06. April 2005 11:36; Akt: 06.04.2005 11:38 Print

Pilger-Invasion: Anwohner klagen

Der gewaltige Ansturm von Gläubigen, die seit dem Tod des Papstes in den Vatikan pilgern, hat in den angrenzenden Vierteln heftigen Protest ausgelöst.

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Wegen der Pilgermassen, die seit Tagen die Strassen um den Vatikan belagern, können die Einwohner der Gegend nicht mehr ihre Wohnungen verlassen. Die Ladenbesitzer klagen über Riesenverluste: Wegen der Menschenmenge, die Schlange steht, kann niemand mehr die Geschäfte der Gegend betreten. Viele mussten ihre Geschäfte schliessen.

Auf der Via Borgo Pio, einer Seitenstrasse unweit des Vatikan, auf der die Pilger seit Montagabend Schlange stehen, haben alle Restaurants und Cafés geschlossen. «Wegen der Menschenmassen kann niemand mehr in unsere Geschäfte und Lokale. Wir können nicht mehr beliefert werden, weil kein Wagen mehr Zufahrt zu dieser Gegend hat. Für uns ist dieses Chaos verheerend», klagte ein Bäcker in Borgo Pio.

Auch die Hoteliers um den Vatikan sind verzweifelt. «Die Pilgerschlangen versperren unsere Eingänge. Die Gläubigen singen und beten, niemand will mehr in dieser Gegend übernachten. Dieses Begräbnis bedeutet für uns enorme Verluste», klagt Ilaria Bussiglieri, Geschäftsfrau auf der Via Conciliazione, der Hauptstrasse, die zum Vatikan führt.

Müll türmt sich

Müll türmt sich in den Strassen, die zum Heiligen Stuhl führen. Die Cafés und Restaurants, die seit Stunden von hungrigen und durstigen Gläubigen geradezu gestürmt werden, sind längst ohne Vorräte. Die öffentlichen Toiletten, die in aller Eile für die Pilger aufgestellt wurden, genügen nicht. «Chaos regiert um den Vatikan», kommentierten römische Zeitungen.

«Die Lage wird sich in den kommenden Tagen noch verschlimmern. Am Freitag, dem Tag des Begräbnisses von Johannes Paul II. soll der Privatverkehr lahm liegen.

Trotz des Protests der Ladeninhaber um den Vatikan ist das Papst- Begräbnis für die «Ewige Stadt» ein Millionengeschäft. Die Pilger, die dieser Tage nach Rom fahren, um dem am Samstag gestorbenen Papst die letzte Ehre zu erweisen, werden der italienischen Hauptstadt an die 250 Millionen Euro bringen, geht aus Schätzungen des Konsumentenschutzverbands Codacons hervor.

(sda)