15. April 2005 06:55; Akt: 15.04.2005 16:09 Print

Pariser Hotelbrand: 20 Tote, darunter zehn Kinder

Bei einem Brand in Paris sind in der Nacht zum Freitag 20 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern sind zehn Kinder, teilte die Feuerwehr mit. Gebrannt hatte eine einfachen Hotelpension, in der viele Einwanderer wohnten.

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Bergungsfachleute suchten in den schwer zugänglichen oberen Stockwerken des Hotels «Paris-Opéra» den ganzen Tag über nach Opfern. Nach dem Ausbruch des Infernos war es in dem lichterloh brennenden Hotel zu Panikszenen gekommen.

Sieben Pensionsgäste stürzten sich in Todesangst aus den Fenstern auf die schmale Rue de Provence hinter dem Luxuswarenhaus «Galeries Lafayette» und verletzten sich schwer.

Der schwerste Brand in Frankreich seit dem Feuer im Montblanc- Autobahntunnel im März 1999 mit 39 Toten traf vor allem afrikanische Einwanderer mit vielen Kindern.

Dutzende Verletzte

Das Feuer hatte sich rasend schnell ausgebreitet. Zudem gab es eine starke Rauchentwicklung. 11 Menschen wurden schwer und 42 leicht verletzt. Die Brandursache ist ungeklärt, nach den Angaben der Polizei ist sie aber nicht auf einen «kriminellen Akt» zurückzuführen.

«Als ich angerannt kam, da sprangen sie schon aus den Fenstern», berichtete der Brandschutzbeauftragte des Lafayett-Warenhauses, Alfred Millot. Er war um 2.20 alarmiert worden. «Manche haben ihre Kinder aus dem ersten Stock geworfen.»

Das Feuer brach am frühen Morgen im ersten Stock im Frühstückszimmer aus. Noch am Mittag qualmte es aus den oberen Stockwerken des Hotels.

Feuerfalle Treppenhaus

Nur mühsam konnten sich Brandbekämpfer und Bergungsmannschaften in die beiden letzten Stockwerke vorarbeiten, die einzustürzen drohten. Genau dort fanden sie mehrere der Toten, denn viele waren verzweifelt vor Flammen und Rauch nach oben gehetzt.

«Im Treppenhaus hat sich ein regelrechter Schlot gebildet», sagte Feuerwehrsprecher Laurent Vibert. Und einer der Feuerwehrleute sagte bekümmert: «Es hätte weniger Tote gegeben, wenn sie in ihren Zimmern geblieben wären.» Das sechstöckige Hotel hatte den Feuerwehren zufolge nur eine Treppe und einen Ausgang.

Vom Sozialamt einquartiert

Die Verletzten kommen aus Senegal, Elfenbeinküste, Tunesien, Portugal, Frankreich, den USA und der Ukraine. Die Identität der Toten wurde zunächst nicht mitgeteilt.

In der schlichten Hotelpension unweit der Grosswarenhäuser wie «Galeries Lafayette», der Oper Garnier und des Bahnhofs Saint- Lazare hatten die Stadt und Sozialämter vor allem kinderreiche afrikanische Einwandererfamilien untergebracht.

«Erst vor zwei Wochen hat ein Sicherheitsbeauftragter der Stadt das Haus überprüft», sagte die Tochter der Hotelbesitzerin. Sie widersprach Berichten, manche Zimmer seien fensterlos gewesen.

Der französische Staatspräsident Jacques Chirac sprach von einem entsetzlichen Geschehen. Premierminister Jean-Pierre Raffarin sagte rasche Hilfe bei der Unterbringung der Obdachlosen zu. Innenminister Dominique de Villepin hatte sich am Morgen zum brennenden Hotel begeben.

Galeries Lafayette wurden zum Lazarett

Mit dem Grossaufgebot von 240 Feuerwehrleuten und knapp 60 Löschfahrzeugen gingen die Feuerwehren gegen das Flammeninferno vor. Dabei verletzten sich auch drei Feuerwehrleute.

Verletzte wurden in den «Galeries Lafayette» notdürftig betreut und dann in Spitäler gebracht. Auf dem Gelände des Konsumtempels für teure Markenprodukte bahrten die Helfer auch die Toten auf.

(sda)