04. April 2005 13:44; Akt: 04.04.2005 13:45 Print

Opfer des Amokläufers ausser Lebensgefahr

Einen Tag nach dem Amoklauf in einer Stuttgarter Kirche sind die drei Verletzten ausser Lebensgefahr.

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Das Motiv des 25-jährigen Täters war am Montag nach wie vor unklar. Aus Ermittlerkreisen verlautete aber, es handele sich vermutlich um eine Beziehungstat. Der Täter habe ersten Erkenntnissen zufolge eine persönliche Beziehung zu einem weiblichen Mitglied der Kirchengemeinde gehabt. Er leide offenbar an einer psychischen Erkrankung.

Der mit einem Samurai-Schwert und einer Pistole bewaffnete Tamile hatte am Sonntagnachmittag eine 43-jährige Frau getötet, eine weitere Frau lebensgefährlich und zwei Männer schwer verletzt. Einem der Männer hackte er eine Hand ab. Bei den Opfern handelt es sich ebenfalls um Tamilen. Der 25-Jährige sollte am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden. Dieser entscheidet dann, ob er in Untersuchungshaft kommt oder vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird.

Laut Polizei hatte der Mann bereits einmal vor Ostern Gottesdienstbesucher bedroht. Das Drama sei aber nicht vorauszusehen gewesen, betonte Kriminaldirektor Michael Kühner. Der Täter sei polizeibekannt und komme aus dem Grossraum Stuttgart. Das Samurai-Schwert soll er in Stuttgart gekauft haben.

Der 25-Jährige war um 15.40 Uhr in die evangelisch-methodistische Kirche im nördlichen Stadtteil Zuffenhausen gestürmt. Dort befanden sich etwa 65 Besucher eines tamilischen Gottesdienstes, darunter zur Hälfte Kinder. In der Nähe des Eingangs kam es zu tumultartigen Szenen, wie Kühner mitteilte. Besucher hätten zum Teil mit Stühlen bewaffnet versucht, den Mann herauszudrängen. Daraufhin habe der Täter wahllos auf Menschen eingestochen, die in seinem Weg standen.

Bernd Winkler, seit fünf Jahren Gemeindepastor der evangelisch-methodistischen Christusgemeinde in Stuttgart-Zuffenhausen, sagte, in der Kirche sehe es schrecklich aus. Überall sei Blut, und Stühle seien umgefallen. «Es ist etwas Schreckliches passiert.» Die Tamilen-Gemeinde habe seit 15 Jahren Gastrecht in der Kirche und feiere dort jeden Sonntag ihren Gottesdienst. «Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu der Gemeinde», erklärte Winkler.

Über den Täter sagte der Pfarrer: «Es war aus meiner Sicht ein Psychopath, der den Amoklauf verursacht hat.» Winkler sagte, er habe zuerst nicht glauben können, «dass so etwas in unserer Kirche passiert». Er sei sehr betroffen.

(ap)