Pilotversuch

13. Januar 2009 11:00; Akt: 13.01.2009 13:08 Print

Pannenstreifen wird zur dritten Fahrspur

Ab dem Jahr 2010 darf auf der Autobahn A1 zwischen Morges und Ecublens der Pannenstreifen zu Stosszeiten als dritte Fahrspur genutzt werden. Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) will damit den Verkehr auf der oft überlasteten Autobahn Genf-Lausanne verflüssigen.

Fehler gesehen?

Die Nutzung des Stand- oder Pannenstreifens erlaube es, den Verkehr auf diesem Autobahnabschnitt sicherer zu gestalten, teilte das ASTRA am Dienstag mit. Konkret wird ab Anfang 2010 bei hohem Verkehrsaufkommen per Lichtsignalanlage die dritte Spur freigegeben. Gleichzeitig gilt in diesen Phasen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern.

Die Experten des ASTRA erhoffen sich damit eine Verstetigung des Verkehrsflusses. Die Ein- und Ausfahrten, die in diesem Abschnitt rege benutzt werden, führen nämlich im Pendlerverkehr verstärkt zu stockendem Kolonnenverkehr. Dank der dritten Spur sollte dieses «Handorgel-Phänomen» deutlich zurückgehen.

Evaluation Ende 2011

Bis zur Einführung werden ab dem 4. Mai 2009 die baulichen Anpassungen vorgenommen. So müssen die Beläge der Pannenstreifen verstärkt und ein Fahrstreifenleitsystem mit Überwachungskameras und Lichtsignalanlagen installiert werden. Die Kosten belaufen sich auf 34 Millionen Franken.

Nach einem Jahr will das ASTRA die Auswirkungen des neuen Verkehrsregimes überprüfen. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob es tatsächlich zu weniger Unfällen kommt und ob sich der Verkehr verflüssigt.

Denn das System hat, wie ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage sagte, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Sicherheit. Dank dem verbesserten Verkehrsfluss wird einerseits die Sicherheit erhöht. Andererseits reduziert sich die Verkehrssicherheit wegen der fehlenden Pannenstreifen.

Stark belastetes Autobahn-Teilstück

Letzterem Aspekt tragen die Strassenbauer insofern Rechnung, dass auf dem etwas über 6 Kilometer langen Abschnitt in jeder Fahrtrichtung drei Notfall-Ausstellplätze gebaut werden. Das ASTRA ist aber überzeugt, dass sich die Verkehrssicherheit zwischen Morges VD und Ecublens VD insgesamt verbessert.

Das ASTRA begründet die Wahl des A1-Abschnitts Lausanne-Genf für den Test mit dem hohen Verkehrsaufkommen. Täglich verkehren hier 82 000 Fahrzeuge. Der Abschnitt sei damit eine der am dichtesten befahrenen Schweizer Strassen. Täglich komme es zu Staus, die für Automobilistinnen und Automobilisten 10 bis 15 Minuten zusätzliche Fahrzeit bedeuteten.

Rohrbach räumte ein, dass es auch andere Strecken mit einem ähnlich hohen oder höheren Verkehrsaufkommen gebe, die aus der subjektiven Sicht der Autofahrer für eine solche Lösung geeignet sein könnten. In Frage kämen jedoch nur kürzere Teilstücke in Agglomerationen.

Für lange Teilstücke nicht geeignet

Für die anderen Abschnitte brauche es längerfristige Lösungen, die der Bund mit dem Programm «Engpassbeseitigung» angehen werde. Dazu will die Eidgenossenschaft in den nächsten 20 Jahren 5,5 Milliarden Franken investieren.

Aus diesem Pool soll etwa der Ausbau der Nordumfahrung Zürich oder des Abschnitts Härkingen-Wiggertal auf sechs Spuren finanziert werden. «Gerade für den Zürcher Nordring ist das in der Westschweiz getestete System keine Lösung, da dieses Teilstück zu lang ist», sagte Rohrbach. Hier brauche es eine dritte Röhre des Gubrist- Tunnels.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco V. am 13.01.2009 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Rechts überholen

    Rechts überholen ist ab 3 Spuren erlaubt. Die Regel mit dem Überholverbot finde ich sehr sinnvoll, aber wiederum behindernd, falls es Autofahrer hat, die wieder mal mit 70 km/h herumgurken...

  • Ueli am 13.01.2009 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Polizei

    Zur Polizei und Krankenwagen. Die Fahren nie auf dem Pannenstreifen sondern immer in der Mitte der beiden Fahrspuren, von daher, kein problem....

  • Jojo am 13.01.2009 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    lebensmüde?

    das kann wohl nicht die endgültige Lösung sein. Was ist mit Pannenfahrzeugen? Aber immerhin bleibt da dann kein Platz um zu wenden und als Geisterfahrer seine Runde zu drehn ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marylou am 13.01.2009 19:59 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Echt super, dann können wir endlich auf 3 Spuren im Stau stehen. Wenn wir dann nur noch Neuwagen auf die Autobahn lassen, verhindern wir auch noch Pannenfahrzeuge.

  • phhun am 13.01.2009 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich gute Idee

    Im Grunde genommen eine gute Idee, nur müsste man dann zuerst den Schweizern lernen, wie man mit 3 Spuren fährt... Rechts ist nämlich nicht für Lastwagen reserviert, auch Autos dürfen (müssen) !!!

  • Marco V. am 13.01.2009 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Rechts überholen

    Rechts überholen ist ab 3 Spuren erlaubt. Die Regel mit dem Überholverbot finde ich sehr sinnvoll, aber wiederum behindernd, falls es Autofahrer hat, die wieder mal mit 70 km/h herumgurken...

  • Sandra am 13.01.2009 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    100 auf Landstrassen bitte!

    Ich dachte immer einer der Bedingungen für Tempi höher als 80km/h sei das Vorhandensein für Pannenstreifen (neben Richtungsgetrennten Fahrstreifen). Wenn das nun plötzlich nicht mehr gilt, könnte man doch auch ohne grossen Aufwand gewisse 80er-Strecken für 100km/h freigeben?

  • Gina am 13.01.2009 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch!?

    Sobald der Verkehr ein bisschen flüssiger wird, wird er zunehmen und man hat in ein paar Monaten wieder das selbe Stauproblem. Besseres Strassen-/Zugsangebot schafft nur noch mehr Verkehr! Wann lernts der Bund/SBB/Kantone endlich?