Das kann nur Musik

14. Juni 2013 15:35; Akt: 15.06.2013 08:30 Print

Pianist vereint Protestler und Polizisten

Seit Tagen prügeln sich in der Türkei Regierungsgegner und Gesetzeshüter die Seele aus dem Leib. Bis gestern Nacht ein Pianist auf dem Taksim-Platz in Istanbul spontan ein Konzert gab.

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Ein Bild des Friedens auf dem sonst so hart umkämpften Taksim-Platz in Istanbuul. Am 13. Juni 2013 spielt ein Pianist auf seinem Flügel – Protestler und Polizisten feiern und lachen gemeinsam. Die Idee stammt vom deutschen Pianisten Davide Martello (l.), der an dem Abend spontan auch mit anderen Musikern spielte. Unzählige Tweets geben die Emotionen wider, die die Menschen auf dem Platz ergriff: «Die Polizei im Hintergrund, der Pianist umringt von Menschen– jetzt auf dem Taksim-Platz!» «Jetzt auf dem Taksim-Platz: Mütter hören dem Gezi-Park-Pianisten Davide Martello zu. Hand in Hand, Arm in Arm» 14.6. 09:03 Now-Taksim pianist Davide Martello performing to thousands Es waren tatsächlich Mütter. Erdogan hatte sie noch am Nachmittag erzürnt dazu aufgefordert, ihre Kinder nach Hause zu nehmen. Doch diese dachten nicht daran und versammelten sich auf dem Platz, um sich mit ihren Töchtern und Söhnen zu solidarisieren. «Wow», schreibt ein Twitterer zu diesem Bild, «ein Pianist auf dem Taksim-Platz spielt Beatles-Hits und beruhigt die Menge. Let there be music!» «Jetzt! Ein Pianist spielt auf dem Taksim-Platz» «Ein Pianist spielt zu einer hingerissenen Menschenmenge auf dem Taksim-Platz!» «Cops und Polizisten hören gemeinsam auf dem Taksim-Platz einem Berliner Pianisten zu. Kein Tränengas – nur Musik!» Rund um das Denkmal sind die Polizisten zu sehen. Einige haben gar ihren Helm abgesetzt – als Zeichen, dass auch sie genug vom Kämpfen haben. Und bereits am nächsten Morgen war er wieder zur Stelle. Und wieder twitterten die Menschen aufgeregt: «Es ist sechs Uhr in der Früh. Die Menschen hören den Pianisten auf dem Platz zu!» Tatsächlich: Trotz Regenwetters war Davide Martello erneut zu einem Gratis-Konzert erschienen.

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Rührende Szenen spielten sich gestern Nacht und heute Morgen auf dem Taksim-Platz in Istanbul ab. Statt sich zu bekämpfen, hörten Polizisten und Regierungsgegner gemeinsam den Klavierklängen verschiedener Pianisten zu. Einige der Gesetzeshüter nahmen dabei gar ihren Helm ab – als Zeichen, dass auch sie die Auseinandersetzungen satt haben.

Dabei hatte der Tag noch kämpferisch begonnen. Am Nachmittag rief Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Mütter auf, sie sollten gefälligst ihre Kinder nach Hause holen. Doch stattdessen versammelten sich Hunderte Frauen, um im Gezi-Park mit ihren Söhnen und Töchtern zu protestieren. Bereits dies ging den zum Teil sehr jungen Polizisten ans Herz.

Als dann auch noch der deutsche Pianist Davide Martello seinen Flügel mitten auf dem Taksim-Platz aufbaute, waren alle ergriffen.

In unzähligen Tweets sind die Emotionen zu spüren, die die Menschen auf dem sonst hart umkämpften Platz ergriff. «Cops und Protestler hören zusammen dem Berliner Pianisten zu. Kein Tränengas, nur Musik», schreibt einer. «Ein Pianist spielt Beatles und beruhigt die Menge», verkündet ein anderer.

Wie lange diese Eintracht anhalten wird, ist nicht abzuschätzen. Doch eine erste Fortsetzung fand bereits heute Morgen in aller Frühe statt. Erneut setzten sich Pianisten ans Instrument und liessen die Klänge über den Platz hallen.


(Quelle: YouTube/666iks)


(Quelle: YouTube/Murat Yilmaz)

(kmo)