13. April 2005 18:32; Akt: 13.04.2005 18:34 Print

Papstwahl: Chancen für Ratzinger steigen

Die Chancen des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger, zum neuen Papst gewählt zu werden, scheinen nach italienischen Zeitungsberichten zu steigen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Demnach könnte der bisherige Präfekt der Glaubenskongregation beim am Montag beginnen Konklave von 40 bis 50 Stimmberechtigten unterstützt werden. Das Grab von Johannes Paul II. in der Krypta des Petersdoms wurde unterdessen zum neuen Anziehungspunkt für Pilger. Tausende strömten am Mittwoch bereits in den ersten Stunden nach der Öffnung zu der Ruhestätte.

Die erforderliche Zweidrittelmehrheit für die Papstwahl beträgt 77 Stimmen. Diese hat Ratzinger, der am Samstag 78 Jahre alt wird, offenbar noch nicht erreicht. Wie der «Corriere della Sera» und «La Repubblica» berichteten, haben die Kardinäle, die einen jüngeren Nachfolger von Johannes Paul befürworten, sich aber noch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Beide Zeitungen nannten keine Quellen für ihre Informationen.

Ein Mitarbeiter eines europäischen Kardinals, der ungenannt bleiben wollte, zog die Zeitungsberichte allerdings in Zweifel. Er könne sich nicht vorstellen, dass einige Kardinäle sich zu diesem Zeitpunkt schon so klar festgelegt hätten und dies auch nach aussen hin bekunden würden.

Das Kardinalsgremium, als dessen Dekan Ratzinger fungiert, äussert sich nicht mehr öffentlich zur Papstwahl. Das Konklave findet unter strengster Geheimhaltung statt. Bereits am Freitag müssen sich auch all jene formell zur Verschwiegenheit verpflichten, die mit den Kardinälen in Kontakt kommen - beispielsweise Ärzte, Hotelangestellte oder Fahrer, die die Würdenträger zur Sixtinischen Kapelle chauffieren.

Am Dienstagabend hatten viele der in Rom versammelten Kardinäle gemeinsam die letzte Ruhestätte Johannes Pauls besucht. Jeweils zu zweit traten sie an das Grab und verneigten sich. Am Mittwoch empfingen sie die Mitglieder des diplomatischen Korps, die dem Gremium formell ihr Beileid zum Tod des Papstes aussprachen.

In der Phase der so genannten Sedisvakanz - der Zeit zwischen dem Tod eines Papstes und dem Amtsantritt seines Nachfolgers - liegt die Leitung der katholischen Kirche in den Händen des Kardinalskollegiums. Dessen Mitglieder nutzen zugleich die Gelegenheit, sich gegenseitig besser kennen zu lernen, bevor sie den neuen Papst aus ihren Reihen wählen. Für fast alle der anwesenden 115 Kardinäle ist es das erste Konklave - lediglich zwei von ihnen waren schon 1978 bei der Wahl Karol Wojtylas dabei. Dieser wurde erst nach acht Wahlgängen zum Papst ausgerufen.

(ap)