Verschollener Mars-Rover

07. Dezember 2018 20:39; Akt: 07.12.2018 20:43 Print

Oppy, wo steckst du? Bitte wach auf!

Nach einem Staubsturm auf dem Mars ist der Kontakt zum Rover Opportunity unterbrochen. Auch nach sechs Monaten Funkstille gibt die Nasa nicht auf.

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Forscher der US-Raumfahrtbehörde Nasa warten seit genau sechs Monaten auf ein Lebenszeichen des Mars-Rovers Opportunity. Am 10. Juni kam die bislang letzte Nachricht des Roboters im Raumfahrtzentrum in Pasadena im US-Bundesstaat Kalifornien an. Dann überzog ein gigantischer Staubsturm den Planeten. Seitdem: Stille.

Twitter
«OppyPhoneHome»

Fast schon verzweifelt flehen die Wissenschaftler per Twitter Richtung Mars: «OppyPhoneHome – bitte melde dich zu Hause, Opportunity!» Immer wieder schicken sie dem Roboter Nachrichten und warten dann auf Antwort. Zuletzt kam Mitte November kurz Hoffnung auf, das empfangene Signal war dann aber doch nicht von Opportunity.


Staub
Wind soll helfen

Die Strategie, über die Antennen des Deep Space Network immer wieder Nachrichten schicken und auf mögliche Antworten lauschen, wird zunächst fortgesetzt. «Die Winde am Aufenthaltsort könnten zunehmen in den kommenden Monaten und der Staub könnte von den Solarpanels des Rovers abgeblasen werden», gibt sich die Nasa zuversichtlich. Zuvor hatte sich der gigantische Staubsturm schon weitgehend gelegt. Im Januar soll die Strategie erneut überprüft werden.


Energie
Sonne soll Batterien laden

Opportunity braucht Sonnenenergie, um seine Batterien aufzuladen – und der gigantische Staubsturm liess so gut wie keine Sonne mehr durch. Deswegen versetzte sich der Rover in den Ruhemodus, aus dem er nun nach Abklingen des Sturms eigentlich so langsam wieder aufwachen sollte. Der Status der Batterien vor dem Sturm sei gut gewesen, heisst es. Aber selbst, wenn Opportunity sich einmal meldet, könne es lange dauern, bis der Rover dann zum nächsten Mal ein Signal sende. Und: Selbst wenn der Rover aufwacht, weiss niemand, ob er noch genauso funktioniert wie vorher.


Technik
Seit 2003 unterwegs

Opportunity ist für seine Ausdauer bekannt. Die Mission des Rovers war eigentlich auf 90 Tage angesetzt, inzwischen rollt er schon seit fast 15 Jahren über den Roten Planeten. Opportunity war im Juli 2003 an Bord einer Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral gestartet und rund ein halbes Jahr später, am 25. Januar 2004, auf dem Mars gelandet. Seitdem rollt der rund 185 Kilo schwere, sechsrädrige Rover über den Mars – nicht ohne Zipperlein, aber mit bemerkenswertem Durchhaltevermögen.

Missionen
Neue Rover sind nuklear betrieben

2007 hatte Opportunity einen noch viel grösseren Sturm überstanden. Die damit einhergehende Kälte führte nach Einschätzung der Nasa-Wissenschaftler wohl letztlich zum Verlust der baugleichen und zu ähnlicher Zeit gestarteten Zwillingsschwester Spirit einige Jahre später. Für die anderen Mars-Missionen wie die Sonden, die um den Planeten kreisen, den nuklear betriebenen Rover Curiosity oder den gerade auf dem Mars angekommenen Lander Insight stellte der Staubsturm keine Gefahr da.

Aufwachen!
Nasa lässt Songs laufen

«Die Moral ist ein bisschen wacklig», sagte Nasa-Ingenieur Michael Staab jüngst dem Portal Space.com. «Das ist das erste Mal, dass Opportunity aufgehört hat, mit uns zu reden, und nicht wieder damit angefangen hat, als wir das erwartet haben.» Zur Aufmunterung spielen sich die Nasa-Forscher in ihrem Kontrollzentrum jeden Morgen einen passenden «Aufwach-Song» vor: «Wake Me Up Before You Go-Go» von Wham zum Beispiel, «Dust in the Wind» von Kansas oder «Here Comes the Sun» von den Beatles.

Fangemeinde
«Wir lieben dich!»

Fans auf der ganzen Welt schicken Opportunity unterdessen mit virtuellen Postkarten Genesungswünsche. «Bitte wach bald auf, wir vermissen dich», heisst es auf einer Karte, und auf einer anderen steht: «Wir lieben dich und wir wissen, dass du das durchstehen wirst. Du schaffst es!»

(sda)