Bibelzitate

14. Juli 2014 15:51; Akt: 14.07.2014 17:30 Print

Pistorius bricht sein Schweigen auf Twitter

Der wegen Mordes angeklagte südafrikanische Sprintstar Oscar Pistorius twittert wieder. Seine Botschaften sorgen für gemischte Reaktionen.

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Erschien erstmals seit langem wieder vor Gericht: Oscar Pistorius. Sein Fall wird nochmals neu verhandelt: Oscar Pistorius vor Gericht. (Archiv / 21. Oktober 2014) Oscar Pistorius kommt nach Verbüssung von einem Jahr seiner fünfjährigen Haftstrafe «frei». Ein Bewährungsausschuss in Südafrika hat nach Beratungen über eine vorzeitige Haftentlassung des beinamputierten Ex-Sprinters entschieden, ihn den Rest seiner Strafe unter Hausarrest absitzen zu lassen. Am 6. Oktober 2015 ordnete die Berufungskommission an, dass Oscar Pistorius einer Psychotherapie unterziehen muss. Der Prozess geht weiter: Am 27. Oktober verkündet Staatsanwalt Gerrie Nel, dass er in Berufung geht. Am 21. Oktober 2014 verkündete Richterin Thokozile Masipa das Strafmass: Fünf Jahre Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung von Reeva Steenkamp. Das Urteil der fahrlässigen Tötung soll Pistorius nicht bremsen. Das nationale Olympische Komitee wird dem Spitzensportler nach Bekanntgabe des Strafmasses (voraussichtlich im Oktober 2014) wieder eine Starterlaubnis erteilen. Der südafrikanische Paralympics-Sprinter Oscar Pistorius konnte am 12. September 2014 das Gericht in Pretoria trotz des Schuldspruchs wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp verlassen. Richterin Thokozile Masipa hatte zuvor entschieden, die Kautionsregelung bis zu Beginn der Verkündung des Strafmasses am 13. Oktober zu verlängern. Eiskalter Mord oder ein entsetzlicher Irrtum? Seit dem 3. März 2014 muss sich Oscar Pistorius im südafrikanischen Pretoria vor Gericht verantworten, weil er seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hat. Justiz-Spektakel: Der Prozess wird live übertragen. Das Medieninteresse an dem einstigen Sportidol ist gewaltig. Am wurde Oscar Pistorius (Mitte) in Pretoria festgenommen. Das Opfer, , wurde nur 29 Jahre alt. Hier geschah es: Das Anwesen von Pistorius in Pretoria. Auf dem Archivbild ist ein Grundriss von Pistorius' Haus zu sehen. Der Angeklagte soll aus dem Schlafzimmer durch die Tür auf seine Freundin geschossen haben, die sich zur Tatzeit im Bad (oben links) aufhielt. Ein Ballistik-Bericht hatte amgezeigt, dass Oscar Pistorius während der Schüsse auf Reeva Steenkamp seine Beinprothesen wohl nicht getragen hat. Doch die Anklage brachte weitere Indizien vor, die seine Schuld beweisen sollen. Der Fall sorgte immer wieder für Aufsehen. Amwurde dem Chefermittler Hilton Botha der Fall entzogen, weil er selber unter Mordverdacht stand. Im Fall Pistorius wird ihm Schlamperei vorgeworfen. Als der Richter am Anklage wegen Mordes erhob, brach der Sprint-Star in Tränen aus. Seine Karriere als Sportidol dürfte damit zu Ende sein. Oscar Pistorius ist der bekannteste behinderte Sportler der Welt. Bei den Paralympics sicherte er sich bisher sechsmal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. 2004 sprintete er zum Olympiasieg über 200m und gewann Bronze über 100m. 2008 in Peking wurde er Olympiasieger über 100m, 200m und 400m. 2012 verteidigte er den Titel über 400m (Bild) und stellte mit der 4x100m-Staffel einen neuen Weltrekord auf. Dazu gabs Silber über 200m. Pistorius stellte neben dem 4x100m-Weltrekord T42-46 (Bild) auch die Bestmarken über 100m T43, 200m T43 und 400m T43 auf. An Weltmeisterschaften der Behinderten gewann der Südafrikaner 2006 in Assen Gold über 100m, 200m und 400m, in Christchurch 2011 sicherte er sich die Titel über 200m, 400m und 4x100m sowie Silber über 100m. Dazu startete Pistorius 2011 in Daegu als erster behinderter Sportler bei Nichtbehinderten-Weltmeisterschaften. Mit der 4x400m-Staffel sicherte er sich dabei Silber. Dabei war er im Halbfinal beim Landesrekord mit dabei, im Final startete Pistorius allerdings nicht. Neben der Staffel (Bild) lief Pistorius in Daegu auch über 400m, wo er im Halbfinal scheiterte. Bei den Olympischen Spielen 2012 lief er erneut über 400m und bei der 4x400m-Staffel. Der «Blade Runner» wurde 2012 mit einem Laureus World Sports Award geehrt. Dieser zeichnet herausragende Leistungen aus. Erstmals bei den Nichtbehinderten startete Pistorius 2007, was von Anfang an für Diskussionen sorgte, weil es hiess, die Karbon-Prothesen würden den Sprinter bevorteilen. 2008 kam Pistorius zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in die Schweiz. In Luzern startete er beim Meeting und stellte mit 46,25 Sekunden eine persönliche Bestmarke auf. Die Qualifikation (geforderte Zeit 46,55 Sekunden) für Peking 2008 verpasste er allerdings, weil Südafrika vier schnellere Läufer nominierte. Erst wurde Pistorius die Zulassung sowieso aberkannt, doch der Internationale Sportgerichtshof CAS hob das Urteil auf. Die Vorteile durch die Prothesen (Schlussspurt) werden durch Nachteile (Start, Kurventechnik) aufgehoben. Pistorius kam 1986 wegen eines Gendefekts ohne Waden zur Welt. Im Alter von 11 Monaten wurden ihm die Beine unterhalb der Knie amputiert. Von Anfang an war er daher auf Prothesen angewiesen. Auf seinem Rücken hat Pistorius einen Bibel-Spruch tätowiert, der mit den Worten beginnt: «I do not run like a man running aimlessly» («Ich laufe nicht wie einer, der ziellos läuft»). Ein zweites sichtbares Tattoo auf seinem rechten Arm zeigt das Geburts- und Todesdatum seiner Mutter. Im Dezember 2012 trat der Sprinter in Doha über 200m gegen ein Pferd an - und siegte. Sich selbst bezeichnet er nicht als behindert, sondern als «ohne Beine». Seit 2007 studiert der Sportler Betriebswirtschaftslehre. 2008 wurde von der BBC eine Dokumentation über Pistorius mit dem Titel «The Fastest Man on No Legs» gedreht. Pistorius kassiert von Össur, BT, Nike, Oakley und Thierry Mugler pro Jahr rund 2 Millionen Dollar Sponsorengelder. Pistorius fährt gerne Motorrad und hält Zuchtpferde. 2009 verletzte er sich bei einem Bootsunfall schwer, wovon er sich aber vollständig erholte. Seine Autobiografie «Dream Runner» wurde 2008 von «Gazzetta»-Journalist Gianni Merlo veröffentlicht, 2009 erschien die englische Version mit dem Titel «Blade Runner».

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Erstmals seit Monaten hat sich der wegen Mordes angeklagte südafrikanische Sprinter Oscar Pistorius via Twitter zu Wort gemeldet. Am Sonntagabend zitierte Pistorius in dem Kurzbotschaftendienst den Bibelpsalm «Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen».

Wenig später lud er eine Fotocollage hoch. Auf den Bildern ist Pistorius mit mehreren beinamputierten Kindern zu sehen.


Anschliessend stellte er einen Auszug aus dem Buch «Der Mensch auf der Suche nach Sinn» des österreichischen Neurologen und Psychiaters Viktor Frankl online.


Am Montagmorgen schliesslich verbreitete der aus einer religiösen Familie stammende Pistorius auf seinem Twitter-Profil ein Kurzgebet: «Gott, heute bitte ich dich darum, diejenigen, die in Schmerzen leben, im Fluss deiner Heilung zu baden. Amen».


Pistorius twitterte am Valentinstag

Die Botschaften des Südafrikaners sorgten für gemischte Reaktionen. Einige Nutzer ermunterten den 27-Jährigen, andere warfen ihm vor, er wolle seine Tat vergessen machen.

Pistorius, der sich wegen der Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht zum Valentinstag 2013 vor Gericht verantworten muss, war zuletzt am Jahrestag der Tat bei Twitter aktiv gewesen. Damals sprach er der Familie von Steenkamp sein Bedauern aus.

Mord oder Versehen?

Pistorius gibt zu, Steenkamp durch die geschlossene Toilettentür seines Hauses erschossen zu haben. Allerdings will er sie für einen Einbrecher gehalten und in Panik geschossen haben.

Die Anklage ist dagegen überzeugt, dass Pistorius seine Freundin nach einem Streit erschoss. Sollte er schuldig gesprochen werden, drohen ihm bis zu 25 Jahre Haft. Die Abschlussplädoyers in dem Prozess sollen am 7. und 8. August gehalten werden.

(sda)