06. April 2005 13:40; Akt: 06.04.2005 14:19 Print

Papstwahl am 18. April

Das Konklave zur Wahl des neuen Papstes beginnt am 18. April, wie die Kardinäle in Rom entschieden. Die Geistlichen öffneten auch das Testament von Johannes Paul. Das 15-seitige, auf Polnisch geschriebene Dokument soll am Donnerstag veröffentlicht werden.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Konklave beginnt damit am 17. Tag nach dem Tod des Papstes. Das Kirchenrecht bestimmt, dass die Wahlversammlung frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach dem Todestag beginnen soll. An ihr werden wahrscheinlich nur 116 Kardinäle teilnehmen. Die philippinische Botschaft beim Vatikan gab am Mittwoch bekannt, dass Kardinal Jaime Sin zu krank sei, um nach Rom zu fliegen. Nicht erfüllt wurde die Erwartung, dass der Papst den Namen eines weiteren Kardinals, der von ihm 2003 ernannt, aber nicht öffentlich bekannt gemacht wurde, seinem Testament anvertraut haben könnte.

In einer weiteren Abkehr von früheren Gepflogenheiten wurde beschlossen, dass die 117 zur Papstwahl zugelassenen Kardinäle während der Wahlgänge nicht in der Sixtinischen Kapelle eingeschlossen bleiben. Vielmehr sollen sie sich im gesamten Vatikan frei bewegen können, wie Erzbischof Piero Marini mitteilte. Am Dienstag hatte das Kardinalskollegium beschlossen, dass nach der Wahl eines neuen Papstes nicht nur weisser Rauch aufsteigen, sondern auch eine Glocke geläutet werden soll.

Das Kollegium der Kardinäle traf am Mittwoch letzte Vorbereitungen für die Beisetzung von Johannes Paul am Freitag. Dazu werden mehr als 200 Staats- und Regierungschefs sowie Würdenträger aller Religionen erwartet. Auch die Zeremonien der Beisetzung wurden präzisiert. Das Gesicht von Johannes Paul wird nach Angaben Marinis mit einem weissen Seidentuch bedeckt. Sein Körper wird in liturgische Gewänder gehüllt, der Kopf wird mit einer weissen Mitra bedeckt. Entsprechend der Tradition werden die sterblichen Überreste in drei Särge gebettet - zwei aus Holz und dazwischen einer aus Zink. Dies soll den Verwesungsprozess verlangsamen. Dem Leichnam wird eine kleine Tasche mit Gedenkmedaillen beigelegt, ebenso ein versiegeltes Dokument mit einer auf Latein verfassten Lebensbeschreibung des Verstorbenen. Entgegen polnischer Wünsche soll hingegen kein Behälter mit Erde aus Johannes Pauls Heimatstadt Wadowice in den Sarg gelegt werden.

Hunderttausende strömen zum Petersdom

Unterdessen übertrifft der Massenansturm von Pilgern zum aufgebahrten Leichnam des Papstes weiter alle Erwartungen. «Es ist ein Wunder», sagte am Mittwoch der deutsche Kardinal Walter Kasper vor Beginn der Kardinalsversammlung. Den dritten Tag in Folge standen wieder zehntausende von Gläubigen vor dem Petersdom an, um von Johannes Paul Abschied zu nehmen. Bei kühler Morgenwitterung warteten sie etwa zwölf Stunden, bis sie vor den Altar mit dem aufgebahrten Leichnam treten konnten. Am Montag und Dienstag waren eine Million Menschen dort vorbeigezogen, am Mittwoch waren es erneut mehrere hunderttausend Pilger.

Der Petersdom, in dem der Papst seit Montagabend aufgebahrt ist, bleibt bis zu seiner Beisetzung Tag und Nacht geöffnet. Lediglich für Reinigungsarbeiten wird er in den frühen Morgenstunden vorübergehend geschlossen.

In Berlin gedachten am Mittwoch die Teilnehmer eines zentralen Trauergottesdienstes des Papstes. Das Pontifikalrequiem wurde gemeinsam zelebriert vom Apostolischen Nuntius Erwin Josef Ender, Kardinal Karl Lehmann und Kardinal Georg Sterzinsky. Vor Bundeskanzler Gerhard Schröder und zahlreichen weiteren Politikern würdigte Lehmann den unermüdlichen Einsatz des Papstes für Freiheit, Solidarität und Frieden. Der Papst habe der Weltmacht USA die Stirn geboten, für Verständigung im Nahen Osten geworben und dem internationalen Terrorismus den Kampf angesagt.

(sda)