Privataudienz für Thompson

24. November 2009 13:47; Akt: 24.11.2009 14:33 Print

Papst empfängt rechtsextremen Sänger

In die Schweiz darf er nicht einreisen, im Vatikan erhält er eine «private Audienz» beim Papst: Der rechtsnationalistische kroatische Sänger Thompson löst erneut einen internationalen Zwischenfall aus. Israel ist schockiert über den Empfang und kritisiert den Papst.

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«Thompson beim Besuch des heiligen Vaters, Papst Benedikt XVI.»: Marko Perkovic auf seiner Homepage über den Besuch im Vatikan. (Bild: Ausriss thompson.hr)

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Wo er auftreten will, ist Ärger vorprogrammiert: Der rechts-nationalistische kroatische Sänger Marko Perković, bekannt unter seinem Künstlernamen «Thompson», wollte schon verschiedentlich in der Schweiz auftreten. Die Konzerte wurden aber allesamt verboten, letztmals am 28. September 2009 in Kriens. Das Bundesamt für Polizei (Fedpol) griff ein und verhängte eine temporäre Einreisesperre gegen den Sänger(20 Minuten Online berichtete). Grund: «Gefährdung der inneren Sicherheit.»

Thompson steht auch ausserhalb der Schweiz im Ruf, mit seinen martialisch vorgetragenen Blut- und Ehrenliedern Rassenhass zu schüren und Gewalt zu verherrlichen. Die häufigsten Vorwürfe beziehen sich dabei auf eine Verherrlichung des kroatischen Faschismus im Zweiten Weltkrieg (siehe Kasten). Sowohl in Österreich als auch in einigen Städten seiner Heimat Kroatien wurde Thompson deshalb mit Auftrittsverbot belegt.

Spezielle Ausgabe der Lieder für den Papst

Dem Vatikan scheint das egal zu sein: Anfang November empfing Papst Benedikt XVI. den Sänger zu einer «Privataudienz», wie Thompson auf seiner Homepage schreibt. Er sei «mit seiner Familie beim Heiligen Vater» empfangen worden, mit dem er sich auch unterhalten habe. Dabei habe er eine Auswahl seiner CDs und DVDs in einer «speziell für diesen Anlass angefertigten» weissen Ledermappe übergeben. Wie der «Spiegel» berichtet, sorgte der Empfang vor allem in Israel für «Erschütterung». Als «sehr unglücklich» bezeichnete Efraim Zuroff, Leiter des Simon Wiesenthal Center in Jerusalem, die Begegnung. Die Zusammenkunft sende falsche Signale an alle Katholiken in der Welt: «Es hat mich schockiert», so Zuroff zum «Spiegel».

Der Vatikan reagierte auf die internationale Kritik: Der Pressesprecher des Papstes liess mitteilen, der heilige Vater «kenne nicht alle Personen, die an solchen Audienzen teilnehmen». Radio Vatikan berichtet zudem, im Vatikan sei man «verärgert über die Angelegenheit». Thompson selbst befindet sich noch in Italien, wie es auf seiner Homepage heisst. Sobald er zurückkomme, folgten weitere Informationen über den Empfang. Im Vatikan wird man darüber kaum Freude zeigen.

(amc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Konrad Hugentobler am 24.11.2009 14:18 Report Diesen Beitrag melden

    So so

    Da trafen sich zwei richtige.Ein Zeitzeuge und ein Möchtegern ich wär dabei gewesen. Das Gespräch war sicher sehr aufregend. Nun der Papst singt ja gern.

  • kingskid am 24.11.2009 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre ich Papst ...

    hätte ich Thompson auch empfangen - und ihm ordentlich den Kopf gewaschen. Was der Papst mit Thompson besprochen hat ist aus diesem Artikel leider nicht zu erfahren.

  • NJA am 24.11.2009 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Info

    Das Thompson noch nie in der Schweiz aufgetreten ist stimmt nicht. Er war vor ca. 2.5 Jahren in Luzern in einer der Festhallen Allmend. Übrigens kam es da zu Schlägereien während dem Konzert und zwar vor und ausserhalb der Konzerthalle. Ausserdem wurden da natürlich auch nationalistische Lieder gesungen. Gebt mal auf YOUTUBE THOMPSON LUZERN ein, da werdet ihr auf ein paar videos vom konzert stossen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy am 24.11.2009 22:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Grund zur Aufregung

    Die Aufregung über Thompson verstehe ich nicht, es gibt 2Lieder mit rassistischen Inhalten und diese sind während dem Kroatienkrieg entstanden. Ich denke jeder von uns wäre emotionsgeladen nach einem Krieg. Thompson hat seine Emotionen einfach in Liedern ausgelebt. Nach dem Krieg hat Thompson keine Lieder mit rassistischen Inhalten komponiert. Seine heutigen Lieder sind neutral oder höchstens heimatverehrend, bestimmt aber nicht rassistisch. Lieder von Thompson (von KRO auf DE übersetzt): Freunde, Betrüg mich nicht, Mein Sohn, Mein Grossvater und ich, Schön bist du.. Kein Grund zur Aufregung!

    • Ivvon Tomek am 24.03.2013 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Grund...

      So ist es :-)

    einklappen einklappen
  • Ante Gotovina am 24.11.2009 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wahrheit

    Liebe Gegner Marko Perkovic singt über Liebe zur Familie, Heimat und Gott. Er spendet den armen, behinderten Kinder und nimmt an diversen Wohltätigkeitsorganisationen statt und zusätzlich baut er noch Kirchen.Er ist kein rechtsextremer Sänger sondern nur ein Patriot der über Liebe zur Familie, Heimat und Gott singt. Es sind friedliche kroatische feste mit Freunden, Familien und Verwandten.Wir wollen Marko Perkovic singen hören und mehr nichts ,wem es nicht passt muss auch nicht hingehen.Ich höre und kritisiere eure Musik NICHT und es Interessiert mich auch nicht. Danke für Ihr Verständniss.

  • Alain am 24.11.2009 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlicher Vatikan

    Ich finde es schlimm wie es hier Leute gibt die den noch in Schutz nehmen versuchen. Seine Ideologien werden sich in den letzten 15 Jahren auch nicht verändert haben. Und solche Faschisten brauchen wir in unserem Land nicht. Schlimm das der Vatikan sich nicht informiert und das der Papst so einen Menschen auch noch trifft. Rassismus muss man bekämpfen, solche Leute verdienen es nicht das man Ihnen noch eine Bühne für Ihre Ansichten bietet.

  • Beat am 24.11.2009 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts gegen Patriotismus, ...

    ... doch wenn dabei ein Schreckensregime wie die Ustasha verherrlicht und verniedlicht wird, dann ist das schon sehr problematisch: genau so gut könnte man dann darüber sinnieren, ob die Nazis damals auch nur "Patrioten" waren? Völkermord - egal durch welches Regime verübt - ist eines der schlimmsten Verbrechen und kann trotz allen patriotischen Gefühlen nicht gutgeheissen werden. Insofern ist diese Papstaudienz wirklich sehr heikel...

  • Peter Moser am 24.11.2009 17:34 Report Diesen Beitrag melden

    Patriot

    Bei der Schuld braucht es mehr als ein Priester . Da muss man zum Chef.Warum soll Kroatien keine Neo-Nazis haben?Jedes Land hat welche.