Nach der grossen Party

23. August 2012 16:00; Akt: 23.08.2012 17:33 Print

Olympiadieu!

von Kian Ramezani - Olympische Spiele verheissen nicht nur Weltrekorde und Sportspektakel, sondern auch milliardenteure Bauten. Manche fallen erschreckend schnell dem Verfall anheim.

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Das in der Pekinger Innenstadt sieht nach vier Jahren schon ziemlich heruntergekommen aus. Hier und es zieht sich auch niemand mehr um. Der ohne Wasser. Das wird auch nicht mehr gebraucht. Eine der Sportstätten, die immer noch genutzt wird (wenn auch nicht sportlich), ist das der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron begeistert Touristen und beherbergt in den kälteren Monaten eine Winterlandschaft aus Kunstschnee. Draussen kann man sogar . Auch von den Olympischen Spielen 2004 in Athen liegt einiges an Infrastruktur brach: Das im Athener Vorort Faliro. Daneben die oder was davon übrig ist. Hier fanden 2004 die statt. Wofür die Zeit damals nicht reichte, wartet bis heute auf Fertigstellung. Der . Ruinen im wahrsten Sinn des Worts sind von den übrig geblieben. Im Bosnienkrieg zwischen 1992 bis 1995 wurde ein Grossteil der olympischen Infrastruktur zerstört. Aus dem Olympia-Denkmal wurde ein Kriegs-Mahnmal. Auch die Bobbahn von Trebevi, wo der Schweizer 4er-Bob Bronze holte, wurde im Krieg beschädigt. Zunächst von Sprayern umgenutzt ... ... wurde sie 2007 für eine Skate-Abfahrt in Stand gesetzt. Zuschauer gab es keine, weil die umliegenden Wälder noch immer vermint sind. Vorbilder für gute Um- und Weiternutzungskonzepte sind laut dem IOC Vancouver 2010 und . Die Themse-Stadt will das olympische Dorf in ein Wohnquartier verwandeln, die Sportstätten für die Öffentlichkeit öffnen und so aus dem machen. Die nächsten Spiele finden statt. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Ob der Maly-Eispalast in ein paar Jahren eher an Peking oder London erinnern wird?

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Was bleibt vom grössten Sportanlass der Welt? In den Augen der meisten wohl gebrochene Rekorde, tragische Niederlagen und der eine oder andere Skandal. Für die Bewohner des Austragungsorts stellt sich zusätzlich eine ganz andere Frage: Was passiert mit all den Anlagen, die für Olympia gebaut wurden? «Austragungsorte müssen sich überlegen, was sie ihren Bürgern hinterlassen wollen, wenn die 16 Wettkampftage vorbei sind», bringt es Andrew Mitchell, Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), auf den Punkt.

Ob die Organisatoren von Peking 2008 und Athen 2004 diesbezüglich ihre Hausaufgaben gemacht haben, darf bezweifelt werden. In beiden Städten finden sich zahlreiche Sportanlagen, die seit Jahren ungenutzt verlottern (siehe Bildstrecke oben). Wo sich früher Beachvolleyballer in den Sand warfen, wuchert heute Unkraut. Die Kajak-Parcours sind ausgetrocknet, Fassaden abgeblättert, Tore verschlossen. Chinas ikonisches Nationalstadion ist zwar ein kommerzieller Erfolg: Das «Vogelnest» wird täglich von tausenden Touristen besucht. Sportlich läuft hingegen nicht mehr viel. Immerhin: 2015 beherbergt es die Leichtathletik-WM.

IOC ist sich der Problematik bewusst

Fotografen haben den künstlerischen Wert dieser Orte erkannt und setzen den Kontrast zwischen vergangenem Spektakel und aktuellem Zerfall eindrucksvoll in Szene. «Der Zustand dieser Prunkbauten gepaart mit ihrer Macht auf das Landschaftsbild verstärken den Eindruck ihres Scheiterns», sagt Jamie Smith. Der englische Fotograf hat olympische Anlagen um Athen fotografiert wird diese unter dem Titel «Geld Leihen, Bauen, Zurücklassen - Athenische Abenteuer aus Beton und Stahl» in London ausstellen.

«Wir sind uns bewusst, dass einige Organisationskomitees hinsichtlich der Nachhaltigkeit besser gearbeitet haben als andere», erklärt IOC-Sprecher Mitchell auf Anfrage, ohne Athen oder Peking beim Namen zu nennen. Als «sehr gute Beispiele» bezeichnet er hingegen Vancouver 2010 und London 2012. Die Themsestadt habe viel in «permanente Trainingsanlagen von bleibendem Wert» investiert. Gleichzeitig seien Provisorien gebaut worden, die «kompakte und nachhaltige Spiele» erlaubt hätten. «London 2012 wird für künftige Organisatoren zweifellos Modellcharakter haben», sagt Mitchell. Auch das IOC habe diesbezüglich in den vergangenen Jahren viel dazugelernt.

Was wird aus Sotschi?

Der nächste Test kommt mit den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi. Im Evaluationsbericht des IOC heisst es, die neu zu bauenden Sportanlagen würden in Russland dringend gebraucht, damit seine Athleten «im eigenen Land» trainieren können. Nach dem Willen der Regierung in Moskau soll in Sotschi zudem das «erste russische Skigebiet von Weltruf» entstehen. Ob dergleichen am äussersten Zipfel Europas gelingen kann oder die Sammlung olympischer Ruinen schon bald um einige Stücke reicher ist, wird sich weisen.