Fliegende Pressekonferenz

27. Mai 2014 02:07; Akt: 27.05.2014 07:55 Print

Papst nennt Missbrauch «satanische Messe»

Papst Franziskus hat ein entschiedenes Vorgehen der Kirche gegen Verantwortliche sexueller Übergriffe auf Minderjährige versprochen. Gegen drei Bischöfe werde derzeit ermittelt.

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Laut Papst Franziskus wird gegen drei Bischöfe derzeit ermittelt, einer ist bereits verurteilt worden. (Bild: Keystone/AP/Andrew Medichini)

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Der Missbrauch Schutzbedürftiger sei «ein Sakrileg» und vergleichbar mit einer «satanische Messe», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Niemand könne dabei Privilegien für sich beanspruchen. Gegen drei Bischöfe werde derzeit ermittelt, einer sei bereits verurteilt worden, sagte er am Montagabend auf dem Rückflug nach Rom vor Journalisten.

Der Papst, der auf dem Rückweg von einer mehrtägigen Reise in den Nahen Osten war, kündigte ausserdem für kommende Woche eine Messe in seiner Residenz im Vatikan an, die er gemeinsam mit bis zu acht Missbrauchsopfern feiern wolle. Zwei davon sind Deutsche, andere Betroffene kommen aus England und Irland. Anschliessend wolle er sich mit ihnen in privaten Gesprächen über ihre Erfahrungen unterhalten.

«Fliegende Pressekonferenz»

Die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre hatten die katholische Kirche heftig erschüttert und ihrem Ansehen stark geschadet. Papst Franziskus hatte die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester kürzlich um Verzeihung gebeten und strenge Strafen für die Täter gefordert.

An Bord des Flugzeugs äusserte sich der Papst auch zu anderen Themen. So habe der emeritierte Vorgänger Benedikt XVI. mit seinem Rücktritt ein Zeichen für kommende Päpste gesetzt, meinte Franziskus. Wenn ein Papst fühle, dass seine Kräfte schwinden, müsse er sich dieselben Fragen stellen wie Benedikt. «Er hat damit die Tür geöffnet für emeritierte Päpste, die es zuvor nicht gegeben hat.»

Unverheiratete Priester seien ein Geschenk an die Kirche, das er schätze, und kein Glaubensdogma, verteidigte er den umstrittenen Zölibat. Zwar seien die Türen für eine Diskussion offen, derzeit stünden jedoch für die Kirche andere Themen stärker im Mittelpunkt.
Franziskus hatte erstmals im vergangenen Jahr eine – damals stundenlange – «fliegende Pressekonferenz» gegeben, und zwar auf dem Rückflug vom Weltjugendtag in Rio de Janeiro nach Rom.

(sda)