04. April 2005 18:15; Akt: 04.04.2005 20:30 Print

Papst-Siegel ist zerstört

Papst Johannes Paul II. wird am Freitag im Vatikan zu Grabe getragen. Den Termin für die Beisetzungszeremonie hatte die Kardinalskongregation festgelegt. Erste Aufgabe der Kardinäle war es, das päpstliche Siegel zu zerstören. Dieses Ritual ist vom Kirchenrecht vorgesehen, damit niemand päpstliche Dokumente fälschen kann.

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Rom bereitete sich am Montag auf die grösste Trauerfeier in der Geschichte des Papsttums vor: Es werden bis zu zwei Millionen Gläubige erwartet.

Auch 200 Staatsoberhäupter und Regierungschefs wollen anreisen, um vom Oberhaupt der katholischen Kirche Abschied zu nehmen. «Für uns ist das eine aussergewöhnliche Herausforderung von grösster Wichtigkeit», sagte der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni am Montag.

Sicherheitskräfte begannen damit, Sperren um den Petersdom zu errichten. Die Innenstadt wurde zur Fussgängerzone erklärt. Ausserhalb der Stadt wurden Zeltstädte eingerichtet, um die Menschen aufzunehmen. Rund 5000 Freiwillige, etwa 6500 Polizisten und 600 Ärzte wurden mobilisiert; Sonderzüge und Sonderbusse wurden eingesetzt.

Bereits strömten zehntausende Pilger in die Stadt, um dem Mann zu gedenken, der 26 Jahre an der Spitze der römisch-katholischen Kirche gestanden hatte.

Papst-Siegel zerbrochen

Den Termin für die Beisetzungszeremonie hatte die Kardinalskongregation festgelegt, die zwei Tage nach dem Tod des Pontifex maximus im Vatikan erstmals zusammenkam.

Erste Aufgabe der Kardinäle war es, das päpstliche Siegel zu zerstören. Dieses Ritual ist vom Kirchenrecht vorgesehen, damit niemand päpstliche Dokumente fälschen kann. Anschliessend sollte das Testament von Johannes Paul II. verlesen werden.

Kein Termin für Papstwahl

Ab wann ein neuer Papst gewählt werden soll, entschieden die 65 anwesenden Kardinäle noch nicht. Nach Kirchenrecht muss das Konklave frühestens 15, spätestens 20 Tage nach dem Papsttod beginnen.

Insgesamt sind 117 Kardinäle beim Konklave stimmberechtigt, das in den kommenden Wochen das neue Oberhaupt der weltweit 1,1 Milliarden Katholiken bestimmen soll.

Letzte Ruhestätte im Vatikan

Johannes Paul II. wird nach einer Totenmesse in den Grotten unter dem Petersdom beigesetzt. Damit sind Spekulationen beendet, der aus Polen stammende Papst könnte in seiner Heimat zu Grabe getragen werden.

«Uns ist kein Wunsch des Heiligen Vaters bekannt, in Polen beigesetzt zu werden», sagte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls. Dem Grab soll aber ein Säckchen Erde aus seiner Heimat beigegeben werden.

Grosser Andrang

Am Montagabend wurde der Leichnahm in einer Prozession in den Petersdom getragen. Zwölf Träger trugen die Bahre; zahlreiche Kardinäle und hohe Würdenträger sowie Schweizergardisten begleiteten den Toten. Als die Prozession aus dem Apostolischen Palast auf den Platz kam, brach die Menge in Beifall aus.

Im Petersdom wurde er öffentlich aufgebahrt, so dass ihm die Gläubigen drei Tage lang die letzte Ehre erweisen können. Vermutlich wird die Kirche auch nachts geöffnet sein.

Grosse Menschenansammlungen gab es nicht nur in Rom, sondern auch in Polen. Zehntausende Menschen nahmen an Messen unter freiem Himmel teil. Auch in der Schweiz suchten viele Katholiken Trost in den Kirchen. Vielerorts wurden Gedenkgottesdienste durchgeführt; hunderte Menschen trugen sich in den Kondolenzbüchern ein.

(sda)