Domenico Silano

03. Juni 2009 23:15; Akt: 04.06.2009 09:29 Print

Posträuber schrieb Enthüllungs-Buch

von Marco Lüssi - 53 Millionen erbeutet, 15 Monate auf der Flucht: Der Raubüberfall auf die Fraumünster-Post ging in die Schweizer Kriminalgeschichte ein. Heute erscheint ein Buch, in dem Posträuber Domenico Silano seine Geschichte erzählt. Lesen Sie erste Auszüge auf 20 Minuten Online.

storybild

Domenico Silano posiert mit seinem Buch vor dem Tatort Fraumünsterpost. (Nicolas Y. Aebi)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es war das spektakulärste Verbrechen der jüngeren Schweizer Geschichte: Fünf Männer drangen am 1. September 1997 in einem als Telecom-Servicewagen getarnten Auto in die Fraumünster-Post in Zürich ein. Nur mit Spielzeugpistolen bewaffnet, erbeuteten die Täter 53 Millionen Franken.

Als Fahrer am Coup beteiligt war der damals 24-jährige Domenico Silano. Gemeinsam mit Autor Patrik Maillard hat er nun das 224-seitige Buch «Silano – Der Jahrhundertpostraub» (Salis-Verlag) geschrieben, das seit heute im Handel ist. Im Buch erzählt Silano von der Tat und seiner nervenaufreibenden Flucht mit Stationen in Italien, in Venezuela und den USA. Auch räumt Silano mit der Legende auf, dass die Räuber 20 Millionen nicht mitnahmen, weil in ihrem Lieferwagen der Platz fehlte: «Das Problem war nicht der Platz, wir hatten schlicht keine Zeit mehr.» Und Silano gibt erstmals zu, dass er einen Beuteanteil von 4 Millionen Franken erhalten hatte – im Prozess hatte er noch behauptet, er sei leer ausgegangen.

«Zeit auf der Flucht war schlimmer als der Knast»

20 Minuten hat sich mit Domenico Silano über sein Buch, seine Flucht und den Verbleib seiner Millionenbeute unterhalten.

Herr Silano, wie wird man Posträuber? Domenico Silano: Dafür gibts keine Schule (lacht). Das war Schicksal. Kein einziger, der damals mitgemacht hat, war ein Profi. Genauso wie ich hätte also auch jeder andere dabei sein können.

Sie waren nach dem Coup 15 Monate auf der Flucht – so lange wie keiner der anderen Beteiligten. Was haben Sie besser gemacht?
In erster Linie hatte ich Glück. Aber ich habe nicht wie andere mit meinen Millionen in den Casinos und Nachtclubs geprasst, sondern mich sehr ruhig verhalten.

Wie haben Sie diese Zeit erlebt?
Je länger es dauerte, um so schwerer wurde es. Wenn du auf der Flucht bist, musst du dich verhalten, als ob du gestorben wärst: Du musst alle Kontakte abbrechen. Das ist schlimmer, als im Gefängnis zu sitzen. Die schwersten Momente, die ich während der Flucht erlebte, waren schlimmer als jene im Knast. Etwa, als ich Weihnachten ohne meine Familie feiern musste.

Ihr Anteil an der Beute ist verschwunden. Sie haben dieses Geld wirklich nicht wiederbekommen?
Mein Anteil betrug 4 Millionen Franken, die Scheine waren etwa so schwer wie ein Zementsack. Dieses Geld ist weg. Glauben Sie etwa, wenn ich diese Millionen hätte, hätte ich dieses Buch geschrieben und würde Ihnen ein Interview geben?

Das wäre jedenfalls ein raffiniertes Täuschungsmanöver. In Ihrem Buch wird ein Luigi erwähnt, der ihnen das Geld gestohlen haben soll ...
Als ich aus dem Gefängnis raus war, habe ich anfangs nach Luigi gesucht. Aber diese Suche machte mich kaputt. Ich habe die Hoffnung auf meinen Anteil aufgegeben und musste mit dieser Geschichte abschlies­sen.

Wenn ich wie Sie die Möglichkeit hätte, bei einem solchen Millionencoup mitzumachen, würden Sie mir raten, es zu tun?
In meinem Buch kann man lesen, dass der Postraub mir und meiner Familie nur Leid gebracht hat. Dieser Weg zum schnellen Geld ist der falsche Weg. Ich rate jedem jungen Menschen davon ab, mich als Posträuber zu seinem Vorbild zu machen.

Wäre ein solcher Millionen-Postraub auch heute noch möglich?
Never say never.