Geiselnahme in Hessen

23. Juni 2016 16:39; Akt: 23.06.2016 23:34 Print

Polizei findet Sprengstoff-Gürtel neben totem Täter

In Viernheim hat ein bewaffneter Mann ein Kino gestürmt. Spezialeinsatzkräfte haben den mutmasslichen Amokläufer erschossen.

Bewaffnete stürmen das Kino-Center: Großeinsatz der Polizei im südhessischen Viernheim. (Video: Reuters)
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Im südhessischen Viernheim hat ein bewaffneter Mann ein Kino gestürmt und ist kurz darauf von Spezialkräften der Polizei erschossen worden. Die Mitarbeiter und Kinogäste, die von dem Mann offenbar festgehalten wurden, konnten das Kinocenter laut Polizei unverletzt verlassen. Das Motiv des Angriffs blieb unklar. Ein Kassierer des Kinos sagte, der Angreifer sei jung gewesen und habe «verwirrt» gewirkt.

Die Polizei war am Donnerstagnachmittag alarmiert worden. Der Mann habe das Kino «maskiert und bewaffnet» betreten, erklärten Staatsanwaltschaft und Polizei. Es habe eine «akute Bedrohungslage» bestanden. Spezialeinsatzkräfte der Polizei erschossen den Mann, nachdem sie das Kino gestürmt hatten. Zu möglichen Geiseln konnte eine Polizeisprecherin keine Angaben machen.

Unklar war zunächst auch, was für eine Waffe der Angreifer bei sich hatte. In manchen Medienberichten war von einer Schreckschusswaffe die Rede. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von einer «Langwaffe». Die Polizeisprecherin sagte dazu, dies werde noch untersucht.

Wie das Boulevard-Blatt «Bild» berichtet, fand die Polizei neben der Leiche des Täters eine Handgranate und einen Sprengstoffgürtel. Offiziell bestätigt wurden diese Beobachtungen hingegen nicht. Die Zeitung «Mannheimer Morgen» berichtete auf ihrer Website, die Polizei habe mitgeteilt, dass sich ein Rucksack des Täters als harmlos erwiesen habe. Die Polizei habe keinen Sprengstoff gefunden.

Mutmasslicher Geiselnehmer in Kino totJunger, verwirrter Mann mit langem Gewehr

Der 21-jährige Student Guri Blakaj, der in dem Kino als Kassierer arbeitet, sagte, der wohl zwischen 18 und 22 Jahre alte Angreifer sei mit einem «langen Gewehr» bewaffnet gewesen. «Ich habe erst mal gedacht, das wäre ein verkleideter Kunde», sagte Blakaj. Dann aber sei ihm der Ernst der Lage klar geworden.

Als der Mann ihn ins Büro des Kinos geschickt habe, habe er im Aufzug stehend mehrere Schüsse gehört, berichtete Balkaj. Der Täter ging dem Kassierer zufolge konfus vor, Geld habe er nicht gefordert. «Verwirrt hat er auf mich gewirkt», sagte Blakaj.

Zunächst habe er sich mit seinen Kollegen auf den Boden legen müssen, dabei habe er heimlich mit einem dafür vorgesehenen Knopf Alarm ausgelöst. Der Täter habe ihn dann aufgefordert, die Türen des Kinos zu verschliessen, sei mit ihm danach bis kurz vor die Kinosäle gegangen und habe ihn schliesslich ins Büro geschickt.

Verletzte durch Reizgas

Laut Medienberichten wurden 25 Menschen durch Reizgas verletzt. Auch dazu konnte die Polizeisprecherin keine Angaben machen. Innenminister Beuth sagte, er habe keine Erkenntnisse, dass auch Dritte geschädigt wurden. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das hessische Landeskriminalamt übernahmen die Ermittlungen.

Der Geschäftsführer der Kinopolis GmbH, Gregory Theile, sagte der Website des Regionalmagazins des Hessischen Rundfunks, zum Zeitpunkt der Tat hätten sich angesichts der Hitze nur «etwa 30 Gäste und neun Mitarbeiter» in dem Kino aufgehalten. Das Kino bleibe bis auf Weiteres geschlossen. «Diesen Schock müssen wir alle erst mal verarbeiten», sagte Theile.

(bee /sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fatre am 23.06.2016 17:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo der Polizei!

    Traurig in jeder Hinsicht für die Angehörigen - ABER BRAVO für die Polizei!!! Richtig gehandelt!

  • Rex Erdal am 23.06.2016 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Entscheidung

    Ich hab die Schnauze voll von all den Verwirrten, auf die man immer noch Rücksicht nehmen soll. Mit einer Knarre ins Kino gehen und Geiseln nehmen, da ist es völlig in Ordnung, wenn man den dauerhaft entfernt. Bravo.

  • Adrian am 23.06.2016 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Verrückte

    Man kann ja manches der IS unterschieben. Aber es gibt auch unter uns "normalen" Bürgern Verrückte, Gestörte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Rex Erdal am 23.06.2016 23:21 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Entscheidung

    Ich hab die Schnauze voll von all den Verwirrten, auf die man immer noch Rücksicht nehmen soll. Mit einer Knarre ins Kino gehen und Geiseln nehmen, da ist es völlig in Ordnung, wenn man den dauerhaft entfernt. Bravo.

  • Chris am 23.06.2016 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Das gibt's

    Wer denn seine Hormone, Enzyme und elektrische Entladungen im Hirn voll im Griff hat, der kann meckern. Alle andern sollten froh sein, dass der Zentralrechner einigermassen arbeitet. Solche Dinge entziehen sich manchmal eben der eigenen Kontrolle. Wir wissen noch fast gar nichts über unser Hirn und seine Funktionsweise. Es ist für alle Beteiligten tragisch.

  • Fred Feuerstein am 23.06.2016 21:55 Report Diesen Beitrag melden

    Soviel zur geistigen Verwirrung

    Ja, ursprünglich wollte der Täter nur eine Fleischtomate und einen Hosengürtel aus dem Lidl zum Tatort mitnehmen; schwenkte dann aber im letzten Moment doch noch auf die Handgranate und den Sprengstoffgürtel um. Kann ja wohl nicht wahr sein...

  • Gnii am 23.06.2016 21:49 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne neue Welt

    Tolle Kopien aus den USA. Ich würde mal sagen, das uns solche Berichte bald nicht mehr interessieren werden, weil sie zum Alltag dazu gehören werden.

  • Madlaina am 23.06.2016 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Glück gehabt!

    Ich kenne das Kino sehr gut! Ich bin Schweizerin, wohne aber schon seit vielen Jahren in Heidelberg. Das Kinopolis ist mein Stammkino! Ist schon krass... Normalerweise denkt man sich immer, dass solche traurige Geschehnisse nicht in dieser Gegend passieren würden, aber dies zeigt einmal Mehr, dass es überall böse Menschen gibt :(

    • Klugscheisser am 23.06.2016 21:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Madlaina

      Es gibt keine bösen Menschen, nur Prinzipien und das unterscheidet uns von der Tierwelt.

    • werner kessler am 23.06.2016 22:12 Report Diesen Beitrag melden

      attentat

      Es sind auch nicht alle Menschen gleich aber es gibt gleichere und das ist gut so, nur so bringen wir uns vorwärts.

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