Grosse Pläne

31. Oktober 2009 14:14; Akt: 31.10.2009 15:28 Print

Oskar blickt nach Hollywood

von Katharina Bracher - Politiker des rechten SVP-Flügels, Lehrer aus dem Wallis, zweisprachiger Romanschriftsteller, Sänger, Poet: Oskar Freysingers Rollen sind zahlreich. Nun zieht es das Multitalent nach Hollywood. Ein Produzent will seinen Roman verfilmen. Dafür würde Freysinger sogar seinen Nationalrats-Job opfern.

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Sein Kollege Toni Bortoluzzi hat ihn einst als «Intellektuellen ohne Kinderstube» bezeichnet. Nun verdichten sich die Anzeichen, dass der «Pinkel-Poet» («Blick») erwachsen wird. Freysinger schafft womöglich schon bald als Drehbuchautor den Sprung nach Hollywood. Wie der Walliser Poet kürzlich bekanntgab, ist ein Filmproduzent an der Verfilmung seines Romans «Die Schachspirale» interessiert.

Hat der rebellische Nationalrat aus dem Wallis die Politik satt? «Ich habe jetzt zwei Jahre von meinem Leben für die Politik geopfert, bin zu wenig Schlaf gekommen», sagt Freysinger gegenüber 20 Minuten Online, «es ist bestimmt klug, sich Gedanken zu machen über die Zeit nach der Politik.» Für Freysinger ist klar: «Mein ganzes Leben besteht aus Literatur.» Darum habe er das spontane Angebot aus Hollywood gerne angenommen und ein Drehbuch vorbereitet.

«Der Produzent war sofort begeistert von meinem Roman»

Doch wie ist Hollywood auf Freysingers ersten Roman gestossen, der sich in der Schweiz eher schlecht als recht verkauft, und auf Deutsch erschien? «Der Kontakt ist eher zufällig zu Stande gekommen», sagt der SVP-Politiker gegenüber 20 Minuten Online. Seine Anwältin, die sich laut Freysinger auch um den Absatz seiner Bücher kümmert, habe den Kontakt vermittelt. Sie habe neben anderen Mandaten auch den Nachlass des im Jahr 2004 verstorbenen Schauspielers Peter Ustinov zu verwalten. In diesem Zusammenhang ist die Anwältin von einem Filmproduzenten aus Hollywood angerufen worden, der sich für die Verfilmung eines unveröffentlichten Manuskripts des britischen Multitalents interessierte. Dabei hat sich die Anwältin als clevere Literaturagentin erwiesen. «Zufällig sind sie auf mein Buch zu sprechen gekommen», so Freysinger. «Die Schachspirale» handelt vom russischen Gulag zu Sowjetzeiten. Im Roman stehen sich ein Held und ein Anti-Held gegenüber: Einer hängt einem geistigen Weltbild nach, der andere einem materialistischen. Der Film-Produzent, dessen Namen Freysinger nicht nennen will, sei sofort begeistert gewesen vom Plott des Romans.

«Das Leben der Andern» als Vorbild

Trotzdem gab es ein Problem: Der Produzent verlangte nach einem Drehbuch. Und ein solches ist, wenn man es Hollywood schmackhaft machen will, mit Vorteil in englischer Sprache verfasst. «Meinen Roman habe ich auf Deutsch geschrieben. Es existiert zwar eine serbische Fassung und derzeit wird der Roman auf Russisch übersetzt, aber englisch?» Das hat sich Freysinger nun doch nicht zugetraut. Also habe man sich darauf geeinigt, dass er das Drehbuch auf Französisch verfassen dürfe. «Das war eine spannende Aufgabe», erinnert sich Freysinger zurück an die Zeit, als er sich für einige Wochen auf eine Hütte in den Bergen zurückzog, um mit Eifer an seinem ersten Drehbuch zu schreiben. Als Vorbild diente ihm das Drehbuch zum deutschen Spielfilm «Das Leben der Andern». Freysinger weiss seine verschiedenen Rollen geschickt zu kombinieren: Zuvor hatte er mit seinen Schülern das Drehbuch «auseinander genommen» und diskutiert. «Das hat mir zusätzlich etwas gebracht.» Das fertige Buch liege nun in Hollywood beim ungenannten Produzenten, der im Übrigen schon drei erfolgreiche Filme produziert habe. Im Januar 2010 soll die Vertragsunterzeichnung erfolgen.

«Nimmt Freysinger die Politik überhaupt noch ernst?»

Bei all der Zukunftsmusik, die Freysinger aus seinem Chalet im Wallis in die Traumfabrik nach Kalifornien lockt, geht die Politik fast etwas vergessen. Dabei ist Freysinger momentan damit beschäftigt, sich für die Anti-Minarett-Initiative stark zu machen. «Nimmt Freysinger die Politik überhaupt noch ernst?», kommentierte «Le Matin dimanche» am letzten Sonntag Freysingers Hollywood-Pläne. «Die Politik ist ja selbst nicht ernst», entgegnet Freysinger. «Gerade die, die mir vorwerfen, ich mache ein Theater aus der Politik, sind selbst die besten Schauspieler.»

Ein Erfolgsrezept für einen Hollywood-Film hat Freysinger schon einmal begriffen: Das Publikum mag keine komplizierten Antworten. Die Schweizer Geiseln in Libyen? Man müsse eine deutliche Sprache sprechen mit den libyschen Geiselnehmern, lautet Freysingers Ratschlag: «Entweder man macht einen auf Berlusconi und reist mit vollen Geldkoffern an, oder man verschärft den Ton in amerikanischer Manier.» Muslimische Minarette? Freysinger dazu: «Der Islam soll zuerst das Zeitalter der Aufklärung hinter sich bringen. Dann stelle ich meinen Garten als Bauplatz für ein Minarett zur Verfügung.»

«In zehn Jahren? Bis dann habe ich hoffentlich mit der Politik abgeschlossen.»

Doch den politischen Fragen der Schweiz muss sich Freysinger vielleicht bald nicht mehr stellen: Derzeit wird das Drehbuch nämlich auf Blockbuster-Qualität geschliffen. In Hollywood weiss man am Besten, welche Zutaten ein Drehbuch braucht, damit ein Film zum Kassenschlager wird. Ausserdem hat der Regisseur alles andere als bescheidene Erwartungen. Seine Wunschbesetzung für eine der beiden Hauptrollen ist immerhin Tom Hanks.

Und wo steht Oskar Freysinger in zehn Jahren? Oskar, der Oscar-Gewinner? – Der Drehbuchautor seufzt. «Bis in zehn Jahren habe ich hoffentlich mit der Politik abgeschlossen.» Ob er dann vielleicht schon auf eine Karriere in Hollywood zurückblicken kann? Freysinger schliesst es nicht mehr aus.