01. April 2005 07:03; Akt: 01.04.2005 15:39 Print

Papst erlitt Herzinfarkt und eine Blutvergiftung

Papst Johannes Paul II. hat einen Herzinfarkt und eine Blutvergiftung erlitten. Der Zustand des Papstes sei «sehr schlecht». Verschiedene Medien berichten, der Papst habe die Letzte Ölung bekommen.

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Vor dem von der Polizei abgesperrten Petersplatz strömten in der Nacht hunderte von Gläubigen zusammen, um für den Papst zu beten.

Verschiedene Medien berichteten sodann, der Papst habe das römisch-katholische Sakrament der Krankensalbung erhalten, das auch als Letzte Ölung bekannt ist und Kranken und Sterbenden zu Teil wird. Der Vatikan nahm dazu nicht Stellung.

Doch hiess es aus Kreisen des Kirchenstaates, angesichts des ernsten Gesundheitszustandes des Papstes sei es wahrscheinlich, dass er das Sakrament erhalten habe. Die Ärzte blieben auch am frühen Freitagmorgen am Bett des Papstes.

Gewichtsabnahme

Johannes Paul II., der die Kirche seit 1978 führt, ist seit längerem schwer krank. Nach einer Luftröhrenoperation Ende Februar hatte sich sein Zustand stetig verschlechtert.

Mehrmals versuchte er in der Öffentlichkeit zu sprechen, was ihm aber trotz verzweifelter Anstrengungen misslang. An Ostern hatte der Papst erstmals in seiner 26-jährigen Amtszeit den Segen nicht sprechen, sondern nur mit den Händen spenden können.

Kürzlich erhielt der Papst wegen seiner Schluckbeschwerden eine Magensonde, damit er künstlich ernährt werden kann. Seit seinem Luftröhrenschnitt habe er 19 Kilogramm abgenommen, berichtete das italienische Fernsehen.

Die daraus resultierende Schwäche habe wahrscheinlich zu der Infektion geführt, hiess es. Zudem leidet Johannes Paul seit vielen Jahren an Parkinson.

Neue Phase

Im Vatikan sah man die Chance für eine vollständige Erholung des Papstes zunehmend pessimistisch. Vier hochrangige Mitarbeiter, die namentlich nicht genannt werden wollten, sagten bereits vor Bekanntwerden des Fiebers übereinstimmend, die Amtszeit von Johannes Paul II. sei in eine neue Phase getreten.

«Kaum jemand glaubt, dass die Lage besser werden wird», sagte ein Priester. «Aber alle hoffen auf ein Wunder.» Der Papst selbst sei mit dem Tempo seiner Genesung unzufrieden, sagte ein anderer Vatikan-Vertreter. Wahrscheinlich müsse sich der Papst damit abfinden, in einem «ständig prekären Gesundheitszustand» zu leben.

Alle vier Mitarbeiter sagten jedoch, der Papst sei bei klarem Verstand. «Niemand versucht ihm irgendetwas vorzumachen», sagte einer von ihnen.

(sda)