Paris

07. Februar 2017 13:55; Akt: 07.02.2017 15:07 Print

Polizisten vergewaltigen 22-Jährigen

Weil er sich angeblich weigerte, seinen Ausweis zu zeigen, rammte ein Polizist einem jungen Mann nördlich von Paris einen Schlagstock in den Anus.

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Ein Fall von unangemessener Polizeigewalt hat in Frankreich Empörung ausgelöst: Während einer Personenkontrolle in der Pariser Vorstadt Aulnay-sous-Bois wurde ein 22-jähriger Mann durch vier Polizisten verletzt und mit einem Schlagstock vergewaltigt.

Der Vorfall ereignete sich am Donnerstagabend, berichtet «Le Parisien». Der junge Schwarze, der in den Medien nur mit seinem Vornamen Théo genannt wird, wurde zusammen mit anderen jungen Menschen angehalten und aufgefordert, sich zu identifizieren. Als Théo sich weigerte, packten ihn vier Beamte bei den Armen und warfen ihn auf den Boden.

Sie schlugen mehrmals auf den jungen Mann ein, bespuckten ihn und beleidigten ihn mit rassistischen Aussprüchen. Am Schluss zogen sie ihm die Hosen runter, während einer der Polizisten ihm den Knüppel in den After rammte. Die Szene wurde von einem Augenzeugen gefilmt, die Aufnahmen spielte er am Wochenende dem Sender BFMTV zu. Théo wurde schwer verletzt in ein Spital eingeliefert. Er musste im Notfall wegen schwerer innerer Blutungen operiert und wegen seiner Kopfverletzungen behandelt werden.

Polizei soll «beschützen und nicht demütigen»

Die vier Polizisten wurden mittlerweile vom Dienst suspendiert. Gegen einen von ihnen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Vergewaltigung, gegen die anderen drei wegen schwerer Körperverletzung eingeleitet. Gegenüber dem zuständigen Staatsanwalt sagten sie aus, dass sowohl Théo wie auch die anderen Männer an einer Ecke, an der bekanntermassen Drogen verkauft würden, mutmasslich Ausschau nach Polizisten hielten. Nach Behördenangaben ist der 22-Jährige französischer Staatsbürger und nicht vorbestraft.

Am Montagnachmittag marschierten rund 500 Bewohner in Aulnay-sous-Bois nordöstlich von Paris bei einer Protestkundgebung unter dem Motto «Gerechtigkeit für Théo». In der Nacht zuvor wurden Polizisten in dem Stadtviertel mit Wurfgeschossen attackiert, ein Auto wurde in Brand gesetzt. Fünf Verdächtige wurden nach Polizeiangaben vorerst festgenommen.

Die Familie sei nun psychisch am Ende

Innenminister Bruno Le Roux erklärte, «Beispielhaftigkeit» und «Respekt» müssten die «ständigen Massstäbe» für die Arbeit der Sicherheitskräfte sein. Auch der rechtsgerichtete Bürgermeister von Aulnay-sous-Bois, Bruno Beschizza, selber ein ehemaliger Polizist, zeigte sich schockiert.

Vorfälle von Polizeigewalt seien «inakzeptabel», sagte Beschizza zu «Le Parisien». Man werde diesen Fall aufklären, denn die Bürger müssten «von der Polizei beschützt und nicht gedemütigt» werden. Théo sei ein «respektabler junger Mann aus einer anständigen Familie», die nun «psychisch am Ende sei», versicherte der Politiker.


(kle)