06. April 2005 14:19; Akt: 06.04.2005 14:23 Print

Papst nimmt Geheimnis ins Grab

Johannes Paul nimmt das Geheimnis um den von ihm «in pectore» ernannten Kardinal mit ins Grab.

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Auch das am Mittwoch von den Kardinälen geöffnete Testament lässt die Identität des Geistlichen im Dunkeln.

Johannes Paul II. hatte am 28. September 2003 die Ernennung von 30 neuen Kardinälen bekannt gegeben. Ein 31. wurde aber namentlich nicht genannt, da er offenbar in einem Land lebt, in dem die katholische Kirche unterdrückt wird. Von dieser Möglichkeit der Ernennung «in pectore» - also im verschlossenen Herzen - hatte Johannes Paul zuvor schon drei Mal Gebrauch gemacht. Die Namen dieser Kardinäle hat der Papst aber später noch selbst genannt - es handelte sich um Marian Jaworski aus der Ukraine, Janis Pujats aus Lettland und Kung Pin Mei aus China.

Auch bei dem jüngsten geheim gehaltenen Kardinal könnte es sich um einen in China lebenden Prälaten handeln. In China agiert die dem Vatikan folgende Kirche im Untergrund, die katholische Staatskirche erkennt den Vatikan nicht an. Nach anderen Vermutungen könnte es sich aber auch um den polnischen Erzbischof Stanislaw Dziwisz handeln, den langjährigen Privatsekretär Johannes Pauls, der am vergangenen Samstag auch am Sterbebett des Papstes stand. Trifft diese Vermutung zu und hätte Johannes Paul die Identität enthüllt, so wäre der 65-jährige Dziwisz im Konklave wahlberechtigt gewesen.

Dazu aber hätte Johannes Paul den von ihm gemeinten Kardinal in einem authentischen schriftlichen Dokument nennen müssen. Dann wäre er nach dem Kirchenrecht mit sofortiger Wirkung im Kardinalskollegium aufgenommen, sagte der Kirchenrechtler James Conn von der Päpstlichen Gregorianischen Universität in Rom.

Das Kirchenrecht verlangt lediglich, dass der Name eines Kardinals öffentlich gemacht werden muss. Es werde nicht gefordert, dass dies mündlich zu geschehen habe, erklärt Conn. Sobald der Name bekannt sei, habe der neue Kardinal die gleichen Rechte und Pflichten wie die anderen. So aber wird die Welt wohl nie wissen, wen Johannes Paul nur in seinem Herzen zum Kardinal berufen hat.

(ap)