Historischer Besuch

17. Januar 2010 20:20; Akt: 17.01.2010 20:27 Print

Papst verteidigt Vatikanpolitik in der Nazi-Zeit

Papst Benedikt XVI. hat bei einem historischen Besuch in der Grossen Synagoge von Rom die Politik des Vatikans angesichts der Judenverfolgung unter den Nazis verteidigt.

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Auch der Vatikan habe Juden während des Zweiten Weltkriegs geholfen, dies sei häufig «im Verborgenen» geschehen, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag.

Der Papst rief die Juden zu Aussöhnung und Dialog auf. Auch die Erinnerung an die damalige Zeit müsse dazu führen, «dass wir unsere Bindungen verstärken, die uns einen», damit «Verstehen und Respekt» weiter wachsen können, sagte Benedikt XVI.

Er hatte zuvor vor einer Erinnerungsplakette für die mehr als tausend Juden verharrt, die während des Zweiten Weltkrieges aus Rom von den Nazis deportiert worden waren. Dabei wurde ein Kranz niedergelegt.

Kontroverse um Papst Pius XII.

Der Besuch der Synagoge durch das Oberhaupt der katholischen Kirche sollte der Vertiefung des Dialogs und der Freundschaft zwischen Juden und Katholiken dienen. Die Visite war aber wegen der Kontroverse um die Seligsprechung von Pius XII. durch Benedikt XVI. umstritten.

Der Papst hatte im Dezember ein Dekret unterschrieben, das Pius XII. den heroischen Tugendgrad zuerkennt. Dies ist der letzte Schritt vor einer Seligsprechung. Pius XII. ist wegen seines Schweigens zur Ermordung der Juden während des NS-Regimes jedoch umstritten.

Der Vatikan hatte mit seiner Erklärung, die Entscheidung sei kein «gegen die Juden gerichteter Akt» gewesen, den Streit letztlich entschärft.

Öffnung des Vatikan Archivs verlangt

Dessen ungeachtet forderte der Präsident der jüdischen Gemeinde Roms, Riccardo Pacifici, vom Papst die Öffnung der Vatikan-Archive zu dieser Frage. «Das Schweigen von Pius XII. zur Shoah ist noch immer schmerzhaft und bedeutet eine verpasste Gelegenheit.» Wahrscheinlich hätte der damalige Papst die Todeszüge nach Auschwitz nicht stoppen können, doch hätte er mit einem klaren Wort ein Signal setzen können, sagte Pacifici.

(sda)