Polizei-Irrtum

29. Juni 2011 16:04; Akt: 30.06.2011 01:13 Print

Noch ein falscher Jean-Louis B. geschnappt

Die grossflächige Suche nach dem flüchtigen Vergewaltiger wird eingestellt. Zuvor hatte die Polizei in Genf und im Wallis gleich zwei Männer ins Visier genommen, die Jean-Louis B. ähnelten.

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Die ganze Schweiz sucht nach dem Ausbrecher Jean-Louis B. Wie gross die Verunsicherung in der Bevölkerung ist, zeigen zwei Vorfälle vom Mittwoch aus Genf und dem Wallis. Kurz nach 13 Uhr haben in Genf Passagiere im Bus 1 Alarm geschlagen, als sie einen verdächtigen Mann mit Glatze und Brille im Fahrgastraum entdeckten. «Er sah genau gleich aus wie der Ausbrecher», sagt ein Augenzeuge zu 20 Minutes Online. Laut einem Leser-Reporter hat der Buschauffeur darauf sofort alle Türen verriegelt, damit niemand mehr aussteigen konnte. «Wenige Augenblicke später kamen drei Polizeiwagen angebraust. Die Beamten zerrten den Mann aus dem Bus und verhafteten ihn auf der Stelle», so der Leser-Reporter weiter.

Auf Anfrage von 20 Minutes Online gibt die Polizei Entwarnung. Es habe sich um eine Verwechslung gehandelt. Man habe den Mann bereits wieder freigelassen.

Gefängnispsychologin in Genf vergewaltigt

Dass sich der Mörder in Genf aufhält, ist aber nicht ganz abwegig. 1986 nutze er einen bewilligten Gefängnisausflug, um mit dem Zug nach Genf zu fahren - und vergewaltigte dort seine Gefängnispsychologin.

Lausanner mit dem Täter verwechselt

Eine knappe Stunde später hatte die Walliser Kantonspolizei im Dörfchen Vex ein Postauto anhalten lassen, weil sie darin Jean-Louis B. vermutete. Der vermeintliche Gesuchte, ein ca. 50-jähriger Lausanner, der sich auf einem Ausflug im Val d'Hérens befand und gerade Richtung Sion unterwegs war, wurde von der Polizei aus dem Postauto genommen und kontrolliert. Dabei mussten die Beamten feststellen, dass es sich bei dem Mann nicht um den flüchtigen Vergewaltiger handelte. «Ich habe blaue Augen, bin nicht sportlich gebaut und trage keine Brille. Wenn die Polizisten ein Foto bei sich gehabt hätten, dann hätten sie mich auch nicht durchsuchen brauchen», bedauerte der Lausanner gegenüber 20 Minuten Online den Vorfall.

Grossflächige Suche eingestellt

Jean-Louis B. könnte gemäss Experten jederzeit wieder zuschlagen. Die Polizei hat nach wie vor keine heisse Spur. Trotzdem wird die Suche nach dem 64-jährigen flüchtigen Sexualstraftäter abgebrochen. Die Neuenburger und Waadtländer Polizei will weiterhin in der Gegend stark präsent sein und sämtlichen Hinweisen nachgehen.

Es gebe keinen Grund mehr, dass die Polizei weiterhin das Gelände durchkämme, sagte am Mittwoch David Maccabez von der Neuenburger Kantonspolizei. Hinweisen werde die Polizei jedoch nachgehen.

Bei den Waadtländer Behörden sind am Mittwoch laut Jean- Christophe Sauterel, Mediensprecher der Waadtländer Kantonspolizei, über 30 Hinweise zum flüchtigen Mann eingegangen. Man sei daran, jedem einzelnen nachzugehen, sagte Sauterel.

Aber die Polizei habe nunmehr sämtliche Orte abgesucht, an denen sich der Flüchtige aufhalten könnte. Damit rechtfertigte Sauterel den Abbruch der Suche.

Straftäter packte Aufseherin am Hals

Mittlerweile konnten zudem die Umstände, die zur Flucht des Mannes führten, weitgehend geklärt werden. Die beiden Bewacher - ein Mann und eine Frau - sowie der in Gorgier NE einsitzende Straftäter hatten sich laut Sauterel auf dem Nachhauseweg von einem Spaziergang befunden.

Die beiden Aufseher seien vorne im Auto gesessen, der Straftäter hinten. Während der Rückfahrt packte der Mann die Aufseherin am Hals und bedrohte sie mit einem noch unbekannten spitzen Gegenstand.

Als sich die Frau wehren wollte, verletzte sie sich an der Hand. Der Häftling habe gesagt, er werde nicht ins Gefängnis zurückgehen, sagte Sauterel weiter. Dies habe zu einem heftigen Wortwechsel geführt.

Schliesslich stiegen die drei Personen aus dem Auto aus. Dabei hätten die Bewacher versucht, den Straftäter noch umzustimmen. Ohne Erfolg. Laut Sauterel ergriff der Mann die Flucht, während die beiden Aufseher erfolglos versucht hätten, ihn zurückzuhalten.


(am/mac/sda)