten, dazu nichtfiktionale Texte wie Essays und andere Arbeiten. Ihre Werke wurden in 40 Sprachen übersetzt.

Für «The Conservationist» (deutsch: «Der Besitzer») erhielt sie 1974 den renommierten Booker Prize. Das Nobelpreiskomitee würdigte 1991 «die intensive Direktheit» mit der Gordimer über die komplizierten persönlichen und sozialen Beziehungen in ihrer Umwelt schreibe.

Sie selbst erklärte bei der Verleihung, sie habe als junger Mensch darunter gelitten, dass sie von der Welt der Idee abgeschnitten gewesen sei, weil sich Südafrika mit der Apartheid isoliert hatte. Aber dann habe sie verstanden, dass es darum gehe, der Welt einen Zugang zur Welt der Menschen in ihrem Land zu ermöglichen.

Gordimer soll im privaten Kreis beigesetzt werden, das Datum war zunächst nicht bekannt.

(sda)