Schwerkranker Mörder

21. Mai 2014 02:55; Akt: 21.05.2014 12:37 Print

Oberstes Gericht stoppt Hinrichtung

Dramatische Stunden für den schwerkranken Mörder Russell Bucklew: In letzter Minute setzte der Oberste Gerichtshof der USA seine Hinrichtung aus.

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Russell Bucklew, ein verurteilter Mörder, wird nun doch hingerichtet. Der schwerkranke Todeskandidat könnte während der Exekution in aussergewöhnlichem und unnötigem Masse leiden. (Bild: Keystone/AP/Anonymous)

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Am Dienstagabend kassierte ein Berufungsgericht in Bonne Terre die Aussetzung der Exekution von Russel Bucklew, die ein dreiköpfiges Richtergremium nur wenige Stunden zuvor angeordnet hatte. Damit soll der 46-Jährige um Mittwochmitternacht (Ortszeit) per Giftspritze sterben.

Die Anwälte von Bucklew wandten sich umgehend an den Supreme Court, den Obersten Gerichtshof der USA. Sie führen ins Feld, dass ihr schwerkranker Mandant während der Exekution in aussergewöhnlichem und unnötigem Masse leiden könnte. Die Giftspritze könnte einen Wirkstoff enthalten, der bei Bucklew einen Todeskampf mit schlimmen Qualen auslöse.

Nach Angaben seiner Anwälte muss der 46-Jährige wegen einer angeborenen Krankheit eine Hirnblutung und extrem starke Schmerzen fürchten. Eine «grausame und ungewöhnliche Bestrafung» sei per US-Verfassung aber verboten.

Etwa eine Stunde vor dem Vollstreckungstermin hoben Richter des Supreme Courts die Hinrichtung auf, berichteten Lokalmedien.

Keine Angaben über Inhaltsstoffe

Bucklew verlangte, dass seine Hinrichtung in der Vollzugsanstalt Bonne Terre per Video aufgezeichnet wird - doch das wurde nicht erlaubt. Auch erfuhren seine Anwälte nicht, welches Mittel der Staat ihm einspritzen lassen will - und woher der Stoff kommt. Die Behörden verweigern die Auskunft.

Bucklew hatte 1996 den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Freundin erschossen und die 21-Jährige dann entführt und vergewaltigt. Er sagte, er bereue die Tat. Die Mutter des Mordopfers zeigte sich über den Aufschub verärgert. «Ich bin nicht begeistert», sagte sie gegenüber NBC.

Sein Fall hatte nach einer besonders qualvollen Exekution eines Mannes Ende April in Oklahoma für Aufsehen gesorgt. Der Todeskandidat starb erst nach 43 Minuten an einem Herzinfarkt.

Hintergrund der Auseinandersetzungen sind Nachschubprobleme der USA bei den zur Tötung eingesetzten Mitteln. Die europäischen Hersteller der Chemikalien weigern sich, sie für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Eine Reihe von US-Bundesstaaten greift jetzt auf neue Mischungen aus obskuren Quellen zurück, über die sie sich ausschweigen.

(sda)